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„Wer guten Braten macht, hat ein gutes Herz“

Rinteln / „Rintelner Sinnesfreuden“ „Wer guten Braten macht, hat ein gutes Herz“

In fast jedem Familienbücherbord wohl steht eine Ausgabe des dicken „Hausbuches“ von Wilhelm Busch, in dem all seine sarkastisch-humoristischen Bildergeschichten und Gedichte versammelt sind.

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Schauspieler Jörg Schade rezitiert und singt Texte von Wilhelm Busch. Dazu zeigt er Tafeln mit Zeichnungen des Dichters. Pianistin Annegret Kuttner (rechts) begleitet ihn musikalisch.

Quelle: cok

Von Cornelia Kurth

Rinteln. Gerade deshalb vielleicht machte es am Abend der „Rintelner Sinnesfreuden“ so viel Spaß, sich bei einem köstlichen Vier-Gänge-Menü auf den Schauspieler Jörg Schade einzulassen. Mit echter Leidenschaft rezitierte dieser aus dem Werk des berühmten Wiedensahlers, nicht zuletzt und passend zum kulinarischen Background: „Wer einen guten Braten macht, hat auch ein gutes Herz!“

 Aus der Waldkaterküche gab es Galantine vom „Witwe-Bolte-Huhn“ und geräucherten Seelachs in „Schneider Böcks Brückenspan“ (also in einer Rindenhülle gebacken), man servierte „Meister Bäckers Schweinefilet im Brotmantel“ (nein, es waren nicht Max und Moritz darin versteckt) und zum Schluss allerlei süßes „Gezwickel“, Speisen, die umso besser mundeten, je mehr sich alle Gäste in den Essenspausen über Wilhelm Buschs nicht gerade zimperlichen Humor amüsiert hatten.

 „Erstaunlich, wie wenig sich die Menschen seit den Tagen des Dichters verändert haben“, meinte Jörg Schade. „Es gibt kaum einen Text, der nicht auch heute noch seine Wirkung entfaltet.“

 Am Klavier begleitet von seiner langjährigen Auftritts-Partnerin Annegret Kuttner trug er, manchmal auch singend, manchmal auf die im Ratskeller aufgestellten Tafeln mit Buschs bekannten Zeichnungen verweisend, ein Gedicht nach dem anderen vor.

 Vom Vogel auf dem Leim hörte man, der weiter singt, obwohl die Katze sich schon hungrig anschleicht: „Der Vogel denkt: Weil das so ist, und weil mich doch der Kater frisst, so will ich keine Zeit verlieren, will noch ein wenig quinquilieren und lustig pfeifen wie zuvor. Der Vogel, scheint mir, hat Humor.“

 Auch der Frosch, der platt vom Baum fällt, weil er dem Finken, dem er hinauf auf den Baum folgte und dessen Gesang er ungefragt mit Quaken ergänzte, nun auch noch hinterherfliegen will, er konnte wieder zur Verbreitung dieses schönen Lehrspruchs beitragen: „Wenn einer, der mit Mühe kaum, geklettert ist auf einen Baum, schon meint, dass er ein Vogel wär, so irrt sich der.“

 Schon oft trugen Schade und Kuttner ihr Wilhelm-Busch-Programm vor, doch merkte man ihnen keinerlei Routine-Langeweile an. Der Schauspieler, der unter anderem auch für das Ohnsorg-Theater aufspielte, er sang, sprang und tanzte herum, sprach die Texte, als fielen sie ihm gerade zu und als müsse er immer neu staunen über den manchmal fast schmerzlich die Schwächen des Menschen durchschauenden Blick, durch den Busch wohl immer unvergessen bleiben wird.

 „Wirklich, er war unentbehrlich“ heißt eines dieser kühl-sarkastischen Gedichte: „Ohne ihn war nichts zu machen, keine Stunde hatt‘ er frei. Gestern, als sie ihn begruben, war er richtig auch dabei.“ Und wer hat sich nicht schon selbst auf Wilhelm-Busch-Weise vor Kritik gerettet, in dem er all die Vorteile der „Selbstkritik“ beherzigte, die der Dichter so sehr lobt. Wer noch mal wissen will, wie dabei herauskommt, dass man als Selbstkritikus schließlich ein „ganz famoses Haus“ sei, der sollte sich schnellstens das „große Hausbuch“ schnappen. Irgendwo auf einem der häuslichen Bücherregale ist es bestimmt zu finden.

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