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19:34 28.10.2016
Über den Wolken: Brit Floyd. Quelle: Heusel
Hannover

Hinterher im Foyer wird gestritten, wer nun besser sei als Tributband von Pink Floyd – die Minuten zuvor in den Backstagebereich entschwunden Hannover-Debütanten Brit Floyd oder die sonst hier gastierenden Australian Pink Floyd Show. Einigung fällt schwer, technisch tadellos sind beide Gruppen, die Australier seien aber zu laut und hätten dieses alberne aufblasbare Känguru, sagt einer, was sie in Nähe einer Clownstruppe rücke. Die Briten seien ernsthafter, in Grenzen gar originell, doziert der Mann weiter, der „noch nie eine so tolle Lichtshow im Aegi“ erlebt habe.

Brit Floyd, 2011 in Liverpool gegründet, spielen die Musik von Pink Floyd, die der Welt namhafteste und später zerstrittenste Psychedelic- und Progressive-rockband war. Drei Stunden, inklusive Pause. Damian Darlington, ein Brite, der nicht als Einziger hier lange Jahre bei den Aussies gespielt hat, und seine acht Rockladies und -gentlemen bieten musikalische Brillanz in knackigem Sound, dazu ein Überwältigungstheater aus Spots, Lasern und Projektionen. Man groovt dezent zu „Learning to Fly“, schwelgt in Grün und Melancholie bei der Ballade „Us & Them“. „Plink! Plink!“ fingert Anfang der zweiten Halbzeit das Keyboard-Echolot durch den Saal: Ja, Brit Floyd lassen auch das endlose, wunderschöne Song-Ungeheuer „Echoes“ schweben, Edo Scardis Möwengitarre schreit ihre Wah-Wah-Laute aus. Und bei „The Great Gig in the Sky“ verliert sich Sängerin Angela Cervantes in einen Gospel aus tiefstem Seelengrund. Keine Worte, nur strahlende Stimmekstase.

Brit Floyd sind die blendenden Imitatoren von „Shine On You Crazy Diamond“, „One of These Days“, „Money“ und „Wish You Were Here“, sind Leute, auf die man zurückgreifen muss, weil die Originalmusiker die Originalband stillgelegt haben, sie von einer aktiven in eine passive Geldmaschine verwandelt haben. Brit Floyd sind Vertraute einer Legende, Spiegel von Pink Floyd, man könnte ihre Darbietung der aus der Klassik bekannten „historischen Aufführungspraxis“ zurechnen, würden sie innerhalb des Floyd-Sounds nicht auch Eigenes wagen: „Time“ bekommt im letzten Drittel kurzzeitig beinahe Hardrockhärte, ein noch traumhafterer Traumbogen entsteigt bei „Comfortably Numb“ der Gitarre von Edo Scardi als weiland der von David Gilmour. Diese Musik, obschon aus zweiter Hand, lebt.

Und doch darf der Fan sicher sein, dass diese Truppe nicht über Kreativzwist zerbrechen wird, weil der Schöpfungsakt eher wenig relevant ist im Schaffen von Brit Floyd. Wenn doch, träte eben unbemerkt ein neuer Virtuose an die Stelle des Vorherigen. Und alles wäre gut. Ein Modell, dem die Zukunft gehört. Sind doch alle Rocker der großen klassischen Ära dem Alter zugeneigt, alt, richtig alt oder gestorben.

„Run Like Hell“ kommt als letzte Zugabe, lang und exzessiv – der Song von „The Wall“, mit dem Pink Floyd 1979 Rock ’n’ Roll-Dampf machten. „You better make your face up / in your favourite disguise“, singen Ian Cattell und Darlington die Zeilen übers Verkleiden. Es hört sich nach Brit Floyds Credo an, Stroboskope blitzen, die Gitarre klingt jetzt nach zerspringenden Spiegeln. „Run! Run! Run!“ – Lauft! Lauft! Lauft! – am besten zur Kasse. Denn am 31. März nächsten Jahres machen – in der Swiss- Life-Hall – die Australier wieder einen auf Pink Floyd. Die mit dem Känguru.

VON MATTHIAS HALBIG

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