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Kultur überregional Ein Schatten wird lebendig
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07:18 01.12.2014
Dänen lügen nicht? Felix Meyer (Mitte) als falscher Oberboss einer IT-Firma.
Celle

Der dänische Filmregisseur und Drehbuchautor Lars von Trier ist nicht gerade als Spaßmacher bekannt. So stammen von ihm drei Filme, die als „Trilogie der Depression“ bekannt geworden sind.Unter Depressionen leidet Trier selbst, was nicht gerade die beste Voraussetzung dafür ist, Komödien zu schreiben. Er hat es aber trotzdem getan: „Der Boss vom Ganzen“, auch als Film von 2006, hatte im folgenden Jahr in Mannheim Uraufführung. Jetzt ist das Stück im Schlosstheater Celle zu sehen; Regie führt Thomas Ladwig.

Den Boss vom Ganzen gibt es eigentlich gar nicht, weil er sich nämlich versteckt. Ravn, der Inhaber einer IT-Firma, gibt vor, nur der Geschäftsführer zu sein, der seine Anweisungen von einem Chef in Amerika erhält. Gedeckt von dieser Schattenfigur kann er harte Entscheidungen treffen und dabei seine Hände in Unschuld waschen. Er will seine Leute ausbeuten und gleichzeitig von ihnen geliebt werden. Doch dann kommt es zum Schwur: Ravn will die Firma verkaufen und dafür braucht er gegenüber dem Investor einen Chef aus Fleisch und Blut.

Also engagiert er für diese Rolle einen Schauspieler, der ihm für die Vertragsunterzeichnung Handlungsvollmacht erteilen soll. Zwei Minuten nur soll diese Prozedur dauern, und dafür brauchte es nicht unbedingt einen Schauspieler. Trier führt aber eine solche Figur ein und demonstriert mit ihr zwei seiner Theatermodelle. Das eine beruft sich auf Brecht - auf dem Theater wird gezeigt, dass Theater in der Tat Theater ist -, das andere auf den russischen Schauspiellehrer Konstantin Stanislawski. Danach soll ein Schauspieler durch genauen Vollzug äußerer Handlungen sich innerlich in seine Rolle einleben, um glaubwürdig zu wirken.

Und diese Stanislawski-Methode braucht der Schauspieler Kristoffer auch, weil es mit den zwei Minuten nicht klappt - der Investor macht Zicken. Kristoffer muss für Tage bleiben, und die Kernbelegschaft kriegt mit, wer er angeblich ist. Wie soll er da bestehen, wenn er nicht einmal weiß, was die Firma überhaupt produziert. Es dauert nicht lange, bis dem Zuschauer schwant, dass Ravn unter seiner Camouflage sozial Böses plant. Was schließlich auch Kristoffer aufgeht, worauf er erst leise und dann immer entschiedener Ravns Plan zu sabotieren beginnt.

Lars von Triers Stück ist nicht perfekt. Bis sich ein Spannungsbogen herausbildet, dauert es, und er wird auch nicht konsequent durchgehalten. Dafür bietet das Stück Interpretationsmöglichkeiten. Man könnte es trotz seiner komödiantischen Züge als Kapitalismuskritik inszenieren (was allerdings kein leichtes Unterfangen wäre). Regisseur Ladwig dagegen setzt in Celle auf Komödie und belässt es im fernen Dänemark, das nicht gerade als soziale Hölle bekannt ist. Karikiert wird dänisches Harmoniestreben, Nationalfähnchen werden geschwenkt, und der Investor ist ein Isländer. Dieser spricht ein „Isländisch“, das auf der Nordmeerinsel gewiss keiner versteht, und beschimpft die einstigen dänischen Kolonialherren so gröblich, dass der „Übersetzer“ (Rasmus Max Wirth) gar nicht alles wiedergeben mag - Jürgen Kaczmarek als Kraftkerl (und Knallcharge). Bei einer Aufführung des Stücks in Zürich im Jahr 2008 war der Investor ein Japaner, der auch richtiges Japanisch sprach.

Sehr komödiantisch ist auch das Mitarbeiter-Quintett (Eva-Maria Pichler, Karin Steinke Quintana, Regina Vogel, Bastian Beyer und Johann Schibli), von denen jeder einen Stich ganz eigener Art hat und diesen auch freudig austobt. Morgane Ferru spielt eine Anwältin, die eigentlich wissen müsste, dass der Kaufvertrag rechtsunwirksam ist. Die beiden Hauptprotagonisten sind Ulrich Gall als Ravn und Felix Meyer als Kristoffer. Bei ihnen wird die Stanislawski-Methode schön demonstriert: Während Kristoffer nach anfänglicher Unsicherheit immer stärker in eine selbstbewusste Chefrolle hineinwächst, sinkt Ravn zum armen Würstchen herab und muss sich schließlich selbst demaskieren.

Allerlei Beifall.

Insgesamt 20 Vorstellungen bis zum 21. Januar. Infos: (0 51 41) 9 05 08-75/-76

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