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19:40 16.11.2014
Von Jutta Rinas
Alison Balsom spielt im NDR-Funkhaus - hier noch bei der Probe. Quelle: Hagemann
Hannover

Sie wolle doch nur Musik machen, hat Alison Balsom 2012 in einem Interview gesagt. Wer die „Glamourprinzessin an der Trompete“ –  wie vor allem Frauenzeitschriften den Klassikstar gerne mal nennen – jetzt bei Pro Musica im Großen NDR-Sendesaal erlebte, konnte den Eindruck gewinnen, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Balsom hatte schon 2009 in Hannover mit einem so freizügig geschnittenen Kleid Trompete gespielt, dass Haydns berühmtes Trompetenkonzert in Es-Dur in den Pausengesprächen angesichts der Frage, wie tief ein Ausschnitt bei einer Musikerin eigentlich sein darf, zur selbstverständlichsten Nebensache des Konzertabends geriet. Diesmal kam die 36-Jährige in einem so raffiniert geschnittenen, gelben Kleid auf die Bühne, dass es auch Balsomkennern kurzfristig die Sprache verschlug. Die Frau, die als Trompeterin eine der letzten Männerdomänen der klassischen Musik erobert hat, ist unübersehbar ein Klassikstar neuen Typs. Sie bietet nicht nur herausragende Musik. Sie bietet auch Show und inszeniert dafür auch sich selbst: mit einer Perfektion, die man sonst eher von Stars der Unterhaltungsbranche kennt.

Nicht nur ihr Kleid ist ein Blickfang. Ihre Schuhe sind so hoch, dass man sich wundert, wie sie damit das Konzert durchsteht, aber schick. Der blonde Zopf ist fotogen über die nackte Schulter geworfen. So stellt man sich eine Glamourprinzessin an der Trompete vor.

Aber warum auch nicht: Eine so außergewöhnliche Musikerin wie Alison Balsom kann sich eine derart selbstbewusste Selbststilisierung leisten. (Diese tritt um so offener zutage, wenn man die Engländerin auch bei der Probe oder nach dem Konzert beim CDs-Signieren in ganz normaler Kleidung erlebt). Die Engländerin hält musikalisch nämlich mit Leichtigkeit mit ihrer Schönheit mit. Es sind nicht nur die für die Trompete so typischen, durchdringend strahlenden Töne mit denen sie schon in Haydns Trompetenkonzert in Es-Dur überzeugt. Im zweiten Satz des Werkes zeigt sie, dass sie auch über einen erstaunlich weichen Ton von einer ganz eigenen Leuchtkraft verfügt. Sie wagt in leisen Passagen Lautstarkerücknahmen, die zutiefst berührend sind, spielt dann wieder hochvirtuos auf. Das Repertoire für Solotrompete ist begrenzt, es ist also kein Wunder, dass Balsom wie schon 2009 Haydns Trompetenkonzert spielt. Aber sie verfällt – kongenial begleitet von den Festival Strings Lucerne unter Leitung von Daniel Dodds – hörbar nicht in Routine, sondern formt das Stück auch dieses Mal Ton für und Ton zu einem Unikat.

Dass sie es für ihre Pflicht halte, zu zeigen, was für eine bedeutende Rolle die Trompete im 20. Jahrhunderts auch jenseits der Grenzen der Klassik in anderen Genres wie beispielsweise dem Jazz gespielt habe, erläutert Balsom zu Beginn ihres Auftritts im zweiten Teil. Unter anderem zwei von ihr und dem Jazztrompeter Guy Barker arrangierte Werke von Erik Satie, die Gnossienne Nr. 3 und die Gymnopedie Nr. 3, hat sie im Programm. Beide Stücke sind in den vergangenen Jahrzehnten so oft als bloße Hintergrundmusiken für melancholische Momente verwendet worden, dass kaum ein ernstzunehmender Pianist sie noch öffentlich spielt.

Wenn dann noch eine süß singende Trompete statt des eher mechanisch tönenden Klaviers die Melodie spielt, besteht Kitschgefahr. Wenn überhaupt, dann ist es an diesem Abend aber das Orchester das allzu süßlichen Schmelz verströmt. Balsoms Ton ist so berückend schön, dass man ihm auch in vermeintlich sentimentalste Gefilde gerne folgt. Die Festival Strings Lucerne, die 2013 David Garret bei seinem Auftritt mit den Geigenkonzerten von Johannes Brahms und Max Bruch im hannoverschen Kuppelsaal begleiteten, zeigten vor allem mit einer hinreißenden Interpretation von Béla Bartóks „Divertimento für Streichorchester Sz 113“ was für ein wunderbares Ensemble sie sind: mitreißendes volkstümlich-derbes Kolorit konnte man hier erleben, wienerischen Wohlklang, aber auch die wehmütigen Klagen eines Trauermarsches.
Glutvoll, schön.

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