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Kultur überregional Hinter den Kulissen von „König der Löwen“
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19:36 20.12.2014
Von Heike Manssen
„Der König der Löwen“ ist ein aufwendiges Musical. 54 Darsteller bewegen bei jeder Show 300 Masken. Quelle: Stage Entertainment
Hamburg

Joachim Benoit gibt Zazu ein Leben, eine Seele. Und eine Stimme. Jeden Abend aufs Neue, seit mittlerweile 13 Jahren. Noch baumelt die Figur des Nashornvogels, dem Haus- und Hofmeister seiner Majestät in Disneys „Der König der Löwen“-Musical, leblos am Haken. Neben ihm im kühlen Kulissenraum hängen die handgearbeiteten Löwenmasken. In einer Stunde wird Zazu aufleben, tollpatschig über die Bühne flattern, zetern, beim König antichambrieren.

Der Musicaldarsteller Benoit muss gleich in die Maske, eine Stunde dauert es, sein Gesicht zu schminken. Seit der Deutschlandpremiere 2001 spielt der gebürtige Rheinland-Pfälzer in der Show mit – so lange wie kaum ein anderer im Ensemble. Trotz dieser intensiven Mensch-Tier-Beziehung – bis in seine Träume hat es der Vogel Zazu noch nicht geschafft. „Es ist wohl eher so, dass Zazu fragt: Wo ist Joachim?“, meint Benoit.

Jeden Tag eine Aufführung, am Wochenende zwei. Jeden Tag schminken, proben, spielen, abschminken. Um Mitternacht ist Benoit zurück in seiner Hamburger Wohnung. „Theatermenschen leben nach der Show oft in den Kantinen weiter. Ich nicht“, sagt er. Der Darsteller ist die gelebte Disziplin. Morgens um acht klingelt sein Wecker, dann Sport, danach widmet er sich seiner anderen beruflichen Leidenschaft, der Innenarchitektur. Um 18 Uhr beginnt der Arbeitsabend im Theater am Hafen.

Routine kommt nicht auf. Sagt Benoit. „Die Show ist kompliziert, erfordert eine hohe Konzentration, man kann sie nicht automatisiert spielen.“ Außerdem gebe es immer andere Konstellationen auf der Bühne – „das hält wach“, sagt Benoit. So wechseln die sieben- bis zehnjährigen Kinderdarsteller, die den jungen Löwen Simba und seine Freundin Nala spielen, fast täglich. Den Schlussapplaus verschlafen die kleinen Schauspieler. Nach dem ersten Bühnenakt geht´s nach Hause ab ins Bett.

54 Darsteller und 300 Masken

„Der König der Löwen“ ist ein aufwendiges Musical. 54 Darsteller, darunter sieben nicht dunkelhäutige, bewegen bei jeder Show 300 Masken„Der König der Löwen“ ist ein aufwendiges Musical. 54 Darsteller, darunter sieben nicht dunkelhäutige, bewegen bei jeder Show 300 Masken, teils mit komplizierter Technik darin. Die Werkstatt ist darauf eingestellt, schon während der Aufführung Schäden an den Requisiten auszubessern.

Das Orchester, die Puppen, die Bühnentechnik – es gibt viel zu tun hinter den Kulissen. Der Aufwand scheint sich zu lohnen. Jüngst erreichte Disneys „König der Löwen“ die magische Zahl von zehn Millionen Besuchern. Damit ist es nicht nur das am längsten laufende Musical Hamburgs, sondern konnte auch die meisten Besucher verbuchen: im Schnitt jeder achte Deutsche. Weltweit ist die an zehn Spielstätten aufgeführte Show um den Löwen Simba zum größten Bühnenerfolg aller Zeiten aufgestiegen. Mit Ticketverkäufen im Wert von rund 4,8 Milliarden Euro hat es das Musical „Das Phantom der Oper“ oder sogar den weltweit größten Filmhit „Atavar“ vom Thron gestoßen.

Warum? „Weil es ein einmaliges Konzept ist“, sagt Cornelius Baltus, der künstlerische Leiter, ebenfalls seit der Premiere dabei. Geschichte und Musik überzeugten, der Zuschauer erlebe Schauspiel und Puppenspiel in einem. „Und auch die deutsche Version hat die Authentizität von Afrika beibehalten“, sagt Baltus. Anders als in anderen Musicals seien die Zuschauer nicht enttäuscht, wenn die zweite Besetzung spiele.

Zweitbesetzung muss erstklassig sein

„Die Show ist der Star“, sagt Baltus. Seine Aufgabe sei es, das Produkt auf hohem Niveau zu halten. Dazu gehört auch, dass die Zweitbesetzung ebenso funktioniert wie die erste. Immer wieder probt Baltus mit neuen Darstellern. Wer beim Musical anheuert, bekommt zunächst nur einen 14-monatigen Vertrag. Stimmt die stimmliche und spielerische Leistung, wird verlängert, ansonsten ausgewechselt.

Um die richtigen Darsteller zu finden, fährt der künstlerische Leiter zu sogenannten Auditions, dem Vorsingen, in der Welt herum. Gern in afrikanische Länder. „Es ist beeindruckend. Dann stehen dort 500 Leute in einer Schlange, um sich vorzustellen“, sagt er. Für die, die es schaffen, beginnt in Europa ein ganz neues Leben. Eines, das nicht nur aus Glamour besteht. So können viele der Schauspieler zwar den deutschen Text singen, vielmehr von der Sprache lernen sie aber meist nicht. Einige nutzen in der showfreien Zeit das Angebot an Deutschkursen.

Viermal pro Woche setzt sich der Boss, wie er genannt wird, ins Theater und schaut sich eine Vorstellung an. Langweilig? Cornelius Baltus überlegt kurz. „Mein Leben ist so bereichert durch all die Kulturen, die hier zusammenkommen.“ Und doch verlässt er Hamburg ab und an für ein paar Wochen. Seit 2005 ist Baltus auch als Regisseur des Musicals „Tanz der Vampire“ in Wien, Warschau, Budapest, Antwerpen und St. Petersburg verantwortlich. Doch zurück in die Hansestadt, die Show beginnt. Zazu fliegt auf die Bühne, auf die Schulter vom König der Löwen. Joachim Benoit ist der Mann im Hintergrund. Der, der dem Vogel Leben einhaucht, und dabei, so sagt er, seinen Traum lebt.     

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