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Kultur überregional Igor Levit begeistert mit Doppelkonzert
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08:53 24.10.2016
Von Stefan Arndt
Igor Levit. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Diese Stücke sind respekteinflößend. Beethovens „33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli“ und Bachs „Goldberg-Variationen“ gelten mit gutem Recht als die technisch und musikalisch anspruchsvollsten Werke der gesamten Klavierliteratur. Igor Levit aber pfeift drauf. Bei seinem monumentalen Doppelkonzert am Freitag und am Sonntag im Funkhaus kombiniert der Pianist die beiden klassischen Schwergewichte mit einem Variationswerk des 1938 geborenen Amerikaners Frederic Rzewski - und greift dabei nicht nur mit Verve in die Tasten, sondern knallt auch mal den Flügeldeckel gegen die Rückwand des Instrumentes und pfeift die Melodie, anstatt sie wie bei Klavierabenden sonst üblich zu spielen.

Ohnehin unterscheidet sich das, was der 1987 im russischen Nischni Nowgorod geborene und in Hannover aufgewachsene und ausgebildete Musiker an diesem bemerkenswerten Wochenende in Hannover veranstaltet hat, in vielen Dingen von dem, was sonst in Konzertsälen passiert.

Dafür gibt es schon äußere Anzeichen. Nur selten etwa ist das Alter des Publikums in klassischen Konzerten so gemischt wie hier: Für diesen Pianisten scheinen sich alle Generationen zu interessieren. Überdies bekommen die Zuhörer so gut wie nie derart viele Noten für ihr Geld zu hören, und kaum je ist die Begeisterung hinterher so groß: Am Freitag dauert es kaum zwei Sekunden, bis sich nach Rzewskis letztem Tastendonner wirklich jeder im Saal von seinem Platz erhebt und begeistert im Stehen applaudiert; am Sonntag herrscht nach einer überirdisch schönen Bach-Aria erst ein langer Moment andächtige Stille, bevor sich das Spektakel wiederholt.

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Montagabend um 20 Uhr ist Levit Gast des Literarischen Salons der Leibniz Universität im Foyer des Conti-Hochhauses am Königsworther Platz.

Dabei macht es Levit seinem Publikum nicht gerade leicht: Beethovens „Diabelli-Variationen“ beispielsweise sind nicht nur furchtbar schwierig zu spielen - es ist auch eine Herausforderung, sie anzuhören. Es kann nicht verwundern, dass Beethoven selbst keine Aufführung seines Stücks erlebt hat: Erst 30 Jahre nach dem Tod des Komponisten war die Zeit reif für die Uraufführung.

In seinem Spiel redet Levit die Komplexität und Kompromisslosigkeit dieser Musik nicht klein. Er ist kein versöhnlicher Vermittler, der seinem Publikum die Dinge in gefälligem Tonfall beizubringen sucht. Schon das Thema, ein eher unkomplizierter Walzer von Beethovens Verleger Anton Diabelli, atmet bei ihm die Höhenluft, die später manche zeichenhaft verkürzte Variation umweht. Keine Spur von der Vertrautheit eines Gesellschaftstanzes: Bei Levit spürt man zwischen den konventionellen Noten des Walzers schon die Fliehkräfte, die diese Musik weit in unbewohntes Gebiet tragen wird. Dazu passt das wunderbar erdenferne Menuett, mit dem Beethoven seinen Zyklus beschließt und das Levit nach einer kurzen Verzögerung in den letzten C-Dur-Akkord münden lässt: ein einziger körperlos strahlender Klang, der hier wie eine Summe des gewaltigen, rätselhaften Werkes erscheint.

Auch wenn Levit die Extreme bei Beethoven nicht nur im Metaphysischen sucht - manchmal klingt die Musik auch verzweifelt oder bis zur Albernheit witzig - für die „Goldberg-Variationen“ wählt der Pianist einen vollständig anderen Zugang. Während er die „Diabelli-Variationen“ in gleißender Helligkeit erglänzen lässt, ist sein Bach in warme Farben getaucht. Über aller Virtuosität, die auch hier im Übermaß vorhanden ist, sucht er stets einen gesanglichen Zugang. Dieser scheinbar unspektakuläre Weg hat erheblichen Effekt: So anmutig, so menschenfreundlich klingt Bach längst nicht immer.

Fast noch eindrucksvoller und packender erscheinen all die erstaunlichen Tugenden, mit denen Levit die großen klassischen Stücke zum Leben erweckt, im Werk eines lebenden Komponisten: Frederic Rzewskis „The People United Will Never Be Defeated!“ entfaltet in 36 Variationen über ein chilenisches Revolutionslied ein ähnlich umfassendes Panorama wie die beiden anderen Zyklen, wirkt aber noch stärker in unserer Zeit verwurzelt.

Oft erscheint zeitgenössische klassische Musik besonders schwer zugänglich. Hier ist das Gegenteil der Fall: Rzewskis Musik spricht (zumindest in Levits plastischer Übersetzung) eine Sprache, die wir verstehen. Dabei hilft, dass der Amerikaner seine Variationen nicht über eine harmonische Struktur (wie Beethoven) oder eine Basslinie (wie Bach), sondern über eine leicht wiedererkennbare Melodie entfaltet. In dieser klaren Form ist Rzewski vieles möglich: Er nimmt Anleihen bei Mussorgski und Debussy, fügt weitere Melodien hinzu und leistet sich technische Extras wie das Deckelschlagen und Pfeifen. Oft klingt seine aberwitzige Musik wie improvisiert - und einmal ist sie das auch: In der letzten Variation gibt er dem Interpreten Raum für eigene Gedanken. Levit scheint das für eine zarte, traurige Hommage an seinen verstorbenen Freund Hannes Malte Mahler zu nutzen, dem er auch die Zugabe mit einem weiteren Rzewski-Stück widmet.

So imposant die „People“ auch tönen - es ist keine Selbstverständlichkeit, ein eher unbekanntes Stück wie dieses in eine Reihe mit Meisterwerken von Bach und Beethoven zu stellen. Dass Levit es wie nebenbei gelingt, das Repertoire für sein altehrwürdiges Fach zu erneuern, zeigt vielleicht am deutlichsten, dass er viel mehr ist als ein sehr, sehr guter Klavierspieler.

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