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Kultur überregional Im Kulturjahr 2015 fallen die Hüllen
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09:36 29.12.2014
Das Bild  „Venus und Amor als Honigdieb“ von Lucas Cranach dem Älteren gilt als ein Klassiker. Quelle: dpa

Von Wiederholungstätern 
und Einzelkämpfern

Sadomaso-Spiele auf der Leinwand: Die Bestsellerverfilmung „Fifty Shades of Grey“ (Start: 12. Februar) dürfte einer der Hingucker werden, auch wenn mit Jamie Dornan und Dakota Johnson zwei kaum bekannte Darsteller die Hüllen fallen lassen. Dann müssen sich Kinogänger auch schon auf den 22. Februar konzentrieren: Oscar-Vergabe! Ob die Academy in Musicalstimmung ist und Rob Marshalls Märchen-Potpourri „Into the Woods“ (19. Februar) kürt? Es bieten sich auch schon einige Einzelkämpfer an: Reese Witherspoon wandert in „Der große Trip – Wild“(15. Januar) durch die Wildnis; Benedict Cumberbatch knackt in „The Imitation Game“ (22. Januar) den Nazi-Geheimcode. Oder wie wäre es mit Michael Keaton als gealterter Superhelden-Darsteller in „Birdman“ (29. Januar)?

2015 ist auch ein Jahr der Wiedergänger: Daniel Craig alias James Bond bekommt es in „Spectre“ (29. Oktober) mit Christoph Waltz als Oberschurken zu tun. Politrentner Arnold Schwarzenegger kehrt als „Terminator“ (9. Juli) zurück, Jennifer Lawrence darf im Finale der „Tribute von 
Panem“-Reihe endlich die Revolution anzetteln (19. November). Und 
J. J. Abrams schreibt die Star Wars-Reihe (17. Dezember) fort.

Und die Deutschen? Die Fortsetzung des Erfolgsfilms „Fack ju Göhte“ (10. September) war abzusehen. Devid Striesow pilgert in „Ich bin dann mal weg“ (ohne Termin) frei nach Kerkeling auf dem Jakobsweg. Andreas Dresen erzählt in „Als wir träumten“ (26. Februar) von einer Leipziger Clique in der Nachwendezeit. Der Film ist für die Berlinale gemeldet – noch so ein Termin 
(5. bis 15. Februar), den man sich merken muss.

Wagner-Jahr ist immer

Nach den Groß-Jubiläen der letzten Jahre von Wagner bis Strauss kommen die Jubilare des Jahres 2015 eher aus der zweiten Reihe. Da wäre der Italiener Cipriano de Rore, der vor 450 Jahren in Parma starb und die Musik bis weit in den Barock prägte. 1865 erblickten gleich drei Kollegen von Rang das Licht der Welt: am 
9. Juni der Däne Carl Nielsen, dessen Sinfonien auch hierzulande die Spielpläne zieren, am 1. Oktober Paul Dukas, der bei uns nur noch mit seinem „Zauberlehrling“ präsent ist, am 
8. Dezember der Finne Jean Sibelius, mit seiner zauberisch zwischen Romantik und Moderne klemmenden Sinfonik der Wichtigste dieser Trias.

Noch einflussreicher war Alexander Skrjabin, dessen 100. Todestag am 14. April ansteht. Der Russe öffnete der Klaviertechnik neue Dimensionen. Wahrscheinlich werden sich die Spielpläne eher auf einen anderen Landsmann fokussieren, der zwar nur ein halbrundes Jubiläum feiert, aber an der Kasse funktioniert: Peter Iljitsch Tschaikowsky, der am 7. Mai vor 175 Jahren geboren wurde.

In Bayreuth ist jedes Jahr Wagner-Jahr. Bei seinen Festspielen inszeniert seine Urenkelin Katharina Wagner „Tristan und Isolde“, nach den 
etwas wichtigtuerischen „Meistersingern“ ihre zweite Inszenierung auf dem Grünen Hügel (25. Juni).

Wie Cranach verführt

„Zwischen Venus und Luther: Cranachs Medien der Verführung“. Unter diesem Titel lüftet das Germanische Nationalmuseum Nürnberg im Frühjahr das Erfolgsgeheimnis der legendären deutschen Malerdynastie des 16. Jahrhunderts. Vor 500 Jahren wurde Lucas Cranach d. J. in Wittenberg geboren. Wittenberg, Coburg, Meißen, Gotha und Kronach steuern ebenfalls Beiträge zum Cranach-Jahr bei (wege-zu-cranach.de).

2015 ist außerdem Van-Gogh-Jahr: Ausstellungen, Fahrradpfade und Blumenshows sind in den Niederlanden und Belgien dem Postimpressionisten gewidmet, der vor 125 Jahren starb.

Das Frankfurter Städel Museum beleuchtet „die Geburt des Impressionismus“. Der Berliner Ausstellungshöhepunkt 2015 ist „ImEx“ in der Alten Nationalgalerie. Die Abkürzung steht für „Impressionismus/Expressionismus“. Der Martin-Gropius-Bau Berlin zeigt die bislang größte Ausstellung zur Künstlergruppe Zero.

In Hannover bekommt das Sprengel Museum einen Anbau, der schon vorab für Diskussionen sorgt, und zeigt Madonnenbilder vom Mittelalter bis zur Avantgarde. Ein Höhepunkt im Dresdner Kunstkalender ist die Schau „Romantische Landschaften“ von Caspar David Friedrich und Johan Christian Dahl.

Büchner im Bürgerkrieg

Israel steht im Zentrum der Leipziger Buchmesse im März. Eine wichtige Neuerscheinung aus diesem Land kommt von Amos Oz. Der Roman „Judas“ erscheint bei Suhrkamp. Ein Höhepunkt des Bücherfrühlings ist Milan Kunderas Roman „Das Fest der Bedeutungslosigkeit“ (Hanser, 23. Februar). Nach 14 Jahren meldet sich der tschechisch-französische Autor („Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“) zurück, mit einem „Porträt einer Epoche, die komisch ist, weil sie ihren Humor verloren hat“.

Starautoren wie Martin Suter („Montechristo“) und John Grisham („Anklage“) bringen neue Romane auf den Markt. Eine der spannendsten Neuerscheinungen stammt von dem auch als Dramaturg erfolgreichen Albert Ostermaier: In „Lenz im Libanon“ (Suhrkamp) versetzt er Büchners Antihelden ins Bürgerkriegsgebiet. Das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren thematisiert Ralf Rothmann in seinem Roman „Im Frühling sterben“. Wie man mit einer skurrilen Geschichte um eine Frau, die sich mit einem Küchenzettel verabschiedet, den Bachmann-Preis gewinnt, führte Tex Rubinowitz vor, jetzt erscheint „Irma“ bei Rowohlt.

Große Autoren geben Einblick in ihren Schreibprozess: Die Frankfurter Poetikvorlesungen der Büchner-Preisträgerin Terézia Mora veröffentlicht der Luchterhand-Verlag unter dem Titel „Nicht Sterben“, Rowohlt folgt mit Daniel Kehlmanns „Kommt, Geister“. Im Bereich Sachbuch wird das neue Buch von Provokateurin Naomi Klein erwartet: „Die Entscheidung Kapitalismus vs. Klima“ erscheint am 26. März bei Fischer.

Ringkämpfer und U2

Showdown der Riesenrockfestivals: Im Abstand von nur einer Woche streiten zwei Konzertveranstalter in der Eifel darum, wo der wahre Rock-Ring ist. Die Foo Fighters sind die Headliner bei der 30. Auflage von „Rock am Ring“ (5. bis 7. Juni), das nicht mehr an der Rennstrecke stattfindet, sondern auf einem gerade mal 32,7 Kilometer entfernten ehemaligen Militärflugplatz in Mendig. Veranstalter Marek Lieberberg nimmt die Namensrechte mit. Am Nürburgring steigt bereits eine Woche zuvor „Der Ring – Grüne Hölle Rock“, veranstaltet von der Deutschen Entertainment AG. Top gesetzte Bands dort: Muse, Metallica und Kiss.

Nicht wenige der 500 Millionen iTunes-Nutzer wollten das neue U2-Album „Songs of Innocence“ gar nicht haben, obwohl sie es kostenlos herunterladen konnten. Eine Live-Attraktion sind die Iren aber allemal: Die Tickets für ihre sechs Hallenshows in Deutschland waren erwartungsgemäß schnell vergriffen. Auf der Welttournee von U2 tritt die Band in nur 19 Städten auf, dafür aber jeweils mehrmals. In Berlin gibt U2 im Herbst vier Konzerte am Stück, in Köln zwei.

Unbedingt anhören im Januar: Bob Dylan covert Sinatra-Songs, und die neue Belle and Sebastian heißt „Girls in Peacetime Want to Dance“ – was für ein vielversprechender Titel.

Terrorismus und Umarmungen

„Die Welt ist eine Perle in einem Scheißhaufen, Lore.“ So lautet ein Zitat aus dem neuen Stück des russischen Dramatikers Iwan Wyrypajew. Das Deutsche Theater Berlin bringt „Unerträglich lange Umarmung“ am 5. März zur Uraufführung.

Die Nachricht, dass Altmeister Claus Peymann 2016 als Intendant des Berliner Ensembles aufhört, ist noch frisch. Im März 2015 inszeniert er Thomas Bernhards Stück „Die Macht der Gewohnheit“. Darin geht es um einen Zirkusdirektor, dessen Proben von den Artisten sabotiert werden. Eine selbstironische Stückwahl? Armin Petras richtet im Juni in Stuttgart das internationale Festival „TERRORisms“ aus. Petras’ einstige Wirkungsstätte, das zur Bühne des Jahres 2014 gekürte Maxim Gorki, zeigt Heiner Müllers „Zement“.

Shootingstar Antú Romero Nunes stemmt im Januar den ganzen Ring am Hamburger Thalia Theater. Die Münchner Kammerspiele bringen mit „Creation 2015/Lost Things“ die Gurlitt-Affäre auf die Bühne. Mit Spannung wird Matthias Lilienthals Übernahme des renommierten Hauses erwartet – zuvor machte er sich am Berliner HAU einen Namen in der freien Szene. Auch bei den Theaterformen stehen die Zeichen auf Neubeginn: Martine Dennewald übernimmt das niedersächsische Festival.

Bierernst: Das tschechische Pilsen will als eine der zwei europäischen Kulturhauptstädte 2015 beweisen, dass auch das Bierbrauen und -trinken zum Kulturgut gehört. Das belgische Mons stellt den Künstler van Gogh ins Zentrum des Festprogramms. Über die kleine Stadt sagte der Dichter Victor Hugo übrigens einmal, man solle sich von den „merkwürdigen Gebäuden“ bezaubern lassen. Na dann.

Interdisziplinär I: Jochen Distelmeyer, Sänger der deutschen Indiepop-Band Blumfeld, schreibt jetzt auch Bücher. Am 30. Januar erscheint im Rowohlt Verlag sein Berlinroman „Otis“.

Flegelhaft: „Menschen necken, Tiere quälen, Äpfel, Birnen, Zwetschgen stehlen“ – die Lausebengel „Max und Moritz“ stellen seit 150 Jahren das Leben von Witwe Bolte, Meister Böck und Lehrer Lämpel auf den Kopf. Zum Geburtstagsprogramm gehört die Ausstellung 
„Böse Kinder“ in Bückeburg (ab 8. März).

Interdisziplinär II: Der Regisseur Wim Wenders nennt Fotografie „die andere Hälfte meines Lebens“. Das Düsseldorfer Museum Kunstpalast widmet ihm zum
70. Geburtstag eine Ausstellung.

■ Höllisch: Zum 750. Mal jährt sich im Frühjahr 2015 der Geburtstag des italienischen Dichters Dante Alighieri. Er schrieb mit der „Göttlichen Komödie“ ein Universal-Epos über den Menschen zwischen Himmel und Hölle.

Letztlich: Die Dresdner Ostrockband „electra“ geht auf Abschiedstour. Das Motto ist geklaut: „The Last Waltz“.

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Rainer Wagner 27.12.2014