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Kultur überregional Metzmacher ist Hoffnungsträger für Herrenhausen
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21:52 15.12.2014
Von Jutta Rinas
Ingo Metzmacher betonte am Montag, wie wichtig es für seine Entscheidung sei, dass er in Hannover geboren und aufgewachsen ist. Quelle: Behrens
Hannover

Am Sonntag erst war er von Konzerten mit dem Chicago Symphony Orchestra aus Chicago nach Hannover gekommen. Demnächst stehen für Ingo Metzmacher Termine in Mailand an. Er dirigiert eine Inszenierung mit Bernd Alois Zimmermanns Oper „Die Soldaten“ in der Scala. Dazwischen hatte der 57-Jährige jetzt einen Termin im hannoverschen Rathaus, im Hodlersaal. Oberbürgermeister Stefan Schostok und Kulturdezernentin Marlis Drevermann präsentierten Ingo Metzmacher am Montag als ihren Kandidaten für die Nachfolge von Elisabeth Schweeger: als neuen Intendanten der Kunstfestspiele Herrenhausen.

Metzmacher soll sein Amt offiziell am 1. September 2015 antreten. Der Vertrag laufe über drei Jahre mit beiderseitiger Option auf Verlängerung, hieß es. Der neue Intendant werde mit seiner Arbeit aber schon Anfang 2015 beginnen, um das Programm für 2016 auf die Beine zu stellen. Der Etat liegt – so Schostok – weiterhin bei 1,2 Millionen Euro. Der Rat muss die Personalie noch beschließen. Er sei „außerordentlich guter Dinge“, dass dies geschehe, sagte Stefan Schostok am Montag. Ingo Metzmacher sei „ein Erfolgsgarant“: „Wenn er sich einer Sache annimmt, bleibt der Beifall nicht lange aus.“

Ihn reize das Konzept der Kunstfestspiele, das in dieser Art einzigartig sei, sagte Metzmacher. Es sei „ein radikaler Ansatz und eine große Chance, die Moderne auf so vielen Ebenen – Musik, Theater, Kunst, Installation und Tanz – künstlerisch spielen zu lassen“. Metzmacher beschrieb sich als „begeisterten Programmierer“, dem es immer wichtig gewesen sei, mit Musik auch Sinn, eine Botschaft, zu vermitteln: „Wir sind nicht dazu da, um zu unterhalten.“ Marlis Drevermann betonte, wie sehr Metzmachers Fähigkeiten, Musikprogramme zu gestalten, ihn für Herrenhausen qualifizierten. Man habe für die Kunstfestspiele „einen großen Künstler gesucht“, der mit den Festivals dieser Welt vernetzt sei – und programmatisch arbeite: Metzmachers thematische Formate für das Deutsche Symphonie-Orchester (DSO) in Berlin seien „legendär“.

Die Wurzeln liegen in der Landeshauptstadt

Metzmacher, Chefdirigent und künstlerischer Leiter des DSO, stellte in Berlin nicht nur Konzerte, sondern die jeweilige Saison unter ein Motto. Sein erstes Motto „Von deutscher Seele“ 2007/2008, bei dem er am Tag der Deutschen Einheit die gleichnamige Kantate des Nazi-Sympathisanten Hans Pfitzner aufführte, löste eine heftige Diskussion über Musik und Politik aus. Mit Themen wie „Aufbruch 1909“ oder „Versuchung“ schaffte Metzmacher es, Stammpublikum zu binden und neue Hörergruppen zu erschließen. Die Kunstfestspiele in Hannover standen trotz steigender Besucherzahlen unter der Leitung von Elisabeth Schweeger immer wieder in der Kritik, weil sie angeblich nur ein Avantgardepublikum ansprächen.

Ingo Metzmacher betonte am Montag, wie wichtig es für seine Entscheidung sei, dass er in Hannover geboren und aufgewachsen ist. Sein Vater war der hannoversche Cellist und Hochschulprofessor Rudolf Metzmacher. Metzmachers Mutter lebt, 90-jährig, hier. Er hätte, sagte der Dirigent, „bei keiner anderen Stadt auch nur darüber nachgedacht, eine solche Aufgabe anzunehmen“. Wesentliche Impulse für seine künstlerische Arbeit habe er hier erhalten, Impulse für „eine unideologische, neugierige Auseinandersetzung mit der Moderne“. Dafür stehe die Landeshauptstadt für ihn.

Auch Metzmachers Liebe zu Hannover 96 wurde am Montag in Anekdoten von allen Beteiligten ausgebreitet. Am Ende überreichte Schostok dem Musiker als eine Art Begrüßungsgeschenk sogar eine Rückrundendauerkarte. Eher beiläufig erläuterte Metzmacher, weshalb er das häufig erzählt. Die Liebe zu einen Fußballverein entwickle sich in der Kindheit, in einer Zeit, in der man noch gar nicht rational überlegen könne, was diese Liebe ausmache. Dessen ungeachtet präge sie lebenslang. So gehe es ihm auch mit Hannover.

Die Kunstfestspiele im Überblick

Mai 2009: Elisabeth Schweeger wird als Intendantin der Kunstfestspiele Herrenhausen vorgestellt. 2010 sollen sie die Festwochen Herrenhausen ablöst. CDU und FDP-Ratsherren befürchten schon jetzt, die frühere Frankfurter Schauspiel-Intendantin könne vornehmlich auf ein Avantgarde-Publikum zielen.
Oktober 2009: Ein Skandal erschüttert die letzten Festwochen Herrenhausen, die die designierte Intendantin Schweeger schon mitverantwortet hat. Nur 4200 Besucher kommen, 35 Prozent davon mit Freikarten.
Mai 2010: „Macht des Spiels“ lautet das Motto der ersten Kunstfestspiele. Ein Höhepunkt: Christoph Schlingensief errichtet in Hannover eine Außenstelle seines Operndorfes in Burkina Faso.
Mai 2011: Mit „Semele Walk“ wird bei den zweiten Kunstfestspielen die wohl erfolgreichste Produktion der Ära Schweeger gezeigt: Händels Oratorium „Semele“ kombiniert mit Vivienne Westwoods Mode (Bild).
Juni 2012: Mehr als 7000 Besucher kommen mittlerweile zu den Festspielen. Gleichzeitig wächst der Druck auf Schweeger. Der Vorsitzende des Freundeskreises Hannover, Roger Cericius, warnt davor, ihren Vertrag zu verlängern. Schweeger wird bis zum Jahr 2016 verpflichtet.
Mai 2014: Elisabeth Schweeger übernimmt die Leitung der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg, verantwortet aber noch die Festspiele 2014 und 2015.

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