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Kultur überregional „Dann dreht sich dein Leben“
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00:15 17.12.2014
Vor der Abschiedstournee im Interview: Der Graf von Unheilig. Quelle: dpa

„Gipfelstürmer“ heißt Ihr neues Album. Erfahrene Bergsteiger wissen: Der Abstieg ist meist schwerer als der Aufstieg. Wie ist das für Sie?

Das ist für mich ganz einfach, denn der Weg steht fest. „Gipfelstürmer“ ist in dem Bewusstsein entstanden, dass es unser letztes Album wird. Ich trete noch zwei Jahre auf, dann gibt in Köln es ein großes Konzert, bei dem wir final Lebewohl sagen. Da wird das Kapitel Unheilig für immer und ewig geschlossen und ich entferne mich aus der Öffentlichkeit und werde mich um meine Familie kümmern. Es gibt keinen Rücktritt vom Rücktritt …

… wie es heute so üblich ist …

… wie das in der heutigen Zeit so üblich ist. Aber bei mir wird es das nicht geben.

Für kein Geld der Welt und für keine neue Herausforderung?

Ich werde aus der Öffentlichkeit verschwinden. Ich gehe allerdings nicht in Rente. Ich werde musikalisch kein neues Projekt aufmachen, aber wenn mich jemand fragt, ob ich für ihn Texte schreiben will, dann überleg ich mir das und bin dafür offen.

Sie leben als Privatmann Bernd Heinrich Graf in Würselen weiter?

Das weiß man ja nicht. Das Schöne ist doch, dass ich als der Künstler zurücktrete, über dessen Privatleben nie etwas bestätigt wurde, und das wird in Zukunft auch so bleiben.

Wäre die Alternative gewesen, musikalisch irgendwas ganz Anderes zu machen, um alle zu überraschen?

Ich höre ja nicht auf, weil mir nichts mehr einfällt. Ich kann hier etwas beenden, das ich in meinem Leben auf die Reihe bekommen habe. Etwas, das bleibt, wenn ich nicht mehr bin. Ich stottere von klein an. Ich bin mit diesem Sprachfehler aufgewachsen und hatte immer das Gefühl, etwas nicht richtig zu machen. Mein Umfeld hat das als Problem wahrgenommen. Selbstbewusstsein konnte ich mir nur durch Bestätigung von außen holen, durch Erfolge und Rekorde. Ich habe immer alles investiert, um den Applaus zu kriegen. Dann konnte ich sagen: Jetzt habe ich Selbstbewusstsein, jetzt bekomme ich die Bestätigung, die ich immer gesucht habe. Ich war ein permanenter Bergsteiger. Ich habe meinen persönlichen Berg mühsam immer weiter erklommen, bis ich schließlich ganz oben war. Ich habe alles gemacht, da hochzukommen und oben den Applaus zu kriegen. Da oben habe ich mich wertvoll gefühlt.

Es ging um das Ziel, nicht um den Weg?

Genau, ich habe mir immer neue Ziele gesucht, wenn ich eines abhaken konnte. Irgendwann konnte ich mir Preise mit nach Hause nehmen. Ich habe die ganze Wand voll mit Goldenen Schallplatten, Platinplatten, Echo, Bambi, Bundesvision Song Contest, Goldene Kamera, Radiopreise. Dann habe ich irgendwann gemerkt, dass ich den Applaus gar nicht mehr brauche, Dass ich mir selbst sagen konnte: Du hast vieles richtig gemacht in deinem Leben. Das war 2011.

Was ändert sich in so einem Moment?

Dann dreht sich dein Leben. Ich ging nicht mehr auf die Bühne, um mein Ego zu bestätigen, sondern um mit den Menschen meine Musik zu feiern. Ich habe mein ganzes Leben anders wahrgenommen, als ich nicht mehr nur auf die Bühne ging, um Erfolge zu jagen.

Und wie?

Ich habe mich als Mensch anders wahrgenommen. Ich habe erkannt, dass ich es versäumt hatte, mich um meine Familie zu kümmern. Ich hatte es nie geschafft, Nähe aufzubauen, weil ich immer wie ein Bekloppter den Berg hochgerannt bin, um oben den Applaus zu kriegen.

Das klingt nach Therapie.

Ja, die Musik und der Erfolg waren meine persönliche Therapie. Nun bin ich austherapiert. Deswegen höre ich auf.

Wenn doch wieder Zweifel aufkommen, hängen immer noch die Goldenen Schallplatten an der Wand.

Warum sollten mir Zweifel kommen? Die Platten und Preise bleiben hängen, das sind schöne Erinnerungen. Bisher habe ich es gebraucht, dass ich sie immer im Blick hatte. Ich musste mir meinen Erfolg visuell bestätigen können.

Die Szene hat Ihnen vorgeworfen, sich an den Mainstream verkauft zu haben. Herrscht da zum Abschied wieder Frieden?

Ich war nie im Krieg mit der Szene. Ich habe das große Glück gemacht, ein Lied zu schreiben wie „Geboren um zu leben“, in dem sich Millionen Menschen wiederfinden, und dann wird das Fernsehen aufmerksam. Dann muss man sich fragen: Wo geht man hin? Wir haben gesagt: Überall, wo wir eingeladen werden. Wir waren bei Carmen Nebel, bei TV Total, überall. Das haben uns einige übel genommen, dass wir Musik für alle Menschen gemacht haben.

„Geboren um zu leben“ soll das meist gespielte Lied auf deutschen Beerdigungen sein. Wie geht man damit um, wenn es das ist, was von einer Band bleibt?

Ich finde das nicht schlimm. Schräg finde ich nur, dass es solch eine Statistik gibt. Wenn Menschen zu unserer Musik Abschied nehmen, ist das toll. Der Tod gehört zum Leben dazu. Das Lied habe ich für einen verstorbenen Freund geschrieben, das liegt mir am Herzen. Wenn Menschen darin Trost finden, ist das eine Riesenehre.

Interview: Jan Sternberg

Die Abschiedstournee

Unheilig entwickelte in 15 Jahren von einem kleinen Szene-Projekt zum größten deutschen Banderfolg der jüngeren Geschichte. Ihr Album „Große Freiheit“ hielt sich 157 Wochen auf Platz 1 der Charts und verkaufter sich mehr als zwei Millionen Mal. Vom Nachfolger „Lichter der Stadt“ wurden noch einmal fast 900.000 Stück abgesetzt. Nach dem angekündigten Rückzug der Band wird auch „Gipfelstürmer“ bei vielen Fans auf den Geschenketischen liegen. 2015 gehen Unheilig noch einmal auf Tournee (10.4. und 29.8.2015, Leipzig, 30.4. Schwerin, 1.5. Hannover, 28.5. Berlin, 29.5. Kiel, 30.5. Bremen. Das Abschiedskonzert findet am 10.6.2016 in Köln statt).

Musikalisch und textlich hat sich die Band auf ihrem Abschiedswerk nicht weiterentwickelt. Die Texte sind Schlager, die Musik eingängig stampfend. Doch wer den Grafen verehrt, sich daran nicht stört. Der letzte Gruß an die Fans lautet so: „Es ist Zeit zu gehen/Wir werden euch im Herzen tragen/Auch wenn es weh tut, ist es Zeit für uns zu gehen/Wenn es am schönsten ist.“

Dagmar Konsalik, die Tochter des Bestsellerautors Heinz G. Konsalik (1921-1999), hat nach einem Zeitungsbericht unveröffentlichte Manuskripte ihres Vaters gefunden. Ein Wasserschaden im Keller des Familiensitzes in Aegidienberg habe einen Ordner mit mehr als 50 Geschichten zum Vorschein gebracht.

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