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Kultur überregional Hol’s der Geier!
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07:47 30.12.2014
Von Uwe Janssen
Wally und die sieben Geier: Erika Stucky und Da Blechhaufn. Quelle: Michael Wallmueller
Hannover

„Denkt nicht“, sagt Erika Stucky irgendwann, „ich wüsste nicht, wie schwer es ist, zu wissen, wann man bei Stucky-Konzerten klatschen soll.“ Und da ist es schon wieder so weit: Klatschen oder nicht? Anerkennender Beifall, weil sie ja auch Recht hat? Oder kommt die Pointe noch, und man zeigt, dass man den Witz nicht verstanden hat? Zwischen den Musikstücken ist es auch schwierig, denn die meisten gehen ineinander über, und man muss schon die richtige Stelle finden, um der schweizerisch-amerikanischen Quertreiberin ihren verdienten Applaus zu spenden. Denn die Übergänge üben sie und ihre sieben Mitmusiker nicht, das lassen sie einfach geschehen und finden es selbst sehr spannend.

Stucky wird begleitet von einem siebenköpfigen Burgenlander Brassensemble mit dem schönen Namen Da Blechhaufn. Und dass sie sich sehr wohl aufs Improvisieren verstehen, bekommen die Zuschauer im gut gefüllten Pavillon schon nach wenigen Minuten präsentiert. Da streikt das Videoabspielgerät zu Stuckys Füßen. Während die 52-Jährige höchst unterhaltsam auf dem Boden kauernd schweizerdeutsch vor sich hinflucht und herumwitzelt und dann sogar einen Requisitenkoffer auf die Bühne schleppt, fangen die Bläser einfach an zu blasen, miteinander, gegeneinander, durcheinander, und alles sehr virtuos. Fast schade ist es, dass irgendwann die Technik steht, aber man will ja auch die Künstlerin sehen und hören.

Stucky findet es super

Worum es geht? „Wally und die sieben Geier“, so das Motto des Abends, passt zwar bestens in die Pavillon-Reihe „Songbirds“, aber eine klare, durchgängige Adaption der „Geierwally“ ist es doch nicht. Dafür hat Stucky an einem solchen Abend einfach zu viel vor. Es geht in Mundart zwischendurch um die Geschichte, die Herren in ihren schwarzen Umhängen und Masken machen Vogelgeräusche, doch dann wechselt die Künstlerin ansatzlos in die Popmusik, singt wie eine Mischung aus Shirley Bassey und Amy Winehouse und intoniert so nie gehörte Versionen von Klassikern wie Americas „A Horse with No Name“ (mit Publikums-Chor), Pink Floyds „Breathe“ oder „My Sharona“. Da gibt es sogar für alle erkennbare Klatschpausen.

Am Ende überrascht der Blechhaufn mit einem Arrangement, das erst am Nachmittag entstanden ist. Stucky findet es super. Und das Konzert findet sie auch super. Trotz oder wegen der Panne. „Die nächsten vier Monate werden wir sagen: Weischt noch, Hannovr.“

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