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Kultur überregional Arsen und Nylonstrümpfe
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21:38 18.09.2016
Dreimal Emma – und doch keine ganze Geschichte: Szene mit Beatrice Frey (links), Friedrich Paravicini, Sophie Krauß, Johanna Bantzer und Clemens Sienknecht. Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

Das wird schon zu Beginn klar, wenn Clemens Sienknecht mit Kassengestell auf der Nase die Bühne betritt, umständlich einen Plattenspieler anmacht und beginnt „Come Together“ anzustimmen.

Die Cumberlandsche Bühne ist eingerichtet als Salon. Ein schwerer Schreibtisch, ein Sofa, ein Esstisch, ein Beistelltisch, alles nachgemachter Fin-de-Siècle-Kitsch. Dazwischen: Artefakte. Dinge aus Emma Bovarys Leben. Das Arsen, mit dem sie sich umbringt. Ein Kleid. Bücher. Parfüm. Anhand dieser Dinge wird in der Inszenierung Madame Bovarys Leben nacherzählt. Johanna Bantzer, Sophie Krauß und Beatrice Frey geben dabei drei Emmas, Mathias Max Herrmann ihren ratlosen Gatten Charles.

Aber eigentlich geht es in der Inszenierung um Musik, genauer gesagt: um den Stilbruch, der damit möglich ist. Zwar ließe sich Emma Bovarys Geschichte auch in all ihrer Tragik erzählen - lustiger ist es allerdings, wenn zwischendrin Werbung für Nylonstrümpfe gesungen wird und zu jeder unpassenden Gelegenheit ein Spielshow-Jingle läuft. Ganz den Bach runter geht die Ernsthaftigkeit der Geschichte, wenn das Ensemble in einer Liebeszene beginnt, Britney Spears’ „... Baby, One More Time“ zu singen. Oder beim Ball des Marquis d’Andervilliers „Party Like It’s 1999“.

Ein Weiteres tut die Märchenonkel-stimme des 2002 verstorbenen Gert Westphal, dessen auf CD konservierte Lesung des Romans sich mit den Vorträgen der Schauspieler abwechselt, während die Szene an einer anderen Stelle im Salon als Karikatur ihrer selbst gespielt wird.

„Madame Bovary - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie“ ist bereits der zweite Teil von Sienknechts und Bürks Serie „Berühmte Seitensprünge der Weltliteratur“, der erste Teil entstand im Schauspielhaus Hamburg. Auch mit „Madame Bovary“ hat das Regieteam grandiosen Blödsinn mit ausgeklügelten musikalischen Einlagen hinbekommen. Der Respekt vor der Vorlage ist gerade groß genug dafür, dass Regie und Ensemble sie gewissenhaft dekonstruieren. Dabei entsteht kein großes, tiefgehendes Theater. Aber ein kleines, feines mit viel Liebe zum Detail. Und eine gute Gelegenheit, mal einen Abend lang in ein Mixtape für Literaturnerds zu flüchten, wenn der Herbst uns alle demnächst wieder in seinen kalten Klauen hält.

Wieder am 24. und 30. September sowie am 9. Oktober, Karten unter Telefon (05 11) 99 99 11 11.

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