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Kultur überregional Nackte Tatsachen in der Galerie Holbein 4
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10:08 09.12.2014
Quelle: Galerie Holbein
Hannover

Sie sind auf Fotografien festgehalten oder in Bronze gegossen. In Öl oder Acryl gemalt, mit Aquatinta gezeichnet oder mit dem Spatel gestaltet. Sie treten dem Betrachter mit offenem oder verhülltem Blick entgegen – oder gleich ganz kopflos. Und all diese Nackten bieten Beispiele dafür, was Künstler und ihre Modelle heute unter erotischer Inszenierung verstehen.

„Die erotische Pose“ heißt die Kunstschau, für die die Galeristin Bettina
 Engelke fünf Künstler zur Ausstellung in die hannoversche Galerie Holbein  4 eingeladen hat. Zwei Fotografen, drei Maler und Bildhauer nähern sich mit fast durchweg weiblichen Akten diesem Thema. Das ist schon allein deshalb spannungsreich, weil man sich öffentlich in Pose wirft, authentische Erotik dagegen eher intim ist. Der Reiz der erotischen Pose liegt daher in einer Art kommunikativem Pingpong: Hier treten Modell, Künstler und Betrachter gleichsam in ein Gespräch darüber, wie sich Erotik in Szene setzen lässt.

Das scheint in einer Zeit, da Nacktheit kein Tabu, sondern in Kunst, Werbung und Wirklichkeit allgegenwärtig ist, gar nicht so einfach zu sein. Der Hamburger Fotograf Carsten Witte zeigt mal Modelle, die scheinbar in sich gekehrt zum Voyeurismus einladen, mal Frauen, die mit selbstbewusstem Blick in die Kamera dem Betrachter standhalten. Hannovers Fotografie-Altmeister Joachim Giesel inszeniert weibliche Linien hinter Gazeschleier zum Körperkonturentheater, was erotisch sublimer wirkt als pure Nacktheit. Der Berliner Hans Scheib vergoldet bisweilen Bronzefiguren selig lächelnder Kindfrauen und balanciert so auf der Grenze zwischen Kitsch und Kunst. Und der hannoversche Künstler Wolfgang Tiemann steuert die einzigen männlichen Akte bei – freilich in eher fataler Lage: „Die Vertreibung aus dem Paradies“ zeigt Frau und Mann jeweils als kopflosen Torso, mit hängenden Brüsten und schlaffem Geschlecht. Und auf Tiemanns Bild „Akt auf der Flucht“ scheint der Männertorso wie nach hinten geworfen. Männer sind auf diesen Bildern eher Objekte des Mitleids als des Verlangens. Ansonsten also viel Nacktheit, doch wenig Erotik – inszenierte Intimität ist eben genau das: sichtlich künstlich.

Am spannendsten sind daher Werke, die eher die Erinnerung an und damit die Sehnsucht nach Erotik ahnen lassen. Etwa ein großes Gemälde des Berliner Künstlers Reinhard Stangl mit dem Titel „Judith“. Es zeigt eine Nackte, die den Betrachter – und damit also zuerst den Maler – ernst und fordernd anblickt. So fordernd, dass der das Gesicht mit einem einzigen dicken, dabei aber wässrig-transparenten Pinselstrich übermalt hat. Judith, das Objekt vergeblicher, doch nicht vergangener Begierde? Jedenfalls lohnt diese Ausstellung einen Besuch.

  • „Die erotische Pose“. Bis 20. Februar in der Galerie Holbein, Holbeinstraße 4. Details unter www.galerie-holbein4.de.

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