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Kultur überregional Zuckerguss und Peitsche
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00:15 14.12.2014
Von Uwe Janssen
Ausdrucksstark: Akkordeonspielerin Ksenija Sidorova. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Es gibt Popsongs, die sind wie gemacht für ein Orchester. Und es gibt solche, da muss man erst einmal drauf kommen. Aber gerade das offenbar Unvereinbare erweist sich dann als besonders reizvoll. Bei der Night of the Proms 2014 stellt sich dieses Gefühl erstmals ein, als Marlon Roudette vor das Publikum tritt – mit einer Steeldrum, einer karibischen Klangschüssel also, der er zum Erstaunen vieler zunächst bachsche Tonfolgen entlockt und dann elegant in seinen aktuellen Radiohit „When the Beat Drops Out“ gleitet.

Prompt revanchiert sich das Orchester – Il Novecento, wie immer – und legt eine schöne Schicht Zuckerguss über die Tanznummer, ohne den Groove zu verwässern, was live mit so vielen Musikern und so viel Technik in einer mit 9000 Menschen gefüllten Riesenhalle wie der hannoverschen TUI Arena schon eine Kunst ist.

Der junge Brite Roudette, der seine Jugend in der Karibik verbrachte, bringt die Halle mit dieser Nummer zum Toben. Er ist ein ausgezeichneter Sänger, vielleicht der beste an diesem Abend, obwohl die Konkurrenz groß ist, zahlenmäßig schon allein wegen des Chors – Fine Fleur, wie immer –, aber nach Roudette kommt auch noch Katie Melua. Und vorher Madeline Juno. Die Sängerin ist neben dem Moderator – Uwe Bahn, wie immer – der deutsche Beitrag des Abends. Sie hat eine kraftvolle Stimme, meyer-landrutet aber ein bisschen und singt immer „Noit“ statt „Night“, was putzig klingt. Als die in Belgien erdachte Proms-Tourneeveranstaltung 1994 das erste Mal durch Deutschland zog, war die 19-jährige Juno noch nicht einmal geboren. Das ist nicht wie immer. Jüngere Künstler als die Nacht, das gab es, wie Bahn betont, noch nie.

Zwischen den Popkünstlern platziert das Orchester – unter der Leitung von Robert Groslot, der mehr als 800 Proms-Konzerte dirigiert hat – ein paar Klassik-Hits. Ein bisschen Verdi, Tschaikowskis „Slawischen Marsch“, ein bisschen Rossini und walzernde „Donauwellen“. Never Change a Running System. Einerseits.

Ein Gewohnheits-Event vor Weihnachten

Andererseits bemühen sich die Organisatoren, behutsam das Konzept zu modernisieren. Künstler wie Roudette und Juno gehören dazu, vielleicht auch Ksenija Sidorova, eine junge lettische Akkordeonistin, die durchaus auch als Model Karriere machen könnte und sich in Hannover mitten ins Publikum stellt.

Fest steht: Die Nacht, in diesem Jahr ohne Namenssponsor ist ein Gewohnheits-Event vor Weihnachten. Als Bahn fragt, wer im vergangenen Jahr da war, heben im bestuhlten Parkett mehr als Dreiviertel der Besucher die Arme. Und der Termin für das nächste Jahr steht im Gegensatz zum Programm auch schon fest (3. Dezember an gleicher Stelle), damit die Karten schon dieses Jahr unter möglichst vielen Weihnachtsbäumen liegen können.

Zu dieser Gewohnheit passt Zucchero. Der italienische Rockbarde war schon einmal Gast der Nacht, damals war er noch ein Stück angesagter als heute. Klar, er ist schon ein Stück Rockgeschichte (und sieht mit Hut und Mantel auch so aus), aber er ist nicht der große Star, der die Hits aus dem Ärmel schüttelt („Senza una donna“, immerhin) oder die Menschen noch mal richtig von den Sitzen reißt. Das tut Katie Melua zuvor auch nicht. Aber die orchestererfahrene Britin weiß auf eine andere Weise zu bezaubern. Ihr weicher Gesang schmiegt sich sogar in eine schwere Bluesrocknummer ein. Und „Nine Million Bicycles“ ist der schwereloseste Moment des Abends.

Insgesamt hat Hannover schon bessere Proms-Nächte erlebt. Bezeichnend: Für den Wumms ist neben dem Orchester und dem wuchtigen Licht an diesem Abend John Miles zuständig, auch so ein Stück Inventar. Ohne sein „Music“ keine Proms-Nacht, aber im Doppelpack mit Queens „Bohemian Rhapsody“, das alle Musiker richtig zu genießen scheinen und wie eine Rockpeitsche in den Saal knallen, wird es Classic-Rock-Freunden in der nasskalten Dezembernacht mal so richtig warm ums Herz. Besser als mit diesen beiden Liedern, live im Saal gespielt, kann man klassikfernen Menschen nicht klarmachen, was ein Orchester und ein Chor zu leisten imstande sind.

Das jedenfalls möge sich bitte während der nächsten 20 Jahre auch nicht ändern.

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