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00:15 06.05.2015
Von Ronald Meyer-Arlt
Schriftsteller mit kritischem Blick: Olivier Adam liest am Montag im Literarischen Salon aus seinem neuen Roman. Quelle: David Ignaszewski/Klett Cotta Verlag
Hannover

Fast alle seiner früheren Schulfreunde träumen von einer Festanstellung. Einige haben es geschafft: Sie sind Busfahrer geworden oder Polizisten. Einer, früher der Star auf dem Schulhof, sitzt an der Kasse des örtlichen Supermarktes. Aber auch dort bleibt er nicht lange. Der Chef findet, dass er die bunte Weste mit dem Supermarktlogo nicht mit Stolz trägt. Und das war’s dann mit der Festanstellung. Was bleibt, ist das Bier in der Kneipe. Und die Schulden, der Ärger mit der Familie, die Verzweiflung ...

Paul, der Erzähler, ist von seinem Haus an der Küste in den Pariser Vorort zurückgekehrt. Er ist gekommen, um seinen alten Eltern zu helfen, die Mutter muss ins Krankenhaus, der Umzug ins Altenheim steht bevor. Das Leben der Eltern geht zu Ende, und auch Pauls altes Leben scheint zu Ende zu sein: Seine Frau hat sich von ihm getrennt, seine beiden Kinder sieht er nur selten. Es ist eine sehr traurige Welt, die der französische Autor Olivier Adam in seinem neuen Buch beschreibt.

Der Icherzähler, von Beruf Schriftsteller, nimmt das Grau der Welt sehr genau wahr. Über Sophie, eine alte Freundin, die er wiedertrifft und mit der er eine halbherzige Affäre beginnt, sagt er: „Sie führte das Leben, das sie eigentlich nie hatte führen wollen: Haus und Kinder und das Bild ihrer Mutter, die ziellos durch das Einfamilienhaus und die Straßen des Stadtzentrums irrte, traurig und untätig, lustlos und schon bald gefangen in den Schlingen einer leichten Depression, ausgelöst durch die Langeweile, die immer gleichen Tage und die Hässlichkeit der Umgebung.“

Sophie wird später versuchen, sich umzubringen, der Erzähler wird weiter abstürzen, Hoffnung gibt es kaum. Der Autor (der im Buch und auch der des Buches) formuliert eine Fundamentalkritik an der sozialen Wirklichkeit. Olivier Adam seziert die Gegenwart wie auch seine Kollegen Michel Houellebecq oder Frédéric Beigbeder es tun. Er schreibt von der Spaltung der Gesellschaft, von Armut und Ausgrenzung, vom Aufstieg der Rechten und von herrschenden und beherrschten Klassen. Seine Beurteilung der Lage: „Irgendetwas verfaulte nach und nach in diesem Land. Eine langsame Verwesung.“ So deutlich sagen das seine deutschen Kollegen nicht. 

Lesungstipp

Am Montag, 4. Mai, liest Olivier Adam um 20 Uhr im Literarischen Salon (Königsworther Platz 1) aus „An den Rändern der Welt“ (Klett-Cotta, 24,95 Euro). Den deutschen Part liest Rainer Frank vom Schauspiel Hannover. Weitere Informationen gibt es unter literarischer-salon.de

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