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Kultur überregional Oue dirigiert das Niedersächsische Jugendsinfonieorchester
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09:42 17.10.2016
Von Rainer Wagner
Starker Auftritt: Eiji Oue und die jungen Musiker in der Hof- und Stadtkirche. Foto: Kutter Quelle: (Foto: Katrin Kutter)
Hannover

Begeisterungsfähigkeit war immer seine große Stärke. Damit riss er erst seine Musiker und dann sein Publikum mit. Das war so, als Eiji Oue Chefdirigent der NDR-Radiophilharmonie war (deren Ehrendirigent er jetzt ist). Das macht ihn als Professor für Dirigieren an der hiesigen Musikhochschule so speziell. Und das ist natürlich auch für das Niedersächsische Jugendsinfonieorchester (NJO), das er jetzt zum zweiten Mal anleitete und anspornte, Herausforderung und Chance.

Das NJO ist das älteste deutsche Landesjugendorchester. Seit 1968 treffen sich hier hochbegabte Jugendliche aus Niedersachsen im Alter zwischen 13 und 21 Jahren, die nach Probespielen ausgewählt, zweimal im Jahr das Ergebnis gemeinsamer Arbeitsphasen bei Konzerten im Lande präsentieren. Öffentliche Generalprobe war diesmal in Hitzacker, danach gab es Konzerte in Gifhorn und Celle und zum Abschluss der diesjährigen herbstlichen Arbeit in der Neustädter Hof- und Johanneskirche Hannover.

Die ist akustisch vielleicht nur bedingt geeignet für das große sinfonische Repertoire, es ist zumindest in den vorderen Sitzreihen der sehr gut besuchten Kirche recht laut, aber eine gewisse Überakustik verhüllt auch gnädig, was im Tuttitumult schon mal leicht schief liegen kann.

Beethovens Siebte und die erste Sinfonie von Brahms sind schließlich das große Kaliber. Und das zielte doch erstaunlich gut. Es war klug, mit Beethoven zu beginnen, weil trotz aller tänzerischen Herausforderung das rhythmische Skelett doch klar zu erkennen ist. Eiji Oue pumpt sich da von Taktschwerpunkt zu Taktschwerpunkt und gibt seinen jungen Musikern und Musikerinnen so Sicherheit. Wenn sich das Seitenthema des Kopfsatzes wiegt, dann nimmt Oue es mimisch wirklich in den Arm. Er weiß natürlich, was er seiner jungen Mannschaft (in der die Frauschaft überwiegt: Von den acht Stühlen der Streicherstimmführer sind sieben mit jungen Damen besetzt) zumuten kann. Das populäre Andante nimmt er etwas zurück, aber nur im Tempo, nicht im Ausdruck. Er führt das NSO sicher auch durch Fugato-Klippen, riskiert in den beiden abschließenden Drive-Sätzen aber auch abrupte Brems- und Beschleunigungsmanöver. Das ist oft mit dem ganz breiten Pinsel gemalt, doch das ist klug, wenn man nicht jedem Pinselstreich des Einzeltäters vertrauen kann. Dieses Musizieren reißt mit: die Musiker und die begeisterten Zuhörer.

Nach der Pause wird es mit der Brahms-Sinfonie etwas heikler, weil ein paar Tutti-Spieler hörbar ins Schwimmen kommen, wenn latente Kontrapunktik ins Spiel kommt. Wenn es heikel wird, geht Oue vom dirigentischen Emphase-Modus schnell in die Taktgeberphase. Und dann passt alles wieder. Die Soli sitzen, ob beim Horn oder bei der selbstbewussten Konzertmeisterin Anna Gottschlich, die spielt, als wäre sie eine junge Schwester von Hillary Hahn.

Am Ende viel Jubel - und Eiji Oue führt den jungen Sinfonikern schon mal vor, was er mit wehrlosen Blumensträußen gerne anfängt: einzelne Blüten für Bläsersolisten - und den (leidlich ansehnlichen) Rest für die Konzertmeisterin.

Auch so macht man die Jugend fit für das reale Musikleben.

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