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Kultur überregional Paul Simon will zum 75. aufhören
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16:51 12.10.2016
Paul Simon. Quelle: dpa
Hannover

Bei den meisten Menschen ist die Dusche Anfangs-, aber auch Endpunkt der Sängerkarriere - und das ist auch gut so. Für Paul Simon war das Bad eine akustische Wunderkammer: „Ich bin oft ins Badezimmer gegangen, denn es war gefliest und dadurch ein wenig ein Hallraum. Ich habe den Wasserhahn aufgedreht, damit das Wasser lief - ich mag dieses Geräusch, es ist sehr beruhigend für mich - und ich habe gespielt. Im Dunkeln“, sagte er in einem Interview.

„Hello darkness, my old friend/ I’ve come to talk with you again”: Die ersten Zeilen von „The Sound Of Silence“ beschreiben dieses Eintauchen in die Dunkelheit, in Alpträume und Visionen. Das Meisterwerk aus dem Hallraum, mit Reimlexikon und viel Pathos geschrieben, erschien 1964 auf dem Album „Wednesday Morning, 3 A.M.“, das der in New York aufgewachsene studierte Rechtswissenschaftler Paul Simon zusammen mit seinem Freund Art Garfunkel aufnahm. Erst in der 1965 ohne Wissen der Musiker mit E-Gitarre, Bass und Schlagzeug aufgemotzten Version wurde es zum Welthit und brachte Paul Simon mit 24 den Durchbruch. Heute wird er 75 Jahre alt.

Simon and Garfunkel wurden zum wohl erfolgreichsten Pop-Duo aller Zeiten, mit Songs wie „Bridge Over Troubled Water“, „Mrs. Robinson“, „Scarborough Fair/Canticle“ „The Boxer“ oder „America“. Alle stammen sie aus der Feder von Paul Simon, handeln von Gestrandeten, Einsamkeit oder verlorener Liebe. Ein paar Jahre, ein paar Platten nur hält die magische musikalische Beziehung zwischen dem kleinen Dunklen, der für die Kompositionen zuständig ist, und dem großen blonden Garfunkel, der mit seinem Engelsgesang den Sound des Duos prägt.

Die Kooperation mit Art Garfunkel ist nur eine Facette in einer funkelnden Karriere mit zahlreichen Solo-Hits wie „Mother And Child Reunion“ oder „50 Ways To Loose Your Lover“. Sein südafrikanisches Album „Graceland“ erscheint 1986 und gehört mit dem unterschätzten Album „The Rhythm of the Saints“ aus dem Jahr 1990 zum Schönsten, was das Genre Weltmusik zu bieten hat. Im Juni ist „Stranger To Stranger“, sein zwölftes Studioalbum herausgekommen. Es erreichte Platz eins in Großbritannien.

Und doch: „Es geht auf das Ende zu“, sagte Simon jetzt der „New York Times“. „Am Showbusiness habe ich keinerlei Interesse. Null.“ Eine kleine Europatournee steht aber noch auf seinem Programm. Am 18. Oktober spielt er in Leipzig, zwei Tage später in Berlin. Dann will er sich erstmal ein Jahr treiben lassen und mit seiner dritten Ehefrau Edie Brickell reisen. „Loszulassen ist eine mutige Tat. Ich werde sehen, was passiert, wenn ich loslasse“, sagte er.

Von Jürgen Kleindienst

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