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Kultur überregional Philharmonics liefern eine schöne Bescherung
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11:53 27.12.2014
Von Rainer Wagner
Virtuos: Die Philharmonics im großen Sendesaal des NDR. Quelle: Kleinschmidt
Hannover

Ein leeres Programmblatt ist wie die verschlossene Tür, hinter der die Weihnachtsbescherung wartet. Man ahnt, was gleich passieren wird. Und kann sich gewaltig täuschen. Ein Weihnachtskonzert hatten The Philharmonics angekündigt, doch was dann im ausverkauften Großen Sendesaal zu erleben war, taugte eher als aufgedrehtes Neujahrskonzert. Statt Spekulatius gab es Paprika, statt stimmungsvoller Musik tönte Swing. Prompt blieben nach der Pause ein paar wenige Plätze leer, aber die allermeisten Besucher nahmen diese schöne Bescherung mit Begeisterung an.

Schließlich zeigte das philharmonische Septett, dass es zu Recht in der Pro-Musica-Konzertreihe auftrat, die ja „Spitzenensembles“ verspricht. Vier der Musiker sind Wiener Philharmoniker (einer davon kommt aus Berlin), einer ist Berliner Philharmoniker (und stammt aus Wien), da passt es, dass zum Auftakt „Klänge der Heimat“ erklingen, der Czárdás aus der „Fledermaus“, immer aufgedrehter, immer turbulenter. Ganz leise wird dann die entsprungene Ros’ angedeutet, aber statt in die Kirche geht es mit Fritz Kreisler „Schön Rosmarin“ in Richtung Jazzkeller, auch zu Chick CoreasSpain“. Ergänzt wird das Streichquintett (dessen zweiter Geiger Roman Jánoska ein begnadeter Jazzgeiger ist) durch den philharmonischen Klarinettisten Daniel Ottensamer und den Pianisten und Arrangeur Frantisek Jánoska. Die Brüder Jánoska bringen ihre Jazzkompetenz ein – und Erfahrungen mit dem Zigeunergeiger Roby Lakatos.

Auf dessen Spuren wandelt hier ja auch der Primgeiger Tibor Kovác: in Wort und Ton. Man folgt ihm und den Seinen mit Vergnügen auf dieser philharmonischen Achterbahnfahrt, die virtuos den „Karneval der Tiere“ mit einer „K.u.k.-Rhapsodie“ verbindet. Dann taucht in der „blauen Donau“ plötzlich der Haifisch auf, der Zähne hat und Mackie Messer heißt. Wenn Brahms ertönt, dann nicht im Violinsonatenoriginal, sondern als aufgepimptes Klavierseptett. Zu Stings „Englishman in New York“ schlägt Roman Jánosky die Geige wie eine Gitarre.

In einer „gewürzten Version“ erklingen in Franz Liszts „Liebestraum“ die amerikanischen „Jingle Bells“. Und wenn die Philharmoniker einen Strauß von Weihnachtsmelodien zusammenbinden, dann landen sie am Ende bei „Sweet Georgia Brown“. So wird aus dem Nikolausi ein Osterhasi, der immer neue bunte Eier ins Nest legt.

Das Publikum nahm es mit hörbarer Begeisterung auf. Für den starken Applaus bedankten sich die Philharmonics mit Antonio Bazzinis „La Ronde des Lutins“, einem hochvirtuosen Feuerwerk, das bei uns „Gnomenreigen“ heißt: Kobolde statt Weihnachtsengel.

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