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Kultur überregional Die Materialität von Matratzen
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10:01 07.09.2016
Von Ronald Meyer-Arlt
Claudia Piepenbrock und Isabel Nuno de Buen ziehen im Januar in die Villa Minimo ein. Quelle: Meyer-Arlt
Hannover

Das ist keine leichte Aufgabe, die sich der Künstler da gestellt hat. Julian Öffler hat sich vorgenommen, sich immer gegen seinen Willen zu verhalten. Will er nach rechts gehen, muss er sich also nach links wenden, wobei dieser Wunsch – es ist ja auch eine Willensentscheidung – sofort korrigiert werden muss. Also mäandert er verzweifelt über eine Wiese. Er bleibt stehen, setzt sich wieder in Bewegung, rennt, stockt, torkelt, stürzt. Es ist schwierig, gegen den eigenen Willen zu handeln, aber ganz unmöglich ist es nicht. Von dem Versuch, den eigenen Willen zu überwinden, erzählt ein lustiges, beklemmendes und ruppiges Video. Es zeigt den Künstler, wie er im Nieselregen auf einer Wiese mit sich selber kämpft.

Gestern war das Video im Garten der Villa Minimo in Hannover zu sehen. Es diente der Vorstellung von Julian Öffler, denn er ist einer von drei Künstlern, die jetzt mit dem Preis des Kunstvereins ausgezeichnet werden und ein Atelierstipendium in der Villa Minimo in der List erhalten. Neben Julian Öffler, der sein Stipendium erst im Januar 2018 aufnehmen wird, wurden auch Claudia Piepenbrock und Isabel Nuno de Buen ausgezeichnet. Die beiden Künstlerinnen werden im Januar 2017 damit beginnen, in der Villa Minimo zu leben und zu arbeiten.

Claudia Piepenbrock, Jahrgang 1990, erhält das Nachwuchsstipendium Niedersachsen, das bereits im Dezember 2017 beendet sein wird, die in Braunschweig lebende Mexikanerin Isabel Nuno de Buen erhält das auf zwei Jahre angelegte Förderstipendium Niedersachsen. Beide Künstlerinnen arbeiten skulptural, Isabel Nuno de Buen schafft fragil wirkende Rauminstallationen, die sie „psychologische Landschaften“ nennt. Claudia Piepenbrock schafft Skulpturen, die steinschwer aussehen und doch ganz leicht sind. Sie arbeitet mit Schaumstoff und Papier, das sie auch mal in der Waschmaschine vorbehandelt. In einer neuen Arbeit beschäftigt sie sich mit der Materialität von Matratzen.

Die Stipendien ermöglichen den Künstlern, ihrer Arbeit nachzugehen, ohne Erwerbszwängen ausgesetzt zu sein: 800 Euro erhält jeder Villenbewohner im Monat. Und am Ende gibt es eine Ausstellung. Ermöglicht werden die Residenzprogramme durch die Unterstützung von Stadt und Land und durch das Bau- und Immobilienunternehmen Gundlach. Seit 1983 gibt es das Stipendienprogramm. Zu größeren Zwischenfällen ist es bisher noch nicht gekommen. Nur einmal mussten die Fenster eines Ateliers zugeklebt werden. Zur Beruhigung der Nachbarn.

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