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Kultur überregional Programm des Kunstvereins für das Jahr 2015
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08:19 10.12.2014
Von Daniel Alexander Schacht
Die Chefin des Kunstvereins Kathleen Rahn Hannover stellte das Programm für 2015 vor. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Freiheit, Gerechtigkeit, Arbeit, Solidarität“ – so prangt es auf dem Boden der Pfanne, und das Logo der französischen Traditionstopfmarke Manufrance ist auch noch mit „Entspannung“ überdruckt. Ein Industrieprodukt als politisches Pamphlet? Bei dem Franzosen Jean-Luc Moulène kann man nicht sicher sein, ob dieser Künstler gerade seine Kunstwelten selbst inszeniert oder einfach, wie in diesem Fall, Realitäten dokumentiert. Man muss daher auf Bilder gefasst sein, die tatsächlich den Warenproduzenten ganz selbstbewusst hinter der Ware hervortreten lassen – mal für Revolutionslosungen auf einem Pfannenboden, mal für Streikende bei Gauloises. „Eigentlich hätte Jean-Luc Moulène schon längst eine große Museumsausstellung verdient“, sagt Kathleen Rahn, die Chefin des Kunstvereins Hannover. „Ich freue mich, ihm 2015 die erste Einzelausstellung im Kunstverein widmen zu können.“

Bislang war im Kunstverein nur zu sehen, was Rahns Vorgänger René Zechlin und das Kunstvereinsteam bereits im vergangenen Jahr für 2014 auf die Beine gestellt haben. Jetzt setzt Zechlins Nachfolgerin eigene Akzente. „Grundsätzlich will ich stärker generationenübergreifend wirken, neben jüngeren auch ältere Künstler zeigen und mehr noch als René Zechlin ein jugendliches Publikum ansprechen“, sagt Kathleen Rahn. „Und grundsätzlich soll das Programm stärker gesellschaftlich orientiert sein, mehr noch Fragen der Zeit aufgreifen, einfach politischer sein.“

Für dieses Bestreben ist die Moulène-Ausstellung gewiss ein Beispiel. Und für Deutschland ist Moulène auch noch eine Entdeckung. Schließlich ist der 61-Jährige, der in Grenoble Kunst lehrt, in Paris lebt und außer in seiner Heimat auch in Großbritannien und den USA schon ausgestellt wurde, in Deutschland eher selten zu sehen gewesen.  

Ausstellungstermine

Einzelausstellung: Jean-Luc Moulène: Documents & Opus: 17. Januar bis 1. März 2015.
Gruppenausstellung mit fünf Künstlern: „Digital Minds“ 14. März bis 25. Mai 2015.
Gruppenausstellung: „Mental Diary“: 6. Juni bis 23. August 2015
87. Herbstausstellung niedersächsischer Künstlerinnen und Künstler: 12. September bis 8. November.
Einzelausstellung: Michael Edward Smith:  21. November 2015 bis 24. Januar 2016

Klare gesellschaftliche Akzente will Kathleen Rahn aber auch mit thematischen Ausstellungen setzen. „Ich empfinde es als reizvoll, am Ort der Computermesse CeBIT, dort wo die weltweit wichtigsten Neuerungen auf diesem Gebiet gezeigt werden, den Einfluss der digitalen Revolution auf Kunst, Künstler und Kunstwahrnehmung zum Gegenstand einer Ausstellung zu machen.“ Das will sie, kurz vor dem Start der Messe, mit „Digital Minds“ tun, einer Gruppenausstellung von fünf Künstlern, die überdies von einem Symposium zum Thema Kunst und Digitalisierung begleitet sein soll. Gezeigt wird bei „Digital Minds“ etwa ein Digitaldruck der Finnin Katja Novitskaja, die Logos und Vorlagen aus dem Internet für den Aufbau eigener artifizieller Weltbilder nutzt. Oder eine Installation des Norwegers Yngve Holen, die aus dem 3-D-Druck eines Hähnchens nebst VW-Logo auf einer Waschmaschinentrommel besteht – mit dem bizarren Titel „Deutschland, du Opfer, gib Handy“, Worten, die dem 32-Jährigen in seiner Wahlheimat Berlin begegnet sein mögen.  

Die darauffolgende  Sommerausstellung wird nach Rahns Worten „eher locker assoziiert und poetisch“. Der Titel „Mental Diary“ bündelt immerhin den Umstand, das hier fünf Künstler mit sehr persönlichen, fast tagebuchartigen Beiträgen präsentiert werden. Darunter sind sehr privat scheinende Fotoarbeiten der noch recht unbekannten Georgierin Ketuta Alexi-Mekhishvili oder auch des prominenten amerikanischen Konzeptkunst-Vordenkers Sol Lewitt. Gezeigt werden Malereien des Düsseldorfers Dietmar Lutz, der überdies einen Porträtmalkurs anbietet, und die Alltagsserie „Gestiefelte Katze“ der hannoverschen Künstlerin Christiane Möbus. „Genau so möchte ich hiesige Künstler würdigen“, sagt Rahn, „nicht einfach weil sie aus der Region sind, sondern weil sie ins Konzept passen.“

Zu der letzten großen Einzelausstellung des Jahres hat die 41-jährige Kunstvereinschefin Michael Edward Smith eingeladen. „Der hat meinen Begriff von Skulptur völlig durcheinandergewirbelt“, sagt sie über den US-Amerikaner. „Er wird mit einem ganzen Container ankommen und seine Exponate für die Räume des Kunstvereins arrangieren.“ Plastikstühle oder Sperrmüll, Tierkadaver oder Werkzeug – Smith verarbeitet alles zu Skulpturen. Vielleicht weil er aus Detroit stammt, der Stadt, die längst als Inbegriff des Verfalls gilt, inszeniert er dabei immer wieder Spuren der Zerrüttung. Wegen dieser Herkunft ist er aber auch mit der Tradition des Hip-Hops vertraut – und wird während seiner Ausstellung im Kunstverein einen Hip-Hop-Kurs veranstalten.

Davor aber wird es, wie üblich, die im Zweijahresrhythmus stattfindende Herbstausstellung niedersächsischer Künstlerinnen und Künstler geben. Auch dabei will Kathleen Rahn aber einiges anders als bisher üblich machen. „Ich möchte neben den bislang üblichen weitere Ausstellungsorte etablieren.“ Dafür sucht sie jetzt leerstehende Ladenlokale in der Innenstadt. „Ich will die Herbstausstellung als Gelegenheit dazu nutzen, Kunst stärker als bisher im öffentlichen Raum sichtbar zu machen.“ Na denn.

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