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Kultur überregional Magnus Öström und seine Band rocken im Jazz-Club
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00:16 12.10.2016
Konzentriert: Magnus Öström (links) und seine Band in Hannover. Quelle: Ditfurth
Hannover

Der Blick nach unten. Hochkonzentriert. Alles unter Kontrolle. Die Musiker der Band des Schlagzeugers Magnus Öström nehmen bei ihrem Konzert im Jazz-Club auf dem Lindener Berg ihre Sache sehr ernst. Gitarrist Andreas Hourdakis etwa geht bei den Intros und Outros der Songs sogar in die Knie, um die Effektgeräte besser bedienen zu können. Und auch Bassist und Keyboarder Thobias Gabrielson und Keyboarder Daniel Karlsson spielen versunken ohne Blickkontakt zum Nebenmann ihre Instrumente, um auch jede Nuance einzufangen.

In der Rockmusik ist nach dieser Art der Spielweise gleich ein ganzes Genre benannt worden – Shoegazer-Rock. Der heißt so, weil die Musiker bei ihren oft langen Songs mit dem Blick nach unten hochkonzentriert auf ihre Schuhe starren. Den Begriff Shoegazer-Jazz gibt es (noch) nicht. Wohl auch, weil im Jazz sowieso vorausgesetzt wird, dass die Musiker sich auf ihr Instrument konzentrieren anstatt das Publikum mit Showeinlagen zu unterhalten.

Aber wie wäre es stattdessen mit dem Begriff Fallschirm-Jazz? Fallschirm, auf englisch „Parachute“, heißt Öströms neue CD, deren Songs im Wesentlichen die zwei Sets im Jazz-Club füllen. Das passt besser. Es ist Musik, die bei aller Konzentration völlig losgelöst erscheint: Musik im freien Flug. Die aber kurz vor dem Absturz immer wieder wie von einem Fallschirm aufgefangen wird – und sicher in durchdachten Songstrukturen landet. Ob das nun Jazz ist oder doch eher episch angelegter Indie-Pop mit Soundtrack-Qualität spielt keine Rolle. Es ist überzeugende, mit viel Liebe zum Detail geformte Musik.

Diese Qualität hat Öström als Schlagzeuger im Trio des verstorbenen Pianisten Esbjörn Svensson gelernt. Manchmal erinnert die Musik seiner Band fast an die Pop-Giganten Coldplay, manchmal fliegt das Quartett im Gleitflug über karg akzentuierte Soundflächen, wie sie nur Musiker der nordischen Jazzschule spielen können. Ein wenig unterkühlt, aber mit klarer Vorstellung, wie sie zusammen klingen wollen.
Das kommt an im gut gefüllten Jazz-Club. Den Applaus wissen die Musiker zu würdigen. Mit dem Blick nach vorne.

Von Bernd Schwope

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