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Kultur überregional Die Krise einer Nonne
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00:15 17.12.2014
Von Stefan Stosch
Das polnische Schwarz-Weiß-Drama „Ida“ von Pawel Pawlikowski hat beim 27.Filmfest ordentlich abgeräumt. Quelle: dpa
Hannover

Die Grenze zu Putins Reich ist nicht weit entfernt. Wer weiß, wann von dort die nächsten Militärflugzeuge aufsteigen, um über der Ostsee Manöverrunden zu drehen. Mitten in der pittoresken Altstadt von Riga ist in einem bunkerartigen Bau das Okkupationsmuseum untergebracht, das sich der Besetzung des Landes 1940 erst durch die Rote Armee, dann durch die Deutschen und am Kriegsende wiederum durch die Sowjets widmet – bis sich die Letten 1991 ihre Freiheit zurückeroberten und alle Leninstatuen von ihren Sockeln stürzten.

Kein Wunder, dass in dieser Ecke Europas die aktuellen Spannungen zwischen Ost und West sensibel registriert werden. Wenn hier, in der Europäischen Kulturhauptstadt 2014, der Europäische Filmpreis vergeben wird, sieht sich ein russischer Regisseur schon mal genötigt, die Rolle seines Landes in diesem brisanten politischen Hickhack zu bewerten – besonders dann, wenn er so wie Andrei Zvyagintsev in „Leviathan“ bitterböse von einem Russland erzählt, in dem Willkür und Korruption regieren.

Erst nach einigem Zögern ist der 50-Jährige zur Auskunft bereit: Er warne vor Vereinfachungen, sagt er. Die Russen seien nicht die alleinigen „Bad Guys“, als die sie allzu gern nicht nur im Kino besetzt würden. Dann schiebt er nach: Übrigens komme Putin in seinem Film gar nicht vor, der handele von harten Zeiten für kleine Leute, die zwischen Kirche und Staat zerrieben würden.

Mit „Leviathan“ gehörte  Zvyagintsev zu den fünf  wichtigsten Kandiaten beim 27. Filmpreis. Am Ende aber räumte ein anderer Anwärter aus Osteuropa ab: „Ida“ von Paweł Pawlikowski wurde als bester Film gekürt, ebenso mit den Auszeichnungen für Regie, Drehbuch und Kamera bedacht, obendrauf gab’s den Publikumspreis. Und all diese Ehrungen für „einen Schwarz-Weiß-Film, gedreht mit einer Kamera, die sich nicht bewegt“, spöttelte der glückliche Pawlikowski. In knappen 80 Minuten erzählt er von der jungen jüdischen Novizin Ida (Agata Trzebuchowska), die sich im Polen der sechziger Jahre ihrer Vergangenheit stellen muss – und die reicht bis in den Holocaust zurück. Die nach und nach auf der Bühne in Riga versammelte Filmcrew widmete die Preise knapp 70 Jahre nach Auschwitz den Kindern und Enkeln der NS-Opfer.

Leichte Kinokost war es also nicht, die die rund 3 000 Mitglieder der Filmakademie unter ihrem Präsidenten Wim Wenders aufgefahren hatten. Überhaupt war zwischen all den Bekenntnissen zu Kunst und Kultur und den manchmal angestrengt wirkenden Späßen von Moderator Thomas Hermanns, bekannt aus dem „Quatsch Comedy Club“, immer wieder der Wille zur Einmischung spürbar. So forderte die Akademie ausdrücklich zur Unterstützung des ukrainischen Regisseurs Oleg Sentsov auf, der Moskau kritisiert hatte und nun als angeblich Terrorverdächtiger in Haft sitzt.

Und noch etwas fiel im Opernhaus zu Riga auf: Die großen Kinonationen Europas blieben weitgehend außen vor. Das galt auch für deutsche Beiträge. Der Stuttgarter Marc Bauder immerhin gewann den Preis für die beste Dokumentation: In „Master of the Universe“ gibt er erschreckende Einsichten in die Denkweisen von Investmentbankern. Kostümbildnerin Natascha Curtius-Noss und Szenenbildner Claus Rudolf Amler, beide zuständig für den Alpenwestern „Das finstere Tal“, standen schon vorab als Sieger fest.

Ebenso fehlten Schwergewichte wie die belgischen Dardenne-Brüder („Zwei Tage, eine Nacht“) oder der Brite Mike Leigh („Mr. Turner“). Zumindest ihre Hauptdarsteller Marion Cotillard und Timothy Spall wurden mit silbernen Statuetten bedacht. Ganz und gar leer gingen der türkische Cannes-Sieger „Winterschlaf“ von Nuri Bilge Ceylan sowie Provokateur Lars von Trier mit „Nymphomaniac“ aus. Für den nötigen Glanz in Riga sorgten Schauspielerinnenlegende Liv Ullmann sowie die beiden Ehren-Preisträger: der britische Regisseur Steve McQueen („12 Years a Slave“) und die quirlige, 86-jährige Agnès Varda, gerühmt als „Großmutter der Nouvelle Vague“. Der eine wurde gewürdigt für seinen Beitrag zum Weltkino, die andere für ihr Lebenswerk.

„Ida“ werden wir womöglich schon bei der Oscar-Verleihung im Februar wiederbegegnen: Polen hat das Kinokleinod ins Rennen geschickt. Genauso ist „Leviathan“ für Russland nominiert – was kaum jemanden so sehr überrascht hat wie Regisseur Zvyagintsev. So einfach ist es mit den „Bad Guys“ vielleicht tatsächlich nicht.

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