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Kultur überregional „So eine merkwürdige Form von Fragilität“
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20:11 14.11.2014
Von Ronald Meyer-Arlt
Berührungen sind möglich: Bei „The Record“ (hier eine Aufführung in New York) stehen Darsteller auf der Bühne, die einander nicht kennen. Quelle: Maria Baranova
Hannover

Das markante T, das gleichzeitig ein F ist, soll ein wenig verändert werden. Aber ganz dezent, so, dass man es eigentlich gar nicht bemerken wird. Martine Dennewald, die neue Leiterin des Festivals Theaterformen, will das bekannte, an einen Feuermelder erinnernde Logo des Festivals zwar ändern, aber eigentlich auch wieder nicht. Und so geht es ihr mit einigem, was zum Festival gehört. Wenn vom 2. bis 12. Juli 2015 die nächste Ausgabe der Theaterformen in Hannover über die Bühnen des Staatstheaters (und über einige andere) geht, dann wird vieles so sein, wie es auch unter Dennewalds Vorgängerin Anja Dirks war, die in diesem Sommer in Braunschweig ihre letzte Festivalausgabe präsentiert hat. „Ich bin nicht gekommen, um das Rad neu zu erfinden“, sagt Martine Dennewald, „Identität und Profil des Festivals werde ich jedenfalls nicht über den Haufen werfen.“

Und so wird es im Sommer wieder zehn Tage Theaterformen geben - mit spannenden Theatergruppen aus aller Welt und Gratiskonzerten junger Bands im Festivalzentrum, das sich, wie sonst auch, im Hof des Schauspiels befinden wird.

Wichtige Säulen ihres Programm stehen selbstverständlich schon, bekannt gegeben wird das Programm der kommenden Theaterformen aber erst im April kommenden Jahres; dann beginnt auch der Vorverkauf. Eine Produktion verrät die neue Festivalleiterin aber doch schon. Dafür gibt es auch einen guten Grund. Für das Theaterstück „The Record“ der amerikanischen Gruppe 600 Highwaymen sucht das Festival 45 Mitwirkende aus der Region Hannover, ganz egal, ob mit oder ohne Bühnenerfahrung.

Ende Januar wird es in Hannover ein Casting geben, am 3., 4. und 5. Juli wird das Stück dann bei den Theaterformen zu sehen sein. Es dürften seltsame Vorstellungen werden, denn die Teilnehmer werden zwar geprobt haben, aber nicht miteinander. Sie kennen einander nicht. Das Stück dauert genau 61 Minuten, jeder Darsteller wird genau wissen, was er an welchem Zeitpunkt zu tun hat - aber wie alles zusammen funktioniert, das wird man erst bei den Vorstellungen sehen. Die Darsteller werden sich auf der Bühne zum ersten Mal begegnen. Es ist ein Wagnis - und daher genau richtig für ein Festival, das neues, junges, anderes Theater präsentieren will.

Theaterleute „so unendlich viel cooler“

Martine Dennewald sagt über „The Record“: „Ich mag diese Produktion, bei der so eine theatertypische Gemeinschaft des Augenblicks entsteht. Das hat so eine merkwürdige Form von Fragilität.“ Wenn sie spricht, scheinen ihr die Konsonanten im Mund zu explodieren, und das hat etwas mit dem Geburtsort der 34-Jährigen zu tun: Luxemburg. Luxemburgisch war ihre Muttersprache, es folgten Deutsch, Französisch und Englisch. Dass das bei ihr einen leicht amerikanischen Klang hat, liegt daran, dass sie drei Jahre in den USA gelebt hat. Auch Spanisch und Schwedisch spricht sie fließend. Wenn man ein internationales Festival leitet, ist Sprachvielfalt sicher kein Nachteil. Gerade lernt Martine Dennewald Türkisch. Warum? „Weil es in Deutschland die zweite Sprache ist“, sagt sie.

Zur Kunst kam Dennewald recht früh: Sie spielte sehr gut Klavier und besuchte in Luxemburg das Konservatorium. Dort fiel ihr auf, dass die Leute aus der Theaterabteilung „so unendlich viel cooler“ waren als die, die sich in klassischer Musik ausbilden ließen. Also Wechsel. Aber der war dann auch nicht ganz richtig. „Als Schauspielerin war ich zu unbegabt und als Regisseurin zu ideenlos“, sagt Martine Dennewald. Was bleibt einem da noch? Die Dramaturgie. Die Hochschule für Musik und Theater in Leipzig bot den Studiengang Dramaturgie an, und Dennewald schrieb sich ein. „Für meine Eltern war das, als ob ich nach Sibirien gehe“, sagt sie. In Leipzig wurde ihr klar, dass stückbegleitende Dramaturgie nicht gerade ihre Leidenschaft war. Sie wollte mehr, sie wollte managen. Also ging sie nach London, um dort Kulturmanagement zu studieren. Dort hat sie zum ersten Mal für ein Theaterfestival gearbeitet, für das „Lift“, das London International Festival of Theatre.

Es folgte eine Dramaturgiestation am Schauspielhaus in Zürich. Irgendwann wurde Thomas Oberender, der spätere Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele, auf Martine Dennewald aufmerksam. Er holte sie nach Salzburg und übergab ihr die Leitung des „Young Directors Project“, einer Reihe, in der junge, vielversprechende Schauspielregisseure ihre Arbeiten vorstellen.

Es folgte eine Station beim Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm, dann kam die Anfrage aus Niedersachsen. Seit September lebt Dennewald in Hannover.

Es wird nicht nur Hits geben

Und in sieben Monaten wird sie die erste Ausgabe ihrer Theaterformen eröffnen. Natürlich soll es bei den neuen Theaterformen Hits geben, natürlich sollen die Zuschauer überwältigt werden - aber eben nicht nur. Der neuen Leiterin ist es ebenso wichtig, Entwicklungslinien aufzuzeigen. „Es geht nicht um geniale Ideen und geniale Künstler, es geht nicht darum, die Zuschauer total zu überwältigen“, sagt sie. Wichtiger sind ihr Diskussionszusammenhänge. Deshalb startet sie bei ihrem neuen Festival den Versuch, jeweils zwei Arbeiten eines Künstlers vorzustellen. Das soll den Diskurs ästhetischer Positionen beflügeln. „Die andere Arbeit eines Künstlers ist ein guter Referenzrahmen“, sagt sie. Einfach sei es allerdings nicht, immer zwei vorzeigbare Arbeiten einer Gruppe oder eines Regisseurs für das Festival zu organisieren. Andererseits: Warum nicht? Martine Dennewald lacht, dann sagt sie: „Ich finde es auch gut, wenn ich mir die Arbeit ein bisschen schwer mache.“

Wer bei „The Record“ mitwirken möchte, sollte älter als sieben Jahre sein, im Januar sowie während des Festivals Zeit haben und sich bei therecord@theaterformen.de anmelden. Weitere Informationen unter www.theaterformen.de.

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