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Kultur überregional So gut war das Konzert von Element of Crime
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18:29 23.09.2016
Braunschweig

In ihrem Hit „Delmenhorst“ besingen Element of Crime eine Getränke-Hoffmann-Filiale, obwohl es in der ganzen Stadt keine gibt. Aber es könnte dort eine geben – wie an 314 anderen Orten im Bundesgebiet. Mit dem Hoffmann-Kunstgriff beschreibt Sänger Sven Regener einen Platz maximaler Alltäglichkeit, an den man sich nach einer Trennung flüchten kann. Das kann überall sein, einzige Voraussetzung: An ihm dürfen keine gemeinsamen Erinnerungen kleben: „Es ist schön, wenn’s nicht mehr weh tut, und wo zu sein, wo du nie warst.“ Delmenhorst ist ein Platz zum Heulen und Loslassen.

Auch in Braunschweig gibt es keinen Getränke Hoffmann. Die Berliner Band spielt das Stück dort, bei ihrem Auftritt am Donnerstagabend, als Zugabe. Das Konzert ist ausverkauft. Seit Jahren haben sich die Macher von „Kultur im Zelt“ um Element of Crime bemüht. Auch sie wandten einen Kunstgriff an, um sich die Band leisten zu können. Sie räumten das eigentlich bestuhlte Zirkuszelt leer und erhöhten so die Kapazität auf 1900 Plätze.

Kultur im Zelt

Im kommenden Jahr findet das Braunschweiger Festival „Kultur im Zelt“ voraussichtlich vom 24. August bis 24. September statt.  

Element of Crime ist noch immer mit ihrem neunten deutschsprachigen Album „Lieblingsfarben und Tiere“ aus dem Jahr 2014 unterwegs. Ihr Sound lebt vom Kontrast zwischen der melancholischen Musik und Regeners unsentimentalem Gesang. „Irgendwas ist immer“, singt er mit seerauer Stimme, ganz ohne Selbstmitleid, denn Selbstmitleid ist nicht sein Ding. Es ist ein lakonisches Schade, das Element of Crime Song für Song erschaffen und zu einem tröstlichen, trotzigen Gesamtgefühl werden lassen. „Und nur wenn ich lachen muss, tut es noch weh.“

Der romantische Trottel, Regeners Lieblingsfigur, ist trotz aller Enttäuschungen, kein Depri, sondern ein Mensch, der durchhält, der das Beste daraus macht. Viele im Publikum erkennen sich in ihm vermutlich wieder. Zwar hadert er, gewinnt aber irgendwann emotionalen Abstand und findet neuen Mut. Vielleicht betet er, regelmäßig oder nur, wenn er verzweifelt. Er fragt in einer Welt, die vielen immer kriegerischer und bedrohlicher vorkommt: „Wo ist der Gott, der uns liebt (...), wenn der Morgen graut?“

Eine Antwort gibt es nicht. Dafür kann man bei Element of Crime Jakob Iljas schroffe Gitarre bewundern, die wie etwas Gutes von früher klingt, nach Country, nach Scotty Moore, nach Velvet Underground. Oder man kann sich selbstvergessen im Dreivierteltakt drehen, zum Song „Kaffee und Karin“ zum Beispiel.

Regener, der Zirkus-Trompeter, macht das selbst, sein Instrument im Arm, die Haare im Gesicht. Er tanzt allein und wirkt trotzdem ziemlich zufrieden. „So sieht’s aus“, würde er wohl dazu sagen.   

Von Mathias Begalke

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