Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Kultur überregional Sprengel-Preisträger Badock präsentiert „du hier“
Nachrichten Kultur Kultur überregional Sprengel-Preisträger Badock präsentiert „du hier“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 04.12.2014
Von Daniel Alexander Schacht
Ein (Selbst-)Ironiker und sein Werk: Benjamin Badock, Sprengel-Preisträger der Sparkassenstiftung, vor seiner Serie „Origami für Anfänger“.  Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Man muss sich nur auf eine der weißen Bänke setzen, die Benjamin Badock eigens dafür gebaut hat - und ist schon Teil der Inszenierung dieses Künstlers auf dem Museumsplatz des Sprengel Museums. Man kann dort den Blick über die diagonal rosa- und türkisfarben getünchten, von feinen, weißen Linien durchzogenen Wände schweifen lassen, auf denen seine Bilder hängen. Und ist damit Objekt des künstlerischen Prozesses - aber auch dessen Subjekt. Unter anderem, weil sich da nur im Auge des Betrachters Kreise oder Kreisausschnitte, Quader und Quadrate, Dreiecke und andere geometrische Formen zu Mobiliar, Gebäuden oder Figuren fügen, zum Hipster oder Barrista, zur Nackten oder zum Koch.

„Aufstellungen“ nennt Badock die Werke dieser Serie. Der Titel weist auf Badocks Holzschnittdruckweise hin, bei der die Druckplatten in einen Rahmen gestellt werden. Mit der alten Technik vermag der 40-Jährige überraschend neue Wirkungen und vielfältige Brückenschläge zum Betrachter zu erzielen, was dem schon mehrfach preisgekrönten Künstler heute überdies den Sprengel-Preis für Bildende Kunst der Sparkassenstiftung einbringt. Dieser Preis, seit 1980 damit zum 22. Mal verliehen, besteht zum einen aus dem Preisgeld von 12.500 Euro, zum anderen aus einer Ausstellung. Und die ist nach den Worten von Museumschef Reinhard Spieler fast noch wichtiger als das Geld. „Wir wollen ja nicht nur den Säulenheiligen der Kunst huldigen, sondern auch junge Künstler fördern, damit sie bald selbst zum künstlerischen Kanon gezählt werden.“

Das könnte bei Benjamin Badock durchaus klappen. Denn er setzt sich in seinen Arbeiten nicht nur mit den Lebenswelten seines Publikums auseinander, sondern bindet es auf intelligente Weise in seine künstlerische Arbeit ein - und spricht es hier im Ausstellungstitel „du hier“ auch ganz direkt an. „In seinen figurativen Arbeiten spürt Badock der gesellschaftlichen Typisierung nach“, sagt Carina Plath, Sprengel-Vizechefin und Kuratorin der Ausstellung. „Mich interessiert, wie der Mann auf der Straße bestimmte Typen wahrnimmt“, sagt der Künstler, „wie weit sich die Wahrnehmung von Identitäten standardisieren lässt.“

Böser Mann, gute Kunst?

Recht weit, das zeigt die Ausstellung. Standardisiert nimmt sich Badock, der Kunst in Braunschweig und Architektur in Cottbus studiert hat, außer Figuren auch Konturen von Bauwerken vor. In der Ausstellung ist etwa „Airport“ zu sehen, ein nur aus geometrischen Formen zusammengesetzter Flughafen. Überdies springt ein raumhoher Seidenpapier-Paravent raumgreifend auf den Museumsplatz vor. Teil von Badocks Raumerkundung sind auch zwei Robocleaner, die auf dem Museumsplatz umherrollend ihr staubsaugendes Werk verrichten, wenn sie nicht gerade in der Ladestation frische Kraft saugen. Wer Gefallen an solchen architektonischen Entwürfen findet, mag im Internet die Wunschfarben seines „Traumplattenbaus“ wählen und beim Künstler in Auftrag geben. Kostenpunkt: 1500 Euro aufwärts. „Boesermann.org“, lautet Badocks Internetadresse. Böser Mann, gute Kunst?

Gut ist jedenfalls, wie Badock sich an sein Publikum wendet, auch mit einer weiteren Serie: Seine meist unregelmäßigen geometrischen Muster, die sich beim Nähertreten als Collagen gefalteter, teils bedruckter, teils mit dem Spatelstrich eingefärbter Zeitungspapiere erweisen, nennt er OFA - „Origami für Anfänger“. Der Serientitel lässt sich als (selbst-)ironischer Appell ans Publikum verstehen, durch traditionelle Falttechniken zu neuer künstlerischer Entfaltung zu gelangen. Verwendet hat Badock dafür das Abstrichpapier, das in jeder Künstlerwerkstatt massenhaft nebenbei anfällt. So kurz kann der Weg vom alten Papier zum neuen Artefakt sein; Benjamin Badock ist, ganz nebenbei, auch ein effizienter Zweitverwerter.

Das sollten alle bedenken, die auf seinen Sitzbänken Platz nehmen. Denn die sind wohl nicht ohne Absicht mit Styropor gepolstert, in dem Abdrücke zurückbleiben werden. Mit Abdrücken kennt sich Benjamin Badock gut aus. Gut möglich, dass er auch die Styroporplatten einer künstlerischen Zweitverwertung zuführt.

„Benjamin Badock: du hier“. Bis 15. März 2015 im Sprengel Museum, Kurt-Schwitters-Platz. Eröffnung und Preisverleihung ist am Dienstag um 18.30 Uhr.

Das Duo Inside Out schafft mit seiner Musik fast meditative Atmosphäre. Da hört man eine Stecknadel fallen – oder Gummisohlen quietschen. Im Schloss Landestrost kennt man nun den Unterschied.

01.12.2014

Lars von Trier, der Regisseur der Depression, hat zur Abwechslung eine Komödie geschrieben. Sie heißt „Der Boss vom Ganzen" und ist jetzt als Inszenierung im Celler Schlosstheater zu sehen.

01.12.2014
Kultur überregional Todestag des Marquis de Sade - Terrorist der Fantasie

Er wird als Begründer des Sadomasochismus gesehen: Vor 200 Jahren starb der Lebemann und Autor abgründiger Gewaltphilosophie. Ein Psychogramm.

Johanna Di Blasi 01.12.2014