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Kultur überregional Thomas Quasthoff singt wieder
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08:28 18.12.2014
Bariton Thomas Quasthoff singt amerikanische Weihnachtsklassiker. Quelle: Jörg Carstensen

Nein, ein Rücktritt vom Rücktritt ist das nicht. Das ist Thomas Quasthoff ganz wichtig. Sein neues Album, auf dem er amerikanische Weihnachtsklassiker singt, sei nicht etwa ein Comeback, betont der Bariton derzeit immer wieder. Tatsächlich hat Quasthoff vor zwei Jahren nur seine Karriere als klassischer Sänger offiziell für beendet erklärt. Und daran ändert auch diese swingende Neuerscheinung nichts. Dass er ab und an auftreten und Texte rezitieren, vielleicht sogar das ein oder andere Jazzstück vortragen werde, hat er gleich bei seinem Abschied 2012 angekündigt. Nun wurde ein solches Programm eben einmal eingespielt.

Doch ganz so beiläufig, wie es scheinen soll, sind diese Aufnahmen der Deutschen Grammophon dann doch nicht. Der scheinbar banale Albumtitel „Mein Weihnachten“ ist hier ernst zu nehmen. Quasthoff schreibt im Begleittext zur CD, er habe sich für Stücke wie Johnny Moores „Merry Christmas, Baby“ entschieden, weil sie ihn an die Weihnachtszeit seiner Kindheit und Jugend erinnerten.

Damals war es sein inzwischen verstorbener Bruder Michael, der diese Stücke auf den elterlichen Plattenteller legte. „Michael war mein Vorbild und meine musikalische Inspiration“, so Quasthoff. Der Tod des Bruders war es dann auch, der ihn verstummen ließ: Der Sänger brachte eine Zeit lang keinen Ton heraus und beschloss daraufhin, seine Karriere zu beenden. Nun aber, beim Beschwören vergangener Feste, ist Quasthoffs unvergleichlicher Bariton wieder da.

Und wie immer bei diesem Ausnahmesänger ist es nicht die – gleichwohl große – Schönheit seiner Stimme, die den Reiz der Aufnahme ausmacht, sondern ihre Beredtheit. Quasthoff hat eine besondere Gabe, Musik und Sprache zu verbinden. Das ist heute bei „White Christmas“ nicht anders, als es früher bei einem Schubert-Lied war.
Kunstvoll sind auch die vier Arrangements von Jazzpianist Frank Chastenier. „White Christmas“ ist in der schlichten Version für Klavier und Sänger all des Glitzerschmucks beraubt, die diese traurige Auswandererballade so oft zu einer sentimentalen Weihnachtsschnulze macht. Dann wieder klingt die Begleitung von Deutschlands prominentester Rhythmusgruppe (neben Chastenier gehören Bassist Dieter Ilg, Schlagzeuger Wolfgang Haffner und Gitarrist Bruno Müller dazu) wie eine ganze Big Band: Über der Hildesheimer Weihnachtsstube der Quasthoffs hat offenbar immer ein Hauch Las Vegas gelegen.

Betont kirchenfern geht es auch beim größeren nichtmusikalischem Teil der CD zu. Quasthoff hat Gedichte von Brecht, Rilke, Ringelnatz und Georg Trakl ausgewählt, die ganz ohne Weihrauch von Weihnachten erzählen. Einzig in den Versen von Dietrich Bonhoeffer, die dieser 1945 in einer Todeszelle der Gestapo schrieb, taucht das Wort Gott auf. „Von guten Mächten treu und still umgeben“ klingt aus Quasthoffs Mund zwar besonders eindringlich, gibt dem Sänger aber Anlass, sich daran zu erinnern, wie schwer es seine Eltern mit ihm als behindertem Kind in der heimatlichen Gemeinde hatten. „Weihnachten ist für mich darum hauptsächlich die Zeit mit der Familie“, sagt er. Auch darin ist sein neues Album ganz auf der Höhe der Zeit.

Von Stefan Arndt

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