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19:21 08.12.2014
Wenn die Trompete zu schmelzen scheint: Till Brönner im Theater am Aegi. Quelle: Körner
Hannover

Startrompeter, Sunnyboy, Jazzikone: Dass Till Brönner den deutschen Instrumentaljazz wieder salonfähig gemacht hat, weiß man. Dass er im Fernsehen gern den smarten Strahlemann gibt, hat man gesehen. Auch, dass er singen kann, hat er auf einigen seiner Alben gezeigt. Jetzt war Till Brönner mit seinem Quintett zu Besuch im ausverkauften Theater am Aegi - und hat ein Konzert der Extraklasse gespielt.

Bassist Christian van Kaphengst, Schlagzeuger David Haynes, Keyboarder Jasper Soffers und Saxofonist Magnus Lindgren spielen ein kleines Intro, Haynes kündigt in bester Boxringmanier den Star an, dann schlendert Brönner herbei, lächelt, nickt freundlich und macht fortan das, was er am besten kann: Trompete spielen. Nach zwei Fusion-Stücken im Stile von Weather Report und den Yellowjackets begrüßt er sein Publikum.

Leise, fast brüchig ist seine Stimme, während er wie nebenbei erzählt, von seinen inzwischen 17 veröffentlichten Alben, dass ja das Movie-Album fast an allen vorbeigegangen sei, dass sie ja eigentlich gar nicht auf Tournee seien, dass bei einem Konzert in Bayern plötzlich alle Zuhörer verschwunden sind, weil sie ihren Zug bekommen mussten - er ist der nette junge Mann von nebenan.

Es ist keine leichte Kost, die Brönner serviert. Ohne jede Showeinlage vertraut er auf das reduzierte Grundgerüst des Jazz. Er spielt mal mit Wah-Wah-Pedal, mal mit Harmon-Dämpfer, erzeugt damit den klaren, schneidenden Sound á la Miles Davis. Dann wieder spielt er butterig-weich, seine Trompete scheint zu schmelzen, wenn sie Seelen und Ohren streichelt. Haynes trommelt dezent, minutenlang spielt er bloß Bass und Trommel, manche seiner Besenschläge sind nur zu ahnen, Soffers perlt auf dem Fender-Rhodes-Piano vor sich hin, van Kaphengst lächelt still im Hintergrund, wenn er seine Walking-Bass-Linien marschieren lässt.

Das Konzert wogt auf und ab. Funk wird zu Pop, zu Soul, zu Free-Jazz. Brönner gibt der Trompete ein Profil und sie ihm. Die zweistimmigen Bläsersätze von Lindgren und Brönner grooven akkurat. Über manche Instrumentalisten sagt man, sie könnten auch Tonleitern spielen, es würde toll klingen. Brönner spielt im Duett mit Lindgren tatsächlich Tonleitern - und sie klingen alle toll. Er nimmt sich zurück, er ist weniger Bandleader als Teil des Ganzen, und das steht ihm hervorragend. Nach der Pause zeigt Haynes bei einem gut zehnminütigen Schlagzeugsolo, warum er den Beinamen „Fingers“ trägt. Er spielt mit Sticks, Besen und Händen, für seine atemberaubende Spieltechnik erhält er tobenden Applaus. Es gibt ein Stück von Dave Grusin, auch Billy Joels „Just the Way you are“ bringt Brönner zum Leuchten.

Auch dem oft gehörten „Air“ von Johann Sebastian Bach, „dem größten deutschen Jazzmusiker“, wie er sagt, ringt er neue Aspekte ab. Die fachkundigen Zuhörer warten bis zum letzten Ton, bevor sie klatschen. Brönner singt mit schmeichelweicher Stimme „Café com pao“, Kaffee mit Brot, auf portugiesisch, und das trifft es genau. Seine Musik braucht zum Kaffee keine Sahnetorte mit rosafarbener Verzierung, ein Stückchen Brot genügt. Am Ende, nach gut zwei Stunden begeisternder Jazzmusik, applaudiert das Publikum im Stehen. Ihren Zug hätten viele wohl gern verpasst.

Von Michael Krowas

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