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Kultur überregional Torfrock feiert im Capitol
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20:14 26.12.2014
„Vielen lieben danke“: Sänger Klaus Büchner und Gitarrist Raymond Voss von Torfrock. Quelle: Heusel
Hannover

Am Abend des ersten Weihnachtstages ist ja eigentlich schon alles vorbei. Die Geschenke sind ausgepackt, die Gänse sind verspeist, seichte Berieselung durch den kleinen Lord, drei Nüsse oder Bill Murray steht an. Nur nicht mehr vom Sofa aufstehen ...

Für 1500 Hannoveraner galt das nicht. Sie waren im Capitol, wo die Spaßmusikanten von Torfrock ihre Bagalutenwiehnacht präsentierten - zum 18. Mal in Hannover. Die Mannen um Sänger Klaus Büchner haben ihre Fans, norddeutschlandweit. Wobei Hannover durchaus an der Grenze zu Bayern liegt, hier ist Schluss, noch weiter nach Süden dringen sie nicht vor, die Rocker aus dem fiktiven Ort Torfmoorholm. Seit 25 Jahren bespaßen die vier zur Weihnachtszeit all diejenigen, denen Wham!s „Last Christmas“ oder Mariah Careys „All I Want For Christmas Is You“ zum Hals raushängt. Die, unter Wikingerhelmen und in Fellwesten, zum Beginn des verlängerten Wochenendes die Sau rauslassen wollen. Nach den Retro-Rockabilly-Rowdys Rubber Chukks, die in diesem Jahr als Vorgruppe mit dabei sind, kommen Büchner, Gitarrist Raymond Voss, Bassmann Volkers Land und Trommler Stefan Lehmann auf die Bühne. Büchner ist suppenkasperesk dünn und begrüßt die Fans mit „Moin moin“ - wie könnte es anders sein.

Ein bisschen abgekämpft wirken alle vier, schließlich sind sie seit 14. November in Sachen Weihnachten unterwegs. Im Gepäck haben sie ihr neues Album „Meisterstücke“. Viel Kommunikation mit dem Publikum braucht es nicht; die Lieder sprechen für sich. „Volle Granate, Renate“, „Presslufthammer Bernhard“, „Willi, die Ratte“, und, natürlich, „Beinhart“, der Titelsong des Films über Brösels Comicfigur Werner, dem Büchner die Stimme gab und deren beider Persönlichkeiten seither miteinander verschwimmen. Sie rocken sich durch den Abend, der berauschebartete Voss würde auch bei ZZ-Top bestehen, optisch und akustisch. Bei Balladen greift Büchner gern zu verschiedenen Flöten, die er - wie das Saxofon und die Mundharmonika - ausgesprochen gut beherrscht. Dann wollen 1500 Menschen Filzläuse. Zumindest singen sie den Refrain des gleichnamigen Titels, der sehr an „Wild Thing“ von den Troggs angelehnt ist, begeistert mit. „Vielen lieben danke“, mit diesen Worten bedankt sich Büchner nach jedem Song für den Applaus, „vielen lieben bitte“ schallt es danach hundertfach zurück - Rituale à la Torfrock.

Zwischendurch gibt es Gedichte. Büchners Vierzeiler sind schlaue, kleine Lebensweisheiten, nur scheinbar banal. Da wird die Erde zu einem großen Portemonnaie, es gibt eine Erklärung dafür, warum Engel ungeniert saufen können und der Weihnachtsbaum wird in Verbindung mit Pornografie gebracht. Kästner, Ehrhardt und Ringelnatz grüßen von oben.

Es ist manchmal durchaus solider Hardrock, den die vier darbieten. „Hey Joe“ klingt wie „Hey Joe“, samt verzerrtem Solo und klassischer Basslinie. Da zeigen sie, dass sie es können, wenn sie wollen. Der Hauptgrund, warum Büchner einst das Pferd-auf-dem-Flur-Duo Klaus und Klaus verlassen hat, soll ja gewesen sein, dass er den Rock ‘n’ Roll vermisst hat. Den hat er hier manchmal. Größtenteils bleibt es aber stampfende Mitklatschmucke mit knapp drei Harmonien. Und viel Gemeinschaftsgefühl; die meisten Gäste kennen jede Zeile auswendig. Auf kleine Gesten von Büchner reagieren sie fröhlich wie Kinder: 1500 Erwachsene rufen zur Melodie von „Heidi“ unisono nach dem Göttervater Odin. Der wird heute Abend als Heilsbringer nicht gebraucht. Den Part übernehmen Häuptling Büchner und Torfrock. Das ist mehr als genug.

Von Michael Krowas

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