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Kultur überregional Säulen bekommen „Maßanzüge“
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00:00 19.12.2014
Beim „schönsten Opernball des Nordens“ sind nicht nur die Säulen (links) schick. Quelle: Marek Kruszewski
Hannover

Man würdigt sie kaum eines Blickes. Im Gegenteil. Man geht an ihnen vorbei und nimmt sie eher als Hindernisse im Besucherstrom wahr: die Säulen im Opernhaus vor den Garderoben im Parkett. 14 Stück sind es - sieben links, sieben rechts. Doch beim Opernball kommt ihnen über ihre statische Funktion hinaus eine weitere tragende Rolle zu, sie sorgen - passend zum jeweiligen Motto - für die richtige Stimmung. Und dafür bekommen sie „Maßanzüge“.

Diese werden nicht etwa von der Schneiderei gefertigt, sondern von der Dekorationswerkstatt der Staatsoper, früher auch bekannt als Tapezierwerkstatt. Schließlich nahm die Innenraumdekoration ihren Anfang an Wänden und Böden mit Teppichen - dem französischen „tapis“. Später folgten Stoff- und Papiertapeten. Unter dem Obertapezierer Karl Gutzmann arbeiten im Opernhaus vier Dekorateure, die von Kollegen herzlich „Tapse“ gerufen werden. Sie sind für alles zuständig, was an Wänden, Fußböden und Möbeln - auch Polsterarbeiten gehören zum Aufgabengebiet - aus Stoff ist. Oder im Falle des Tanzteppichs beim Ballett: aus PVC.

Wie wichtig Textilien für eine gute Atmosphäre seien, bemerke man erst, wenn der Stoff nicht „stimme“ - oder er nicht fachmännisch verarbeitet sei, meint Matthias Troch. Man stelle sich eine orientalische Karawanserei aus synthetischen Fasern vor - oder einen Harem ohne schweren Samt. Troch, stellvertretender Obertapezierer, ist seit neun Jahren für den Opernball zuständig. Nach den Ausstattungsideen von Anja Lütgens überlegt er seit Mitte November, welche Elemente kreativ und neu verwendet werden könnten; macht Kalkulationen für Einkäufe und Arbeitsaufwand. Und der ist immens: Allein in den Foyers werden über 350 laufende Meter Teppich verlegt - zum Teil über den vorhandenen blauen Teppichen. Da ist genaues Arbeiten gefragt, damit der Bodenbelag später keine Falten wirft und so zur Stolperfalle wird. Dazu kommen der rote Teppich vor dem Opernhaus und etliche Quadratmeter PVC-Boden für die gastronomischen Bereiche auf den Seitenbühnen. Das robuste Material ist abwischbar und sorgt dafür, dass niemand mit Absätzen in den Fugen zwischen den diversen Podien der Bühne steckenbleibt. Aber auch die spektakulären Großdrucke und die Vorhänge müssen fachgerecht angebracht werden, damit sie wirken und Stimmung zaubern. „Mit uns fünf Kollegen aus dem Opernhaus wäre das nicht zu schaffen, daher bekommen wir aus den Werkstätten - wo weitere Dekorateure arbeiten - Verstärkung. Insgesamt arbeiten wir in der Aufbauwoche vor dem Opernball mit elf Dekorateuren an unserem Beitrag zur Ausstattung“, fasst Troch zusammen.

Für Orientfeeling sorgen diesmal „Säulen-Maßanzüge“ aus metallisch-schimmernden Stoffen in Gold und Bronze. Troch hat dafür ein eigenes Hängungssystem entwickelt, denn schließlich dürfen keine Nägel in die Säulen geschlagen werden. Deshalb werden Riemen aus rutschsicherem Material um die Säulenköpfe und -füße gespannt und der Stoff mit Klettbändern angebracht. Allerdings weisen die Pfeiler nicht dieselben Maße auf. Damit der Stoff dennoch schöne Falten schlägt, braucht Troch für die Anbringung jeweils 30 Minuten - das macht allein für die 14 Säulen im Parkett sieben Stunden Arbeit.

Weitere Informationen gibt es unter www.staatsoper-hannover.de

Christopher Baumann

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