Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Kultur überregional Wie uns die Alten sungen
Nachrichten Kultur Kultur überregional Wie uns die Alten sungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:30 23.12.2014
Von Simon Benne
Weihnachten ist auch die Zeit der Musik: Es wird viel gesungen, nur was eigentlich? Quelle: (Symboldbild)
Hannover

Es ist paradox: Wenn wir überhaupt noch alte Liedtexte auswendig kennen, dann die von Weihnachtsliedern. Doch ausgerechnet das, was wir so gut zu kennen glauben, verstehen wir kaum noch. Der „guten Mär“, dem „höchsten Bord“ und der „Art“ eines gewissen Jesse begegnen wir einmal im Jahr - und lassen sie ratlos an uns vorbeiziehen. „Oft sind es gerade die sehr vertrauten Texte, die uns bei näherem Hinsehen besonders fremd sind“, sagt Dominik Brückner vom Mannheimer Institut für Deutsche Sprache. Der Germanist, der am Deutschen Fremdwörterbuch mitarbeitet, hat sich intensiv mit der Sprache von Weihnachtsliedern beschäftigt, die über die Jahrhunderte oft Patina angesetzt hat.

„In alten Texten gibt es viele Wörter, die wir heute gar nicht mehr verstehen - oder nicht mehr so, wie sie einst gemeint waren“, sagt er. Viele Begriffe sind im Lauf der Sprachgeschichte verschwunden, oder ihre Bedeutung hat sich verschoben. Doch entschlüsselt man die kryptischen Texte der Weihnachtslieder, eröffnen sich oft theologische Welten.

  •  „Einsam wacht“ das traute hochheilige Paar in „Stille Nacht“. Als das Lied um 1818 in Österreich entstand, war „einsam“ noch kein sozialpsychologisches Phänomen: „Es bedeutet hier etwa ,einig, einträchtig’“, sagt Sprachforscher Brückner. Negativ besetzt ist diese Einsamkeit nicht.
  •  „Das traute hochheilige Paar“ ist in „Stille Nacht“ mitnichten ein verheiratetes, also getrautes Paar. Sondern laut Brückner ein Paar, das „geliebt, vertraut, anheimelnd“ ist.
  •  „Holder Knabe im lockigen Haar“: Das Adjektiv „hold“ gebrauchen wir fast nur noch scherzhaft für etwas, das schön ist. Im Mittelalter war die „Huld“ die Treueverpflichtung zwischen Lehnsmann und Lehnsherr. Ein Holde stand im Dienstverhältnis zu seinem Herrn - und war im Idealfall das Gegenteil eines Unholdes. In „Stille Nacht“ ist gemeint, dass das Jesuskind den Menschen besonders geneigt ist und ihnen in Treue viel Gutes tun will.
  • „Von Jesse kam die Art“: Jesse ist der biblische Vater von König David - der Stammvater der Familie, aus der Jesus stammt. „Art“ bedeutet in dem Lied „Es ist ein Ros’ entsprungen“ aus dem 16. Jahrhundert also Geschlecht, Familie oder Herkunft.
  •  „Aus Gottes ew’gem Rat“ hat Maria in „Es ist ein Ros’ entsprungen“ das Kind geboren. Mit „Rat“ ist nicht gemeint, dass Gott der Jungfrau hilfreiche Tipps gegeben hat. „Es geht eher um das, was man braucht, um einen guten Rat geben zu können - um Weisheit und Entschlusskraft“, sagt Brückner. Gottes Weisheit ist es also zu danken, dass Maria das Kind bekommt. Diese Art von Rat gibt es auch in „Macht hoch die Tür“, das 1623 in Ostpreußen geschrieben wurde: „Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat“.
  • „Uns zu versühnen“ ist Christus in „O du fröhliche“ erschienen. „Versühnen“ ist eine alte Form von „versöhnen“. Mit diesem Wort ist nicht nur gemeint, dass alle sich wieder vertragen, sondern es geht auch darum, dass Christus die Menschen von der Sünde freispricht.
  • „Gute, neue Mär“ verheißt der Engel in Luthers „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Heute wird „Mär“ meistens abwertend gebraucht, für eine unwahre Geschichte. Zu Luthers Zeit war das noch nicht so: „Mär“ hieß Kunde, Bericht, Erzählung. In diesem Fall ist die frohe Botschaft des Evangeliums gemeint.
  • „Von einer Jungfrau auserkor’n“: Das mittelhochdeutsche Wort „kiesen“ heißt „auswählen“; es steckt noch in Begriffen wie Kür, Kurfürst oder im englischen to choose. Im Lied „Vom Himmel hoch“ kommt es in der Zeile „Euch ist ein Kindlein heut’ geborn / von einer Jungfrau auserkorn“ als nachgestelltes, unflektiertes Adjektiv vor. Eine altertümliche Sprachfigur, wie es sie heute noch in Wendungen wie „Forelle blau“ oder „Emotion pur“ gibt. Nicht das Kindlein wurde also von der Jungfrau auserwählt. Sondern eine ausgewählte Jungfrau hat das Kind geboren.
  • „Bis an sein höchsten Bord“ ist das Schiff im Weihnachtslied beladen. Im Mittelalter hieß „Bord“ nichts anderes als Rand - daher stammt unser heutiges Wort Borte. Mit dem randvoll beladenen Schiff ist in „Es kommt ein Schiff geladen“ die schwangere Maria gemeint, die Jesus trägt. Der Schiffsrand („Bord“) wurde später zum Synonym für das ganze Schiff - wer sich innerhalb seiner Grenzen bewegte, war „an Bord“.

Selbst das Wort „Weihnachten“ ist mittlerweile erklärungsbedürftig: Im Mittelalter gab es das Adjektiv „wîhe“, dass heute noch in Weihwasser oder Weihrauch steckt. Es bedeutete „heilig“. Man sprach von „den wîhen nahten“ - den Weihnachtsnächten. Im Plural wohlgemerkt, denn gemeint war nicht eine Nacht - es ging um mehrere Feiertage. Darum sei es bis heute korrekt, sich in der Mehrzahl „Frohe Weihnachten“ zu wünschen, sagt Brückner. Oder im Singular „Ein frohes Weihnachtsfest.“

Hingegen ist „Ein frohes Weihnachten“ nicht das, was uns die Alten sungen.

Im knapp vier Jahre andauernden syrischen Bürgerkrieg sind annähernd 300 teils einmalige Kulturstätten stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Unter den betroffenen Denkmälern seien Weltkulturerbe-Stätten wie der 7000 Jahre alte Stadtkern von Aleppo oder die Kreuzfahrerburg Krak des Chevaliers.

23.12.2014

Zu Weihnachten steht die Religion im Zeichen des Friedens. Dabei begegnet sie uns im Alltag oft als Hintergrund blutiger Konflikte. Wer das begreifen will, muss in die Steinzeit blicken, sagt die Religionswissenschaftlerin Ina Wunn.

Simon Benne 22.12.2014

Schwerer Schlag für die Rockmusik: Starsänger Joe Cocker ist in den USA gestorben. Für seine Fans ist klar – sie werden ihn nie vergessen. „N’Oubliez jamais“ hieß auch einer seiner größten Hits. „Er war ohne Zweifel die größte Rock- und Soulstimme, die Großbritannien je hervorbrachte“, schrieb sein Agent.

25.12.2014