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Kultur überregional Liebe, Tod und Pubertät mit Wladimir Kaminer
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14:12 20.12.2014
Spitzen gegen den „russischen Bären“: Wladimir Kaminer im Pavillon. Quelle: Jan Philipp Eberstein
Hannover

Viel ist in den vergangenen Monaten darüber berichtet worden, ob und wie sich Türen zwischen West und Ost wieder öffnen lassen. Dabei gibt es ein grundsätzliches Problem, auf das der gebürtige Moskauer und deutsche Schriftsteller Wladimir Kaminer jetzt bei seiner Lesung im ausverkauften hannoverschen Raschplatz-Pavillon aufmerksam gemacht hat: „In Russland öffnen sich alle Türen nach außen, um sofort noch mehr Raum einnehmen zu können. In Deutschland gehen sie nach innen auf, damit man sich vor dem Chaos draußen abgrenzen kann.“ Auf diese Weise ist es schwer zueinanderzufinden. Bei ihm zu Hause jedenfalls sei nach jedem Verwandtenbesuch mindestens eine Türklinke abgerissen, erzählt Kaminer.

Der Wahlberliner mit dem harten russischen Akzent versteht es meisterhaft, zwischen harmlosen Plaudereien über pubertierende Kinder und keifende Schwiegermütter Spitzen gegen den „russischen Bären“ abzufeuern. Wie zufällig eingestreut wirken diese Attacken. Dabei ist Kaminers Programm offiziell alles andere als politisch ausgerichtet: „Coole Eltern leben länger“ lautet der Titel von Kaminers jüngstem Buch. Es geht um „Liebe, Tod und Pubertät“. Das eine bedingt bei Kaminer das andere.

Aber der 1967 in Moskau geborene Autor, der mit 23 Jahren nach Deutschland kam, ist eben nicht nur Vater von zwei heranwachsenden Kindern, sondern auch ein kritischer Kopf, der in Magazinbeiträgen oder in sozialen Netzwerken klar Stellung bezieht zu Putins Politik und zum Ukraine-Konflikt. So ist ein Abend mit Kaminer nicht einfach nur ein harmlos-humorvoller Blick in dessen illustres Familienalbum oder in die überbordende Schublade mit Russenklischees. Kaminer vermischt geschickt kleine politische Kabaretteinlagen mit großer humoristischer Erzählkunst. Dabei nimmt er auch sich selbst nicht allzu ernst. Trotz seines bahnbrechenden Erfolgs mit seinem Debüt „Russendisko“, das in mehr als dreißig Sprachen übersetzt wurde, ist es Kaminer nicht geheuer, in Deutschlehrbüchern für achte Klassen als Interpretationsknobelaufgabe aufzutauchen. Fragen nach Aussagen seiner Texte könne er nicht beantworten. Die Botschaften seiner Geschichten seien auch ihm nicht zugänglich, erklärt er trocken. Eine Botschaft hat er dann aber doch noch: Heiligabend ist „Russendisko“ in der Berliner Volksbühne. Gespielt wird ukrainische Musik.

Von Kerstin Hergt

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