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Kultur Liam Neeson gegen Nixon: „The Secret Man“
Nachrichten Kultur Liam Neeson gegen Nixon: „The Secret Man“
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00:00 02.11.2017
„Deep Throat“ in der Tiefgarager: Mark Felt (Liam Neeson) lässt sich seinen demokratischen Schneid nicht abkaufen. Quelle: Wild Bunch
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Hannover

Keine Ahnung, ob US-Präsident Donald Trump gelegentlich sein hauseigenes Kino aufsucht. Wenn ja, könnte ihn dieser Film interessieren. Der Originaltitel lautet „The Man who brought down the White House“. Er handelt allerdings nicht von einem durchgedrehten Nordkoreaner, der die momentane Heimstatt Trumps mit einer Atombombe aus eigener Produktion niedermachen will.

Von Strippenziehern und Austricksern

Die Action fällt in dem Politthriller von US-Regisseur Peter Landesman weitgehend aus. Die meiste Zeit ziehen wichtige Männer in grauen Anzügen in einschüchternden Lederpolster-Büros geheime Strippen und versuchen dabei, sich gegenseitig auszutricksen. Aber auch das kann spannend sein, wenn so viel auf dem Spiel steht.

In „Secret Man“ – so der, nun ja, deutsche Titel – geht es ganz im Gegenteil darum, jene Institutionen zu schützen, die für das Funktionieren von Amerikas Demokratie entscheidend sind. Dafür fühlt sich hier zuerst ein Mann verantwortlich: Mark Felt, Vizechef der US-Bundespolizei FBI.

Der Mann in der Tiefgarage

In die Geschichtsschreibung ist Felt unter dem Spitznamen „Deep Throat“ eingegangen, was wiederum bis dahin der Titel eines bekannten Pornos mit ganz spezifischen Sexualpraktiken war. Bis zum Jahr 2005 wusste kaum jemand, wer sich hinter „Deep Throat“ verbarg. In einer düsteren Tiefgarage spielte der geheimnisvolle Mann der „Washington Post“ brisante Informationen zu, die letztlich dazu führen sollten, Präsident Richard Nixon aus dem Weißen Haus zu vertreiben.

Genau, es geht noch einmal um die Watergate-Affäre, die ihren Anfang nahm, als fünf Männer 1972 im Auftrag der Republikaner ins Washingtoner Wahlkampf-Hauptquartier der Demokraten einbrachen. Die Polizei erwischte sie im Watergate-Gebäudekomplex dabei, wie sie Dokumente abfotografierten und Abhörwanzen anbrachten. Nach und nach kristallisierte sich heraus: Die kriminellen Aktivitäten waren aus dem Weißen Haus gesteuert worden.

Alan J. Pakula wusste nichts von Mark Felt

Hollywoods Version der Geschehnisse aus der Perspektive der beiden damals berühmt gewordenen „Washington Post“-Journalisten kennen wir seit 1976. In „Die Unbestechlichen“ sind Robert Redford und Dustin Hoffman die beiden Reporterhelden Bob Woodward und Carl Bernstein. Auch Alan J. Pakula, Regisseur der „Paranoia-Trilogie“ (zusammen mit „Klute“ und „Zeuge einer Verschwörung“), wusste damals selbstverständlich nicht, wer der Zuträger in der Tiefgarage war.

Und nun sehen wir einen schweigsamen Mann mit graumeliertem Haar (gespielt von Liam Neeson), der immer mehr zu der Überzeugung gelangt, dass der amtierende US-Präsident und seine Clique eine Gefahr fürs Land darstellen. Ein treuer Staatsdiener wird zum Verräter, um den Staat zu schützen. Mark Felt war ein Whistleblower des analogen Zeitalters. Edward Snowden und Co. haben sich den Mann aus der Tiefgarage als Vorbild genommen.

Es bestehen Zweifel an Felts Noblesse

Ob Felts Motivation tatsächlich so nobel war, ist unter Historikern durchaus umstritten: Der FBI-Mann handelte, nachdem sein mächtiger Chef J. Edgar Hoover überraschend gestorben war und er nicht wie erwartet als dessen Nachfolger an die Spitze der Behörde rückte. Im Film ist darüber vornehmlich Felt-Gattin Audrey (Diane Lane) empört. Präsident Nixon, im ganzen Film nur in Fernsehaufnahmen zu sehen, installiert den ihm hörigen Patrick Gray (Marton Csokas) als CIA-Chef, und dieser soll den Watergate-Einbruch möglichst schnell zu den Akten legen. Aber das ist mit Felt nicht zu machen, der mit allen Mitteln die Unabhängigkeit des FBIs verteidigt.

Liam Neeson, gerne als Haudrauf auf der Leinwand unterwegs („96 Hours“), gibt eine konzentrierte Vorstellung als ein Unbestechlicher, der alles für seine Überzeugung riskiert. Jeden Tag wieder spielt er ein doppeltes Spiel, wenn er vorgeblich nach dem kenntnisreichen Maulwurf in den eigenen Reihen fahndet. Felts Selbstbeherrschung ist seine stärkste Waffe, aber immer wieder erhascht man in diesem Film auch einen Blick auf die darunter brodelnde Wut.

Schnörkellos breitet Landesman die Geschehnisse aus

Im Vergleich mit der Präsidentenserie „House of Cards“ muss man „The Secret Man“ wohl als gediegen, ja, vielleicht sogar als behäbig bezeichnen. Aber damit würde man Regisseur Landesman Unrecht tun, der als Journalist des „New York Times Magazine“ seine Karriere begann. Sein Regiedebüt gab er mit dem Drama „Parkland“ über die Ermordung von John F. Kennedy. Schnörkellos, beinahe journalistisch breitet Landesman die Geschehnisse rund um das Weiße Haus aus. Er gestattet sich lediglich eine eher überflüssige Abschweifung zu der linksradikalen Untergrundorganisation „Weathermen“, in die Felts Tochter abdriftet.

Der Zuschauer ist beständig versucht, „The Secret Man“ als historische Folie für heutige Geschehnisse zu verstehen – und zu hoffen, dass aufrechte Staatsdiener(innen) wie Mark Felt im Fall der Fälle rechtzeitig zur Stelle sind.

Von Stefan Stosch / RND

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