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Kultur „Magical Mystery“ – Techno feiert Auferstehung
Nachrichten Kultur „Magical Mystery“ – Techno feiert Auferstehung
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00:00 30.08.2017
Bewegt sich wenig, ist deswegen aber noch lange nicht tot: Charlie (Charly Hübner) lässt sich als Fahrer engagieren. Quelle: Foto: Verleih
Hannover

Manchmal bewegt sich einer nicht, aber deshalb ist er noch lange nicht tot“, sagt Hobby-Zoologe Charlie. Da hat sein Alligator aus der Starre heraus gerade ganz plötzlich nach einem Fisch geschnappt. Aber eigentlich spricht Charlie hier über sich selbst. Charlie (Charly Hübner) hat sich seit fünf Jahren nicht mehr aus seiner klar umgrenzten Welt der therapeutisch betreuten Drogen-WG rausbewegt. Ab und zu riskiert er einen heimlichen Ausflug in die Eisdiele zwei Straßen weiter, und selbst dafür muss er sich beim Plenum rechtfertigen.

Der große Absturz am Tag der Maueröffnung

Die Regeln sind streng. Und die Angstzustände, die mit Psychopharmaka gerade so unter Kontrolle gebracht wurden, sind eine stete Bedrohung. Man kann sich kaum vorstellen, dass der schwere, große Langsamsprecher in der aufkommenden Berliner Techno-Szene einmal ein Partytiger und vielversprechender Künstler war. Mit den Drogen kam ausgerechnet am Tag der Maueröffnung der Absturz. Seitdem lebt Charlie ein Leben in der Warteschleife. Aber dann taucht Raimund (Marc Hosemann) aus dem Nichts in der Eisdiele auf. Der Kumpel aus der Techno-Szene betreibt zusammen mit Freund Ferdi (Detlev Buck) einen Club und ein Plattenlabel, mit dem sie stinkreich geworden sind. Aber all der Erfolg, das viele Geld und das „Washington-Post-mäßige“ Firmenbüro langweilen die Techno-Pioniere. Sie wollen zurück zu den Wurzeln und mit einem Kleinbus voller befreundeter DJs auf „Magical Mystery“-Tour gehen. Ihnen fehlt nur noch ein Fahrer, der keine Drogen zu sich nimmt. Und so fährt Charlie statt zur Kur in die Lüneburger Heide zu den Freunden nach Berlin.

Wiederholung als dramaturgisches Problem

Kreuz und quer kurvt die Techno-Combo durch Deutschland – von der Behinderten-Disco in Schrankenhusen-Borstel bis zum Messehallen-Rave in Essen. Pünktlich um 8 Uhr morgens zieht Charlie den Stecker, schleppt die zugedröhnte DJ-Gang aus den Clubs, bringt sie ins Tourhotel und chauffiert sie nach ein paar Stunden Schlaf zum nächsten Gig.

„Ihr seid doch so Techno-Typen. Ihr steht doch drauf, wenn sich alles wiederholt. Macht ihr einfach noch einmal Hafenrundfahrt und Fischessen“, rät eine Hamburgerin den vergnügungssüchtigen Musikern. Damit wird selbstironisch nicht nur das musikalische Sujet charakterisiert, sondern auch das dramaturgische Problem des Films benannt. In „Magical Mystery“ setzt Regisseur Arne Feldhusen („Stromberg“, „Der Tatort-Reiniger“), der hier Roman und Drehbuch von Sven Regner („Herr Lehmann“) verfilmt, auf Redundanz als Erzählprinzip. Das ist anfangs noch komisch, wenn die DJ-Bande gleich dreimal hintereinander denselben Weg zum selben China-Nudel-Laden zurücklegt, führt aber im Verlauf der Tour von Stadt zu Stadt zunehmend zu Langatmigkeit. Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass es automatisch Spaß machen muss, anderen beim Spaßhaben zuzuschauen. Das gilt in besonderem Maße, wenn Drogen zu Hilfe genommen werden.

Hübner ist großartig als Psychiatriepatient

Ein sehenswerter Film ist „Magical Mystery“ einzig und allein wegen Charly Hübner. Er ist großartig in der Rolle des Psychiatriepatienten, der sich langsam ins Leben zurücktastet. Mit fein reduzierter Mimik spielt er die medikamentös abgedämpften Emotionen seiner Figur und hält eine Begräbnisrede für ein Meerschweinchen, die einem beinahe das Herz rausreißt. Gern hätte man mehr Zeit mit diesem Charlie verbracht und die zugedröhnten Freunde ins Bett geschickt.

Von Martin Schwickert / RND

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