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Kultur Swank gibt die skurrile Siedlerin
Nachrichten Kultur Swank gibt die skurrile Siedlerin
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00:17 20.12.2014
Hilary Swank gibt im Western „The Homesman“ die skurrile Siedlerin. Quelle: Universum Film

Frau Swank, was hat Sie daran gereizt, eine skurrile Siedlerin in einem Western zu spielen?
Ich war begeistert von dieser Mary Bee Cuddy – von ihrer Selbstlosigkeit, ihrer Stärke, unter der Verletzlichkeit hervorlugt. Wer würde so etwas tun: kranke Frauen durch den Wilden Westen zurück an die Ostküste bringen? Diese Mary Bee Cuddy ist auch ein recht herrischer Typ ... Wissen Sie, was ich interessant finde: Cuddys Reisebegleiter George Briggs, gespielt von Tommy Lee Jones, verhält sich nicht so viel anders als sie. Bei ihm sprechen alle von Stärke, sie gilt als herrisch. So ist das also: Ein Mann gilt als Anführer, eine Frau als Zicke.

Was haben Sie über Frauen an der Frontier gelernt?
Dass sie ebenso mit Benachteiligungen zu kämpfen hatten, wie wir Frauen sie bis heute haben. Frauen werden schnell zum Objekt gemacht, immer noch. Bei den Dreharbeiten habe ich aber noch etwas gelernt: Die Natur kann dich verrückt machen. Wind, Hitze, Hagel, Schnee – alles brach noch vor dem Mittagessen über uns herein. Das hatte nichts mit Westernromantik zu tun.

Welche Benachteiligungen als Schauspielerin haben Sie denn zu erleiden?
Zum Beispiel: In neun von zehn Fällen wird bei Liebesgeschichten erst die Männerrolle besetzt – und dann nach der Frau gesucht, die zu dem Mann passen könnte. Die Frau kriegt an Gage das, was der Mann übrig gelassen hat.

Was machen Sie in so einem Fall?
(Lacht) Ich sage: Warten Sie, ich kann doch beide Rollen spielen, schließlich habe ich in „Boys Don’t Cry“ schon mal einen Mann gespielt.

War die Bezahlung damals auch so schlecht?
Aber ja, trotzdem wollte ich die Rolle unbedingt, das Geld war mir egal. Ich konnte von der Gage nicht einmal meine Krankenversicherung zahlen.

Okay, aber mit „The Homesman“ verdienen Sie Geld?
Wir haben für winzige Gagen gearbeitet. Könnte sein, dass meine Assistentin mehr Geld bekommt als ich.

Und wie bezahlen Sie dann Ihre Rechnungen? Bei Blockbustern stehen Sie ja eher selten auf der Besetzungsliste.
Ein paar Filme gibt es schon, bei denen es mir zuerst ums Geld ging. Ich bin sicher, Sie können sie aus meiner Filmografie herauspicken. Und ich bin der sparsame Typ: Ich spare schon mal vorab, wenn ich weiß, dass der nächste Film kein Geld bringen wird.

Würden Sie zustimmen, dass „The Homesman“ ein feministischer Western ist, auch wenn Ihr Regisseur diesen Ausdruck nicht so gern mag?
Ich würde da kein Label draufkleben. Vielleicht ist es ganz einfach ein historisches Drama – oder auch ein Eastern. Nennen Sie den Film, wie Sie wollen.

Ihr Regisseur gilt als schweigsam. Wie viel redet er am Set?
Wenn er der Ansicht ist, dass etwas gesagt werden muss, dann sagt er es. Und dann lohnt es sich zuzuhören.

Sie haben auch mit Clint Eastwood gearbeitet in „Million Dollar Baby“. Sind sich die beiden ähnlich, oder unterscheiden sie sich eher?
Sie reden beide wenig, und sie sagen beide, worauf es ankommt.

Für „Million Dollar Baby“ haben Sie Ihren zweiten Oscar gewonnen – nach „Boys Don’t Cry“. Was haben diese Auszeichnungen in Ihrer Karriere bewirkt?
Mit so einem Preis sind vor allem Vorteile verbunden – die Angebote werden vielfältiger. Was aber nichts am Prinzipiellen ändert: Nur eines von 50 angebotenen DrehbTommy Lüchern ist gut, nur eines von 100 ist großartig. Und man muss auch mit dem Druck klarkommen. Man muss sich immer wieder seiner selbst vergewissern und fragen: Warum bin ich Schauspielerin geworden? Doch nicht um Preise zu gewinnen, sondern um gute Geschichten zu erzählen.

Waren Sie mal in Gefahr, den Boden unter den Füßen zu verlieren?
Ich bin ganz einfach dankbar: Ich war Mitte zwanzig, als ich den ersten Oscar gewann. Und ich habe seitdem so viele Möglichkeiten geboten bekommen. Ich wache morgens auf und weiß: Ich liebe meinen Job. Ich muss mich manchmal kneifen, um zu glauben, dass das alles wahr ist – zum Beispiel als ich in Cannes aus dem Auto stieg, um „The Homesman“ zu präsentieren. Manchmal verlasse ich diese Celebrity-Welt aber auch, in der dich alle immer nur loben.

Wie das?
Kürzlich war ich fünf Wochen lang in Indien und habe karitativ gearbeitet. Aber auch im Alltag ist es wichtig, nicht den Kontakt zur Welt verlieren. Manche Leute wundern sich, dass ich mit der U-Bahn fahre. Aber wie soll ich Geschichten über unsere Gegenwart erzählen, wenn ich nicht weiß, wie sich diese anfühlt?

„The Homesman“

Dank Tommy Lee Jones kennt der Western eine neue Himmelsrichtung: den Osten. Ein Planwagen rumpelt in „The Homesman“ gen Sonnenaufgang. Auf dem Bock hocken eine entschlossene Farmerin und ein eigenbrötlerischer Cowboy, hinten im Gefährt mit den Gitterstäben sitzen drei an der Härte des Frontierlebens zerbrochene Frauen. Die drei sollen zurück in die Zivilisation.
Eine sonderbare Fahrt ist das, so wie der Regisseur und Hauptdarsteller Jones überhaupt eine merkwürdige Geschichte erzählt. Sonst handeln Western von der Eroberung neuen Terrains. Klar, man kann scheitern, aber dann findet man nichts Besseres als den Tod. In „The Homesman“ gibt es ein Zurück – was nicht heißt, dass die Rückkehrer glücklicher dran sind. Es gibt in diesem Film kein Glücksversprechen, eher herrscht Resignation – ein unüblicher Gemütszustand im amerikanischen Kino.
Jones spielt den Deserteur George Briggs, der sich genötigt sieht, der wackeren Siedlerin Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) zu helfen. Sie will die drei wahnsinnig gewordenen Frauen retten. Dabei sehnt auch sie sich nach Geborgenheit – und hat sie beinahe ebenso nötig wie die Frauen in der Kutsche.
Kindstod, Krankheit, Vergewaltigung: In Miniaturen spielt Regisseur Jones die Grausamkeiten durch, die das Leben in der Prärie für Frauen bereithält. Der Westen hat seine Verheißung verloren.
Schnee, Wind, Hitze und einen Horizont, der gerade so Himmel und Erde teilt: Viel mehr sehen wir von der Landschaft nicht, die John Ford so erhaben gefilmt hat. Es gibt wenig, woran man sich festhalten kann. Ab und an tauchen ein paar schlecht gelaunte Indianer auf.
Eine einfache Geschichte ist das, so wie sie Jones mag. Der knorrige Texaner fügt dem Genre gerne neue Facetten hinzu. Das war schon so in seinem an der mexikanisch-texanischen Grenze und in der Gegenwart angesiedelten Debüt „Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“ (2005).
Irgendwas aber hat den Regisseur getrieben, dem Hauptdarsteller slapstickartige Einlagen zu gönnen. So wird diese lakonische Story entschärft. Der Film verliert an Wucht. Doch wenn der „Nachhausebringer“ Briggs auf einer Missouri-Fähre in der Dunkelheit traurig tanzt und singt, könnte man glatt heulen, so schön traurig ist diese Szene.
The Homesman, Regie: Tommy Lee Jones, 122 Minuten, FSK 16
Kino am Raschplatz

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