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Medien „Am laufenden Band“ feiert Comeback
Nachrichten Medien „Am laufenden Band“ feiert Comeback
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07:06 19.12.2014
Der niederländische Entertainer Rudi Carrell hat mit Begeisterung das deutsche Fernsehen geprägt. Quelle: Hermann Wöstmann/dpa

Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt konnte er kaum noch sprechen, aber Witze machen konnte er, bis zuletzt. Da stand Rudi Carrell, damals 71 Jahre alt, im Februar 2006 noch einmal auf der großen Bühne im ZDF, ausgezehrt und vom Lungenkrebs gezeichnet, und sprach mit hoher, dünner Stimme. „Mit dieser Stimme kann man in Deutschland immer noch Superstar werden“, sagte er und lächelte. Im Publikum: Tränen, Rührung, Lachen, Dankbarkeit. Dann bedankte sich Carrell für die Goldene Kamera für sein Lebenswerk. „Heute diese Kamera zu bekommen ist noch mal ein Höhepunkt. Es war eine Ehre für mich, in Deutschland Fernsehen machen zu dürfen.“ Jeder im Saal wusste, dass mit diesen paar Minuten eine unvergleichliche Karriere zu Ende ging. „Ich weiß nicht, ob das mein letzter Auftritt im Fernsehen ist“, sagte Carrell selbst. Es sollte sein letzter bleiben. Am 7. Juli 2006 ist er gestorben.

 „Das wäre Ihr Preis gewesen“, „Lass dich überraschen“, „Und hier ist Ihr Herzblatt“ – Sätze wie diese, mit seinem typischen holländischen Akzent gesprochen, haben Carrell zur unvergessenen Größe der deutschen Fernsehgeschichte gemacht. Heute wäre der Entertainer 80 Jahre alt geworden.  „Keiner ist so publikumsnah wie ich“, behauptete der Niederländer gern. Und niemand konnte ernsthaft widersprechen. Jahrzehntelang konnte er dies mit hohen Einschaltquoten belegen – egal, ob bei Spielshows wie „Am laufenden Band“ oder „Die verflixte  7“, bei Satire- und Comedy-Sendungen wie „Rudis Tagesshow“ und „7 Tage,­ 7  Köpfe“, bei einem Flirtformat wie „Herzblatt“ oder in der Überraschungs- und Talentsendung „Rudi Carrell Show“.

Carrell nahm Laien ihr Lampenfieber, auch wenn er selber welches hatte. Nur selten bekam der in Alkmaar geborene Carrell mit seinem meist familientauglichen Humor Probleme. 1987 löste er etwa Irritationen im deutsch-iranischen Verhältnis aus. In „Rudis Tagesshow“ hatte er in einer Filmmontage Anhänger des Ajatollah Khomeini ihrem religiösen Führer Damenunterwäsche zuwerfen lassen. Carrell entschuldigte sich. Ebenso ruderte er öffentlich zurück, nachdem er 2002 einen geschmacklosen Schwulengag in der von Günther Jauch moderierten RTL-„Grips-Show“ gemacht hatte. Klaus Wowereit dürfe in keine Moschee, weil Muslime Angst vor ihm hätten („Der kommt da rein in die Moschee, und da liegen 1000 Männer auf den Knien.“).

Klassiker-Comeback

„Am laufenden Band“ im NDR: Rudi Carrells erfolgreichste Samstagabendshow erlebt im NDR Fernsehen ein einmaliges Comeback. Jörg Pilawa (Bild) moderiert am Montag um 20.15 Uhr eine Sonderausgabe der Spielshow – exakt 40 Jahre nach der Erstausstrahlung. Asssistiert wird Pilawa vom Kölner „Tatort“-Kommissar Dietmar Bär. Wie damals treten in der Show vier Teams an. Dabei sind Schauspieler Ben Becker mit seiner Tochter Lilith (14), Comedian Oliver Pocher mit seinem Vater Gerhard (69),  Désirée Nosbusch und ihre Tochter Luka Kloser (17) sowie Bettina Tietjen und ihre Tochter Pia (17). Ehrengast der Sendung ist die Tochter von Rudi Carrell, Annemieke Kesselar-Klar.
„Themennacht Rudi Carrell“: In der Nacht von Montag auf Dienstag erinnert das NDR Fernsehen dann ab 0.45 Uhr an Carrell – unter anderem mit einer historischen Originalausgabe von „Am laufenden Band“.

Nach einer Karriere in seiner Heimat war Carrell Mitte der sechziger Jahre zum deutschen Fernsehen gekommen. Am erfolgreichsten war seine mit Radio Bremen produzierte ARD-Live-Samstagabendshow „Am laufenden Band“. In den neunziger Jahren dann wuchs die Unzufriedenheit mit den öffentlich-rechtlichen Strukturen. Er ließ sich von RTL-Mitgründer Helmut Thoma abwerben und startete seine Privatfernsehkarriere – anfangs mit einer Reihe von Flops  („Die Post geht ab!“, „Rudis Urlaubsshow“, „Rudis Hundeshow“), dann mit seinem größten RTL-Erfolg: „7 Tage, 7 Köpfe“.  Carrell war auch als Sänger populär („Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“) und spielte in Filmkomödien mit, etwa in Klamotten wie „Wenn die tollen Tanten kommen“, „Tante Trude aus Buxtehude“ oder „Die tollen Tanten schlagen zu“. Von 1975 an lebte Carrell im kleinen Ort Wachendorf bei Syke in der Nähe von Bremen. Dorthin zog sich der passionierte Hobbygolfer auch 2005 zurück, nach dem Bekanntwerden seiner Lungenkrebserkrankung. Verheiratet war der dreifache Vater dreimal, zuletzt seit 2001 mit Simone.

Wenige Monate vor seinem Tod hatte er in einem Interview mit dem „Süddeutsche Zeitung Magazin“ angekündigt, keine öffentliche Beerdigung zu wollen: „Aus Angst vor den Jacob Sisters. Mit ihren komischen Pudeln zerstören sie doch jede Atmosphäre. Die sind auch bei Moshammer aufgetaucht.“ Mit dem Tod hatte er sich zu dem Zeitpunkt bereits abgefunden. „Ich muss dankbar sein. Ich habe so ein tolles Leben gehabt. Ende.“

Von Gregor Tholl und Imre Grimm

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