Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Medien So gut ist der neue Tatort aus Berlin
Nachrichten Medien So gut ist der neue Tatort aus Berlin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:38 16.09.2018
Heikles Verhör: Reno Gröning (Kai Scheve, links), der Mann der getöteten Carolina, erzählt Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke) von einer weiteren Familientragödie. Das Baby der Grönings starb kurz nach der Geburt. Quelle: Conny Klein/rbb
Berlin

Die Bildersprache dieses Berlin-„Tatorts“ (Sonntag, 16. September, 20.15 Uhr, ARD) ist faszinierend. Gleich zu Anfang schwelgt der Film in einer Art Sinfonie der Großstadt mit nervös-unruhigen Bildern, die unterlegt sind mit der wunderbaren elektronischen Musik des bekannten Filmkomponisten Nils Frahm.

Roboter und Wildschweine – Roland Suso Richters besondere Bilder

Man sieht dabei das frühmorgendlich dunkle Berlin: Straßenszenen im Zeitraffer, eine Joggerin, ein Liebespaar beim Sex, einen Bäcker bei der Arbeit und als Ruhepol einen alten Mann am Fenster, der all das zu beobachten scheint. Und dann trottet auch noch eine Schar Wildschweine über die Straße, während auf einem Platz in einem kleinen gläsernen Kiosk ein Roboter eines vollautomatisierten Coffeeshops mit freundlich-mechanischer Stimme die Bestellungen von Nachtschwärmern aufnimmt.

Jäh unterbrochen wird dieses irritierend-flirrende, gleichwohl schöne Stimmungsbild durch die obligatorische Auftaktleiche, auf die kein „Tatort“ verzichten kann. Sie liegt eingeklemmt in dem besagten Coffee-Shop. Opfer ist der Besitzer des Ladens, der durch den Stich einer Barista-Nadel in seinen Nacken getötet worden ist. Was angesichts der Enge in diesem Kiosk eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Es sei denn, der Kaffeeroboter hat ihn mit seiner Greifhand getötet – zufällig oder gar absichtlich. Kurzum: ein komplizierter Fall für die Berliner Kommissare Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke), die mittlerweile zu den interessantesten Duos dieser Krimi-Reihe zählen.

Für Privates haben die beiden Ermittler wenig Zeit

Waren die beiden bei ihren ersten Fällen etwas bemüht überkandidelte Figuren, haben sie sich inzwischen dank besserer Drehbücher zu spannenden Charakteren entwickelt. Beide, so unterschiedlich sie auch sind, leiden sichtbar unter ihrer Einsamkeit. Rubin kompensiert sie mit ihrem erstaunlichen Redefluss, während Karow nichts mehr hasst als über seine Befindlichkeit zu sprechen, um dann immer wieder seine durchgehend schlechte Laune an anderen auszulassen.

In dem aktuellen Fall zeigt er jedoch in einem Gespräch mit einer Verdächtigen echte Emotionen, und er ist sogar für den Humor in dieser Folge zuständig: in den kurzen Dialogen mit seiner etwas wirren Sprachassistentin.

Doch für Privates haben die zwei Ermittler in „Tiere der Großstadt“ sowie nicht viel Zeit. Es gibt nämlich noch einen Toten. Eine Joggerin, die im Wald aufgefunden wird. In ihrer tödlichen Wunde, ob der sie verblutet ist, findet die Gerichtsmedizinerin Haare eines Wildschweins. Ein genauso rätselhafter Fall wie der des Coffeeshop-Besitzers – der Verdacht liegt nahe, dass beide Opfer nicht ursächlich durch eine menschliche Hand getötet worden sind. Mehr soll jedoch an dieser Stelle nicht verraten werden.

Die Mordfälle sind diesmal eher Nebensache

Zudem bleiben in dem Krimi die beiden vermeintlichen Mordfälle eher nebensächlich. Viel mehr interessieren sich Regisseur Roland Suso Richter und seine Drehbuchautorin, die mehrfach ausgezeichnete Beate Langmaack, für die Charaktere, auf die die Kommissare bei ihren Ermittlungen stoßen.

Beispielsweise den alten Mann am Fenster, der von dem 89-jährigen Horst Westphal gespielt wird. In seiner Wohnung scheint die Zeit – obwohl er im Zentrum lebt – stehengeblieben zu sein. Und dann ist da noch der Auftritt von Valery Tscheplanowa, der Schauspielerin des Jahres 2017, die zum ersten Mal in einem „Tatort“ zu sehen ist. Sie spielt die geheimnisvolle Katzen-verrückte Witwe des Coffeeshop-Besitzers und lebt in einer Wohnung, deren Fußboden mit Katzenstreu bedeckt ist.

Die Szenen mit den beiden haben eine unglaubliche Intensität und machen beim Zuschauen richtig Spaß. Und es gibt überdies noch kleine unterhaltsame Randepisoden, beispielsweise als der jungen Assistentin (Carolyn Genzkow) im Kommissariat plötzlich richtig der Kragen platzt, weil sie ständig schikanös von Karow und Rubin zu unmöglichen Einsetzen verdonnert wird.

Sehenswertes Krimidrama mit poetischen Bildern

Dazu kommen pointierte Dialoge und Seitenhiebe auf zeitgeistige Phänomene. Und der in Bildern gesetzte Widerspruch zwischen unserer zunehmend automatisierten Welt und den archaisch anmutenden Wildtieren, die mitten in unsere Städte drängen. Kurzum: ein sehenswertes Krimidrama, das auf vordergründige Action verzichtet und stattdessen mit poetischen Bildern unterhält.

Von Ernst Corinth/RND

Klaas Heufer-Umlauf blockt Spinner bei Twitter rigoros - und hält den Aufstieg des Rechtspopulismus für brandgefährlich. Zum Start der neuen Staffel seiner Pro7-Show "Late Night Berlin" spricht er exklusiv über die Zukunft seiner Sendung, Helene Fischer – und den Kampf gegen den Irrsinn.

16.09.2018

Bei Kritik allein beließ es der Zuschauer nicht – und schickte ZDF-Moderator Christian Sievers gleich ein ganzes Paket mit Krawatten. Die Binder des TV-Manns sagen dem pensionierten Lehrer nämlich nicht immer zu.

16.09.2018

Der DC-Verlag will angeblich einen neuen Superman, Batman soll mal wieder einen neuen Darsteller gefunden haben. Wer kann da noch den Überblick behalten? Ein kleiner Guide durch den Superhelden-Dschungel.

14.09.2018