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Medien Chefredakteure von ARD und ZDF bei der AfD in Dresden unterlegen
Nachrichten Medien Chefredakteure von ARD und ZDF bei der AfD in Dresden unterlegen
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08:49 26.10.2018
Peter Frey (l), ZDF-Chefredakteur, und Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, auf der AfD-Podiumsdiskussion zum Thema „Medien und Meinung“ Quelle: dpa
Dresden

Die Diskussion über „Medien und Meinung“ hatte noch gar nicht begonnen, da stand die AfD schon als Sieger fest. Der Kreisverband Dresden hatte die Chefredakteure von ARD-aktuell, Kai Gniffke, und ZDF, Peter Frey, zu einer Podiumsdebatte eingeladen und für eine Teilnahme („ohne Bedingungen“ gewinnen können). In einem Saal der Messe Dresden saßen sie dann vor großen AfD-Bannern mit dem Slogan „Mut zur Wahrheit“. 70 Journalisten waren angemeldet und mehrere Hundert AfD-Mitglieder und Sympathisanten. Gniffke und Frey saßen auf dem Podium mit dem AfD-Politiker und Journalist Nicolaus Fest und dem früheren „Focus“-Redakteur Michael Klonovsky, jetzt Redenschreiber von AfD-Chef Alexander Gauland. Moderiert wurde der Abend von Andreas Lombard, Chefredakteur des rechtskonservativen „Cato“-Magazins, und dem Medienunternehmer und CDU-Mitglied Klaus Kelle.

Dass sie zu einem Auswärtsspiel angereist sind, ist Gniffke und Frey natürlich bewusst. „Hier haben wir die kulturelle Hegemonie“, sagt der Dresdner AfD-Mann Maximilian Krah stolz über seine Stadt. Beide, der ARD-Mann ebenso wie der ZDF-Vertreter, sind im Verteidigungsmodus angereist. Können sie durchdringen, zumindest einen Auswärtspunkt mitnehmen? Frey versucht es mit einem Appell zu Beginn: „Sie sind auch Beitragszahler“, sagt er, „vielleicht mit der Faust in der Tasche, vielleicht mit Kritik“. Diese Kritik wolle er sich gerne anhören, unter einer Bedingung allerdings: Dass man sich auf den Grundsatz einigen könne, „dass eine freie und kritische Presse notwendig ist“. Da gibt es Applaus, allerdings nur sehr vereinzelt „Es ist ein journalistischer Grundsatz, dass man beide Seiten hört“, sagt Gniffke und der gesamte Saal lacht. Es klingt höhnisch.

Presse wird als „Gästeblock“ bezeichnet

Still sind nur die Pressevertreter, die vorab von Krah als „Gästeblock“ bezeichnet wurden. Als Gniffke kurz danach aber sagt: „Wir dürfen weder positiv noch negativ berichten“, schallt hingegen „richtig!“ aus den Kehlen der Heimfans. Beklatscht wird Gniffke auch bei der Ankündigung, die AfD habe genau so ein Anrecht auf ausgewogene Berichterstattung „wie jede andere Partei“. Und Frey rechnet vor, dass die AfD mehr O-Töne in den Nachrichten hatte als die FDP.

Doch was sie auch versuchen, weder Frey noch Gniffke schaffen es über die gedachte Mittellinie der Diskussion. Schließlich sind sie nicht nur beim Auswärtsspiel, sondern auch noch in Unterzahl. Immer wieder mischen Lombard oder Kelle, Fest oder Klonovsky Unterstellungen und persönliche Angriffe gegen einzelne ARD- oder ZDF-Moderatoren in ihre Fragen. Sie attackieren den ARD-„Faktenfinder“-Redakteur Patrick Gensing und „heute-show“-Moderator Oliver Welke, „Monitor“-Moderator Georg Restle. Sie unterstellen fehlerhaft, dass keine „Tatort“-Ermittlerfigur in einer „normalen“ Beziehung lebe. Immer wieder werden Frey und noch mehr Gniffke, um im Fußball-Bild zu bleiben, im eigenen Strafraum eingeschnürt und müssen die Bälle wegschlagen.

„Bedrückende Stimmung“ Im Saal

Klonovsky erntet großen Applaus für einen flammenden Appell für die Trennung von Bericht und Kommentar. „Sie müssen auch den Teil der Gesellschaft abbilden, der hier ist!“ Gniffke versucht dort und immer wieder, Einverständnis herzustellen. „Wer das bei uns nicht beherrscht, der fliegt raus.“ Er räumt ein, dass die Berichterstattung etwa über Pegida nicht immer neutral und fair war und fordert fast flehentlich, Journalisten auf Demonstrationen nicht zu attackieren.

Peter Frey hingegen hatte genug von zu viel Annäherung: Er nennt die Stimmung im Saal „bedrückend“ und lässt sich zu dem Satz hinreißen: „Sie haben die freie Hand, abzuschalten.“ „Aber wir zahlen!“ schallt es erwartungsgemäß sofort aus dem Saal. Als Lombard darauf drängt, dass die Chefredakteure definieren, was rechts und rechtsextrem ist, gibt Frey den Ball zurück. Das sei nicht seine Aufgabe, sondern die Aufgabe der AfD. Er verweist auf Chemnitz: „Sie müssen entscheiden, mit wem sie marschieren und mit wem nicht.“ Zum Abschluss sagt Frey: „Ich gehe mit dem Gefühl weg, dass wir Grund haben, nachzudenken.“ Es war zumindest ein würdiger Abgang, mit dem er auch gegenüber dem zeitweise hilflosen Gniffke punkten konnte.

Von Jan Sternberg/RND

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