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Nachrichten Medien Das tödliche Geschäft mit gefälschten Medikamenten
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17:55 16.05.2017
Die Spuren der Pharmalobby führen bis zu einer Hochzeit in Mumbai. Quelle: BR
Berlin

Die Mörder leben mitten unter uns. Sie arbeiten als Pharmahändler, Bankiers und Lobbyisten, die von dem Geschäft mit gefälschten Medikamenten profitieren und damit wissentlich den Tod vieler Menschen in Kauf nehmen. Jährlich sterben nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO an wirkungslosen oder gar giftigen Arzneimitteln etwa eine Million Menschen vor allem in Entwicklungsländern, aber selbst bei uns soll etwa ein Prozent der erhältlichen Medikamente gefälscht sein. Und jährlich sollen nach Angaben der WHO bei diesem schmutzigen Geschäft 430 Milliarden US-Dollar umgesetzt werden – mit steigender Tendenz. Trotz dieser skandalösen Zahlen wird über all das kaum berichtet, die Lobbyisten verstehen halt ihr Geschäft. Daher ist es mehr als lobenswert, dass sich die ARD nun in einem Themenabend diesem Skandal annimmt mit einem zwar fiktiven, allerdings auf Recherchen basierenden Film und mit einer anschließenden Dokumentation.

Verantwortlich für beides ist als Regisseur, Autor und Produzent der preisgekrönte Investigativ-Journalist und Filmemacher Daniel Harrich, der sich zuletzt vor zwei Jahren ebenfalls in der ARD mit dem Themenabend „Tödliche Exporte“ mit dem illegalen Waffenhandel beschäftigt hat. Eine Arbeit, für die er und sein Team mit dem Grimme-Preis 2016 ausgezeichnet worden sind. Harrichs Film „Gift“, der den Abend eröffnet, beginnt erst einmal wie ein ganz normaler Thriller mit den actionreichen Bildern einer Razzia im deutsch-tschechischen Grenzgebiet. Dabei findet die Interpol-Ermittlerin Juliette Pribeau (Julia Koschitz) eine große Anzahl von gefälschten Krebsmitteln. Eine Spur führt zu dem Münchner Pharmahändler „KompaPharm“.

Kurze Zeit nach dieser internationalen Polizeiaktion sitzt die Ermittlerin bereits dem Eigentümer dieser Firma, Günther Kompalla (Heiner Lauterbach), gegenüber. Dieser ist zwar unterkühlt charmant, gibt sich aber völlig ahnungslos bei dem Thema „gefälschte Medikamente“.

Die Ermittlungen gegen ihn würden wohl im Sande verlaufen, wenn nicht ein großer Zufall – und davon gibt es im Film leider einige zu viel – der Polizistin Pribeau zu Hilfe kommen würde. Nach einem Verkehrsunfall erfährt Kompalla, dass er im Endstadium am Krebs leidet. Angesichts seines nahen Todes beschließt er nun reinen Tisch zu machen und dabei sich auch mit seiner einzigen Tochter (Luise Heyer) zu versöhnen.

Günther Kompalla (Heiner Lauterbach) und Interpol-Agentin Juliette Pribeau (Julia Koschitz) in den Fertigungshallen der indischen Firma „Bishen. Quelle: BR

Wie der Zufall es erneut will, arbeitet die junge Frau als Ärztin für eine Hilfsorganisation in einem Slum in Indien. Dort ist sie täglich mit gefälschten Medikamenten konfrontiert und vor allem mit ihren tödlichen Folgen, wie der Film recht drastisch und emotional an einem Beispiel zeigt. Als nun ihr Vater aufbricht, um seine Tochter noch einmal zu besuchen, spitzen sich die Ereignisse schnell dramatisch zu. Was Anderes war auch nicht zu erwarten. Und ähnlich vorhersehbar geht die Geschichte bis zu ihrem bitteren Ende dann auch weiter. Schade.

Unter dieser Schwäche leidet der ganze Film, der mit Charakteren von der Stange und dabei viel zu offensichtlich mit einem simplen Gut-Böse-Schema arbeitet. Selbst der Vater-Tochter-Konflikt kommt arg ausgelutscht daher. Was beinahe schon ärgerlich ist angesichts exzellenter Darsteller wie Ulrich Matthes, Martin Brambach oder Maria Furtwängler. Sie wirken meist durch ihre einfach gestrickten Rollen unterfordert und agieren entsprechend zurückhaltend. Spannender sind da schon die ausdrucksstarken Bilder, für die Gernot Roll verantwortlich ist. Er hat den Kontrast zwischen der verlogenen Welt der Reichen und ihren edlen Apartments und modernen Büros zu der tristen armen Welt der Slums gut mit der Kamera eingefangen.

Doch bei all den Schwächen: Eines macht dieser Film dennoch überdeutlich: Er zeigt nachdrücklich die erschreckenden Kungeleien und Verstrickungen, die in diesem milliardenschweren Geschäft mit gefälschten Medikamenten bestehen – auf fiktive Weise, die in der anschließenden Dokumentation „Gefährliche Medikamente“ mit Fakten untermauert werden.

Von Ernst Corinth/RND

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