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Medien Die Frau, der „Bild“ gehört
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06:00 15.08.2017
„Ich habe mich nicht unterkriegen lassen“: Friede Springer, Mehrheitsaktionärin und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Axel Springer AG. Quelle: dpa
Hamburg

Nein, es ist nichts Sagenhaftes an dieser Frau, nichts märchenhaft Schillerndes – außer ihrer Geschichte. Die klingt, als habe ein gichtiges Mütterlein in einer Köhlerhütte im Spessart sie den Brüdern Grimm erzählt: In diesem Märchen verliebt sich der König in das Kindermädchen, das tritt nach seinem Tod sein Erbe an und schmiedet als neue Königin aus dem bröckelnden Reich des toten Monarchen ein stabiles Imperium, auf dessen Thron die einst schüchterne Gärtnerstochter zur mächtigsten Medienherrscherin des Landes wird. Klingt pompös. Aber Glamour? Nicht mit Friede Springer. Macht? Das ja. Aber ohne Statussymbole, ohne die üblichen Utensilien der Überheblichkeit.

Friede Springer, geboren als Elfriede „FriedeRiewerts in Oldsum auf der Nordseeinsel Föhr, ist Glamour zuwider. Zäh sei sie, sagen ihre Freunde, entscheidungsfreudig, beharrlich, pflichtbewusst – aber ohne jede Welle, ohne jedes Prinzessinenglitzern und Machtgehabe. Dem protzigen Luxus ihres Mannes schwor sie ab, verkaufte die Villen, Privatflugzeuge, die Jacht, das Schloss des großen Menschenfängers. Wahrscheinlich war das die einzige Möglichkeit, sich in einem testosterongesättigten Männerbund wie dem Springer-Verlag Respekt zu verschaffen: Man muss anders sein. Ganz anders als die gut frisierten Schaumschläger. Ein friesischer Dickschädel, der im Elternhaus nur Fering sprach, das Platt der Insel Föhr. Widerstandsfähig wie Strandhafer. Leise, aber wirkungsvoll. Inmitten des Lauten fällt das Leise wieder auf.

75 Jahre alt wird sie heute. Sie hat sich all der Wölfe erwehrt, die 1985 nach dem Tod des Königs um die Reste seines Reiches schlichen. Und noch immer fährt sie täglich ins Kreuzberger Verlagsgebäude und setzt sich im 19. Stock ins Verlegerzimmer ihres toten Gatten, in dem seit 30 Jahren nichts verändert wurde: Hunderte Bücher, das Ölgemälde „Schlachtensee“ von Walter Leistikow an der Wand, die Holzvertäfelung aus dem alten „Times“-Büros in London. „Ich bin hier nur zu Gast“, sagte sie mal. Seit 32 Jahren.

23 Jahre alt war die gelernte Kinderpflegerin, als sie 1965 eine Annonce in der „Welt am Sonntag“ las: Eine Hamburger Verlegerfamilie sucht ein Kindermädchen. In Axel Cäsar Springers vierter Ehe mit Helga kriselte es da schon heftig – auf den ersten Blick soll sich der 30 Jahre ältere Verleger in die blonde Insulanerin verguckt haben, die da auf der Treppe der Blankeneser Verlegervilla stand. „Hulda, ich bin vielleicht verschossen“, gestand er seiner Assistentin. 1966 trennen sich die Springers, elf Jahre sind Friede und Axel heimlich bis unheimlich ein Paar, bis er 1977 endlich fragt: „Friede, wollen wir heiraten? Ich kann dieses Fräulein Riewerts nicht mehr hören.“ Ihre Eltern dürfen nicht zur Hochzeit kommen. Auch Kinder verbietet er ihr. Dann müsste er sie ja teilen, das will er nicht („Dann musst du Herrn Müller oder Meier heiraten“). „Das fiel mir schwer“, sagte sie. „Ich hätte gern vier Söhne gehabt.“

1980 erschießt sich Axel Springer junior auf einer Parkbank. Der Senior zerbricht, verbarrikadiert sich, Friede wird Krankenpflegerin, Zuhörerin, Trösterin, Vorleserin. Als Springer 1985 an die Börse geht, drängt er sie in den Aufsichtsrat, will sie zur Alleinerbin machen, aber sie weigert sich, will keinen Streit mit der Familie. Als er 1985 stirbt, hält die Erbengemeinschaft nur 26,1 Prozent der Aktien, ein Viertel gehört Burda, 49 Prozent sind in Streubesitz. Hauptakteur: Leo Kirch, der spätere Großpleitier. Friede Springers Kampf beginnt. Sie ist 43 Jahre alt und lernt jetzt, was „vinkulierte Namensaktien“ sind. Als Springers Kinder und Enkel gegen die Miterbin aufbegehren, zahlt sie sie aus. Nur Kirch bleibt ihr im Nacken.

„Ach, liebe Frau Springer“, zirzt der Filmhändler mit dem Haifischgrinsen, „geben Sie mir doch ein paar Prozentchen ab, ich zahle Ihnen dafür ein Vermögen.“ Ihre Antwort ist legendär: „Ach, lieber Herr Kirch, was soll ich denn mit dem ganzen Geld, das Sie ja überhaupt nicht haben?“ 1996 hält sie, hoch verschuldet, wieder die Mehrheit am Lebenswerk ihres Mannes in den Händen, heute sind es 53 Prozent. 1998 installiert sie den unerfahrenen Mathias Döpfner als „Welt“-Chefredakteur, 2002 wird er Vorstandsvorsitzender. Friede Springer kauft das Haus neben Döpfners Potsdamer Villa, wird zur Patentante seines zweiten Sohnes, schenkt ihm vor ein paar Jahren „ein paar Prozent“ im Wert von 70 Millionen Euro. Eine Freundschaft entsteht, an der sich die professionellen Deuter die Zähne ausbeißen. Professionelle Partnerschaft? Seelenverwandtschaft? Die Branche spöttelt: Erinnert er sie tatsächlich an Axel Cäsar selbst? Geschenkt. Im Kern ist die Antwort schlicht: Er war der Richtige zur richtigen Zeit. Gemeinsam formten beide Springer zum Digitalhaus um. Der größte Wachstumsmotor sind inzwischen digitale Rubrikenmärkte. „Ich bin da so reingewachsen“, sagte sie dem Deutschlandfunk. „Ich habe mich nicht unterkriegen lassen.“

Vom Nutzen größerer Gefühlsausbrüche ist Friede Springer nicht überzeugt. Sie bildet damit den emotionalen Kontrapunkt zum offensiven Journalismus ihres Hauses: geerdet, stabilisierend, sparsam. Aber sie hat dann doch geweint, als der Verlag 2013 das „Hamburger Abendblatt“ und andere Herzensprojekte ihres Mannes verkaufte.

Anders als manche Politikerwitwe sei „das stille Fräulein Riewerts“ (Michael Jürgs) nicht besessen von der Sorge um das Vermächtnis des toten Gatten, sagen solche, die sie kennen. Sie habe es schlicht als ihre Pflicht gesehen, den Laden am Laufen zu halten. Springer ist ihr Lebensinhalt. Erst der Mann, dann das Erbe, dann der Konzern. Zank und Hader seien ihr zuwider. Schwestern im Geiste fand sie in wenigen echten Freundinnen, heißt es: Angela Merkel, TV-Frau Sabine Christiansen. Aber dass dieses hanseatische Triumvirat des weiblichen Pragmatismus heimlich Deutschland regiere, ist mächtig übertrieben. Es gibt keine Verschwörung. Man schätzt sich halt und macht seine Arbeit.

Man dürfe ihre Selbstbeherrschung nicht mit Gefühlskälte verwechseln, heißt es. Das Rätseln über das seltsame Interesse ihrer Landsleute an ihrer Person eint sie mit der Kanzlerin. Was wollen all diese Menschen bloß? Warum ist das denn seltsam, einen grünen Golf zu fahren und mit dem Damenfahrrad zu Lidl zu jökeln, nur weil man Millionärin ist? Sie liest die Zeitungen des Hauses stets „sehr gründlich“. Aber einmischen? Direkt kritisieren oder gar Weisungen erteilen? Nicht doch.

Von einem Machtkampf war zuletzt die Rede. Die Matriarchin wollte die Rechtsform des Hauses ändern, um ihren Einfluss bei Kapitalerhöhungen zu sichern, Investoren und Familienaktionäre seien dagegen gewesen. Streit? „Unsinn“, tadelte sie sanft. Den Plan ließ sie dennoch fallen. Wie lange bleibt sie noch am Ruder? Döpfners Vertrag wurde gerade um fünf Jahre verlängert. „Du wirst das schon machen, Friede“, hatte Axel Springer ihr einst versichert. Das hat sie getan.

Von RND/Imre Grimm

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