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Medien Fußball-WM: Das Runde im Eckigen
Nachrichten Medien Fußball-WM: Das Runde im Eckigen
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12:11 12.06.2018
Die WM in Russland – live aus Baden-Baden: Blick ins WM-Studio beim SWR im Schwarzwald.
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Hannover

So. Der ärgste Unsinn ist geschafft. Die Tiefpunkte des WM-Vorgeplänkels liegen hinter uns, darunter Luke Mockridges enthirnte Sat.1-Halbpromisause „Die WM und ich“. Schwamm drüber. Ab Donnerstag rollt der Ball. Es wird ernst. Bis zum 15. Juli haben dann die Nonnen, Zahnärzte, Zootierchen, Krankenschwestern, Hotel-Erbinnen, Kreuzfahrer und Mordermittler bei ARD und ZDF spielfrei. Es übernimmt: der Sport. Fragen und Antworten zum Medienereignis des Jahres.

Wer zeigt die WM-Spiele?

ARD, ZDF übertragen alle 64 Spiele. Parallelbegegnungen wandern zu Zwergschwestern wie One. Auch der Pay-TV-Sender Sky hat sich ein paar Brosamen geschnappt und zeigt 25 Partien, darunter die Halbfinals und das Finale in Moskau – aber nie mehr als ein Spiel pro Tag. Sämtliche Spiele kommentiert der unermüdliche Wolf Fuss. Das Eröffnungsspiel Russland gegen Saudi-Arabien am Freitag um 17 Uhr läuft in der ARD und bei Sky.

Wie haben sich ARD und ZDF bei der WM aufgeteilt?

In der Vorrunde zeigen beide je 24 Spiele. Das ZDF überträgt das erste deutsche Spiel gegen Mexiko am Sonntag um 17 Uhr – nicht mit Bela Réthy, sondern mit Oliver Schmidt als Kommentator. Die ARD überträgt die zweite deutsche Partie gegen Schweden am 23. Juni um 20 Uhr (Kommentator: Tom Bartels). Und beim dritten deutschen Vorrundenspiel am 27. Juni um 16 Uhr gegen Südkorea ist dann wieder das ZDF im Dienst, diesmal mit Bela Réthy). In der K.o.-Phase überträgt das Erste ein mögliches Achtel- und Halbfinale mit deutscher Beteiligung, das Zweite zeigt ein mögliches Viertelfinale sowie das Endspiel am 15. Juli um 17 Uhr.

Wer ist als WM-Experte im ZDF im Einsatz?

Im ZDF geht wie schon 2014 und 2016 nichts ohne Oliver Kahn. Böse Zungen behaupten, es habe sich bloß niemand beim Sender getraut, ihm unter Lebensgefahr die Kündigung zu überreichen. In Wahrheit sind Olli & Olli (Welke & Kahn) einfach noch immer das ballsicherste Team im deutschen Fußballfernsehen – so lange der gestrenge Titan nicht unterzuckert ist. Ebenfalls zurück im Zweiten: Taktiktafelfuchs Holger Stanislawski und der schweizerische Regelkundler und Gemächlichkeitsexperte Urs Meier („Du musst auch mal was pfeifen, was du nicht gesehen hast“). Als Nachrücker für Sebastian Kehl – der bei Borussia Dortmund einen Job als Leiter der Lizenzspielerabteilung antrat – kommt Weltmeister Christoph Kramer zum Einsatz, dessen Gehirnerschütterung im WM-Finale 2014 mit anschließender Gedächtnislücke („Schiri, ist das das Finale?“) bei allen außer ihm selbst unvergessen ist. Seine Qualifikation als Experte beschrieb er jüngst so: „Ich gucke halt unheimlich gern die WM.“ Süffige Anekdoten vom WM-Finale sind von Kramer nicht zu erwarten.

Und wen hat die ARD verpflichtet?

Im Ersten sucht man nach dem Abgang von Mehmet Scholl noch nach adäquatem Ersatz. Thomas Hitzlsperger, U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz und der frühere Stuttgart-Coach Hannes Wolf sind allesamt sehr nette Leute, aber ihr Kultpotenzial ist überschaubar. Dazu meldet sich direkt vom Tegernsee Philipp Lahm – in einem neuen Format, das konzeptionell schwer nach „Fensterrentner mit Sportinteresse sucht Anschluss“ klingt: „Weltmeister im Gespräch“. Alexander Bommes und Matthias Opdenhövel moderieren gemeinsam – ein explosives Gespann zweier Moderationsmachos, die ohne Zweifel mögen, was sie tun.

Wo steht das WM-Studio?

Es gab Zeiten, da hielten sich mehr ARD- und ZDF-Mitarbeiter an WM-Standorten auf als deutsche Fans. Das ist vorbei. Die öffentlich-rechtlicher WM-Zentrale befindet nicht in Moskau, sondern in einem Zweckbau im Schwarzwald. Im Kurort Baden-Baden, 2400 Kilometer vom WM-Gastgeberland entfernt, teilen sich ARD und ZDF ein 670 Quadratmeter großes WM-Studio samt Technik und Personal. Nur ein einziger ARD-Redakteur ist im International Broadcasting Center (IBC) in Moskau stationiert. Die Entscheidung für Baden-Baden demonstriert laut Südwestrundfunk „nicht nur räumliche Distanz, sondern symbolisiert auch den nötigen journalistischen Abstand“ zum umstrittenen Gastgeber. So kann man eine Sparmaßnahme auch publizistisch verbrämen. Moderatoren und Experten sitzen also in Baden-Württemberg – die Kommentatoren dagegen in den Stadien: Tom Bartels, Steffen Simon und Gerd Gottlob im Ersten; Oliver Schmidt, Béla Rethy (bei seiner siebten WM), Martin Schneider und Claudia Neumann (bei ihrer ersten WM) im ZDF. Auch Gerhard Delling (ARD) und Katrin Müller-Hohenstein (ZDF) sind in Russland vor Ort und begleiten das DFB-Team im Trainingscamp in Watutinki sowie bei den WM-Spielen. Vom Rasenrand melden sich zudem als Stadionmoderatoren Sven Voss, Katja Streso und Alexander Ruda für das ZDF sowie Julia Scharf und Ralf Scholt für die ARD.

Und wo bleibt das „Bunte“?

Ach je. Ohne völkerkundlichen Ansatz geht es nicht mehr bei sportlichen Großereignissen. Bei der WM in Russland wird Palina Rojinski, geboren 1985 in St. Petersburg, für die ARD „dieses komische Land“ erkunden, dass sie im Alter von sechs Jahren in Richtung Berlin verlassen hat. In einer Doku saß sie jüngst nass und skeptisch in der Badewanne von Leonid Breschnew und guckte sparsam. So ist das eben, wenn man bei einer Fußball-WM zuständig ist für die Abteilung „Regionales Flair, Dekoration und Charme“. Da badet man auch schon mal im alten Zuber eines kalten Kriegers. Dankenswerterweise gestrichen ist Reinhold Beckmanns idiotisches EM-Experiment „Beckmanns Sportschule“. Stattdessen wagen sich Micky Beisenherz und Jörg Thadeusz in der ARD an eine Art WM-Late-Night-Show live von der Hamburger Reeperbahn, deren Name „Kwartira“ allerdings schon jetzt eine gewisse Zwangslockerheit verströmt.

Darf man denn während der Arbeit Fußball gucken?

Ja. Wenn Sie Schiedsrichter sind. Oder Trainer. Oder Kameramann. Für alle anderen gilt: nein. Radiohören im Büro dürfen Chefs nicht grundsätzlich verbieten, Fernsehen dagegen schon. Aber: Die Kulanz der deutschen Vorgesetzten steigt. 38 Prozent der Chefs in Deutschland sind laut einer Studie der Universität Hohenheim damit einverstanden, wenn ihre Mitarbeiter während der Arbeitszeit die Spiele im Fernsehen gucken. Das sind vier Prozentpunkte mehr als vor der WM 2014. Also: besser vorher fragen.

Und gibt es sonst nichts im Fernsehen bis zum 15. Juli?

Nein. Wirklich nicht.

Von Imre Grimm / RND

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