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Irgendwie komisch, dieser neue Weimar-„Tatort“

Medien Irgendwie komisch, dieser neue Weimar-„Tatort“

Comedyautor Murmel Clausen macht den neuen Weimar-„Tatort“ (Sonntag, 11. Februar, 20.15 Uhr, ARD) zu einem verjuxten Etwas. Das passt zwar gut in die Karnevalszeit, lässt aber eine stringente Story ebenso vermissen wie Spannung. Beide sind aber unabdinglich für einen erfolgreichen Krimi.

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Wer schreit, hat Unglück: Kira Dorn (Nora Tschirner) und Fritte (Andreas Döhler) fliehen vor der Explosion.

Quelle: Foto: ARD

Hannover. Wer immer schon mal wissen wollte, wie man richtigen Milchkaffee macht, der sollte am Sonntag den „Tatort“ einschalten. Die Milch, erfährt man dann, kommt nämlich direkt ins Wasserfach der Maschine, dann wird das Gerät angestellt und – zack! – fertig ist das leckere Gebräu. Ausgedacht hat sich diese köstliche Szene der Gagspezialist Murmel Clausen, ein bekannter Comedyautor, der seit „Die fette Hoppe“ (2013) die Drehbücher für den Weimar-„Tatort“ schreibt. Im von Titus Selge inszenierten neuesten Film „Der kalte Fritte“ tut er das zum ersten Mal allein – ohne den erfahrenen TV-Krimiautoren Andreas Pflüger.

Unterhaltungswert von Fernsehkarneval

Genau das merkt man dieser Folge leider auch an. So gibt es zwar die Clausen-typische Mischung aus merkwürdigen Sinnsprüchen, verkorksten Sprichwörtern, albernen Wortspielereien und missglückten Zoten. Dass manche dieser Witzeleien dann leider nur den Unterhaltungswert von Fernseh-Karnevalssitzungen besitzen, ist noch verzeihlich. Aber was einfach diesmal fehlt, ist eine halbwegs stringent erzählte Geschichte. Diese bleibt bis zum Schluss arg konfus. Und auch die für einen Krimi nötige Spannung fehlt.

Entsprechend beliebig wirkt die finale Auflösung des Falls, die man als Zuschauer bestenfalls achselzuckend und schlimmstenfalls gelangweilt zur Kenntnis nimmt.

Auf finnische Auftragskiller ist Verlass

Es geht um den Bau eines neuen Goethe-Geomuseums und um damit zusammenhängende Grundstücksspekulationen, die mörderische Folgen haben: Zwei Parteien haben sich um den Museums-Standort beworben, zwei Brüder, die seit ewigen Zeiten verfeindet sind. Zum einen der reiche Nachtclub-Besitzer Fritjof Schröder genannte Fritte (Andreas Döhler), zum anderen Martin (Sascha Alexander Geršak), der einen Steinbruch betreibt und kurz vor der Pleite steht.

Für beide wäre der Museumsbau ein lukratives Geschäft, ja im Falle von Martin sogar die Rettung vor der Insolvenz. Aber dann droht der Mäzen und Milliardär Alonzo Sassen mit einer Grundstücksschenkung an die Stadt ihnen das erhoffte Geschäft zu vermiesen. Wozu es nicht kommt, weil der schwerreiche Kunstfreund in seiner Villa von einem finnischen Auftragskiller erschossen wird. Der Mörder wird dabei allerdings von der Gattin des Opfers überrascht, die unkonventionell Milchkaffee kocht und mit einer Pistole prima umgehen kann. Kurzerhand killt sie den Killer.

Kommissare mit flapsigem Verhörstil

Ein schöner Fall für die Weimarer Kommissare Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen), die nun mal wieder beweisen dürfen, dass sie (und ihr Autor) offenbar zahllose Fernsehkrimis genauestens studiert haben. Wie sie bei ihren Ermittlungen überaus locker und flapsig den üblichen Befragungsstil der TV-Kommissare perfekt abspule, ist witzig.

Vor allem weil diese sympathisch verhuschten Typen in ihrer Rolle so herrlich falsch besetzt sind. Von ähnlich komischem Kaliber ist zudem ihr trotteliger Assistent Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey) und der eitel hilflose Kommissariatsleiter Stich (Thorsten Merten), „der beste Polizist Thüringens“, der arge Probleme mit seinem Vater (Hermann Beyer) hat. Und es sind solche Nebenkriegsschauplätze, auf denen vom Regisseur dann auch mal tragikomische Töne angeschlagen werden. Wohltuend!

Weimar ist nicht Hollywood

Schließlich ist von Anfang an ja klar, dass in den Mord (dem weitere folgen werden) einer der beiden Brüder verstrickt ist. Deren Hassbeziehung führt dann zu einem richtig explosiven Ende, bei dem der Regisseur sich bei großen Action-Filmen zitierend bedient. Aber Weimar ist eben nicht Hollywood, auch wenn es für einen kurzen Moment so ausschaut. So wird auch dieser spielfilmreife Showdown natürlich augenzwinkernd präsentiert. Denn nichts ist den Weimarer-„Tatort“-Machern halt heilig.

Von Ernst Corinth/RND

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