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Medien Ein Hannover-„Tatort“ ohne Hannover
Nachrichten Medien Ein Hannover-„Tatort“ ohne Hannover
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00:17 08.12.2014
Von Imre Grimm
Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) sitzt in der Klemme. Clemens Müller (Marko Dyrlich) will die Kommissarin endgültig ausschalten. Quelle: NDR
Hannover

Es gibt diese Filme, die einfach zu viel auf einmal wollen: aufklären, unterhalten, anecken, moralisieren, künstlerisch wertvoll sein und gleichzeitig messerscharf und massenkompatibel. Zwei Jahre hat sich Maria Furtwängler, die einen Vertrag für drei weitere Fälle unterschrieben hat, für ihren neuen Charlotte-Lindholm-„Tatort“ Zeit gelassen. Dazwischen lag der gescheiterte Versuch, ihre hannoversche Kommissarin mit einem neuen Drehbuchansatz einen Ausflug ins Komödiantische wagen zu lassen. Am Ende entschied sie sich mit NDR-Fernsehfilmchef Christian Ganderath und den Autoren dagegen. Und drehte stattdessen diesen „Tatort“, der so ungefähr das Gegenteil von einem neuen Dreh ist. Als hätte das Team versucht, auch noch die letzte Spur von Witz und Chuzpe zu tilgen. Allerdings ist er auch das Gegenteil von einem rundum gelungenen Sonntagskrimi.

Da schweifen Lindholms Augen müde und matt über die niedersächsische Tiefebene im cloppenburgischen „Schweinegürtel“, wo der selbstverständlich skrupellose Fleischunternehmer Jan-Peter Landmann - angenehm rätselhaft-charmant: Heino Ferch - mit einer neuen Kinderwurst das ganz große Ding plant. Dabei zerreißt es leider seinen Chauffeur „Carlito“ bei einem Anschlag, was die Kripo auf den Plan ruft. Superfirmenboss Landmann will der irgendwie müde wirkenden Kommissarin imponieren, verzichtet auf Personenschutz und baggert sie mit Sätzen aus der Flirtmottenkiste („Vielleicht sind wir beide schon zu oft enttäuscht worden?“) an, als gäbe es kein Morgen. „Bauer sucht Frau“ in der Luxusvariante zwischen Champagner und Schweinekoben. Und Lindholm wirkt, als wäre ihr eh alles wurscht.

Wer wollte Landmann ans Leder? Militante Tierschützer? Übelwollende Konkurrenten? Dieser idealistische Biobauer, den Landmann mit seinem Billigheimerfleisch ruiniert hat? Was führt Landmanns süßlich-weichlicher Neffe im Schilde? Und welche Rolle spielt die resolute Mutter Landmann mit ihren grobschlächtigen Weisheiten („Weil der Asiat halt gern an Schweinefüßchen knabbert!“)?

Lindholm appelliert an Fleischesser

Schwer moralisch ist der Film zwischendurch. Da werfen ausgebeutete Arbeiter mit Bullenaugen. Da appelliert die Kommissarin - im wahren Leben keine Vegetarierin - an den besseren Menschen in jedem Fleischesser. Da kommt es in einem Stall zu einer unmotorisierten Kollision zwischen Lindholm und einem XXL-Eber (Symbolkraft!). Da schwärmt die Fleischmafia von profitablen Konservierungsmethoden, bei denen „Bakteriophagen auf Güllebasis die Fäulnisbakterien abtöten“. Das ist alles ganz schön eklig, aber vielleicht könnte die Frau Kommissarin jetzt einfach mal wieder ein bisschen ermitteln, damit wir hier vorankommen?

Schwer aus den Puschen kommt das Werk, bei dem Grimme-Preisträger Alexander Adolph für Buch und Regie verantwortlich zeichnete. Tranig steht dann auch noch eine verhuschte Kripo-Kollegin mit Selbstwertproblem im Weg herum, gespielt von Bibiana Beglau. Die „Schauspielerin des Jahres“ und renommierte Bühnenkünstlerin weiß, was sie tut. Leider spielt die nervtötende, erratische Verträumtheit ihrer Figur für die Geschichte überhaupt keine Rolle. Und am Ende ist es einem dann schon fast egal, von wem die Fingerabdrücke auf dem abgeschraubten Radkappenbolzen sind oder wo zum Teufel dieser „zwinkernde Bulgare“ steckt, der ein so wichtiger Zeuge ist.

Schon klar, was dieser leider etwas koffeinfreie Film sein wollte: unheimlich, leise, eindringlich, intensiv. Stattdessen ist es der bisher schwächste Lindholm- „Tatort“ - mit einem schwer prätentiösen Soundtrack.

Spannend wird der Tatort im letzten Drittel

Erst nach zwei Dritteln zieht die Sache an, wird gar ein wenig spannend, als Landmanns Sicherheitschef Clemens Müller die Kontrolle verliert. Aber muss dieser Müller - solide gespielt vom erfahrenen, in Leipzig zum Schauspieler ausgebildeten TV-Bösewicht Marko Dyrlich - dann auch noch ein ganz dolle böser Motorradfreak aus dem Klub Angels on Wheels sein? Geht’s auch mal ohne Rocker? Allmählich sind die Jungs in den Kutten bei Lindholm, was die Russen in den achtziger Jahren bei James Bond waren: die Huckeduster vom Dienst, die man immer nimmt, wenn mal ein kleiner Teufel fehlt. Das Tierelend, das Nicht-wissen-wollen der Konsumenten, liegt wie ein Schatten über dem Film, ebenso das Leid der ausgebeuteten Werkvertragsarbeiter.

Textlich und emotional aber bleibt die Sache so karg wie die norddeutschen Stoppelfelder, auf denen Lindholm herumschlurft. Das ist schade, denn die Massentierhaltung wäre das perfekte Szenario für einen spannenden Krimi, der nebenbei etwas Aufklärung im Gepäck hat. So matt aber, so - Verzeihung - fleischlos und graumäusig bleibt die Sache ziemlich fade Kost.

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