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Medien „Jugend ohne Gott“ – Horváth für Heutige
Nachrichten Medien „Jugend ohne Gott“ – Horváth für Heutige
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00:00 30.08.2017
Läuft er weiter in Reih und Glied, oder geht er seinen eigenen Weg? Zach (Jannis Niewöhner, r.) auf dem Weg ins Elitecamp. Quelle: Foto: Constantin
Hannover

Betroffene könnten diese Verfilmung durchaus als Provokation auffassen, denn sie kommen ziemlich schlecht weg. Und betroffen sind alle, die sich auf dem Weg ins Erwachsensein befinden und noch ihren Platz im Leben suchen. Die Vorlage, der Roman „Jugend ohne Gott“, handelt schließlich von einer verblendeten Jugend im nationalsozialistischen Deutschland. Der österreichische Autor Ödön von Horváth erzählte 1937 von Mitläufern und Duckmäusern, von Gedanken- und Lieblosigkeit. Und nun kommen der Schweizer Regisseur Alain Gsponer („Heidi“) und seine beiden Drehbuchautoren (Alexander Buresch, Matthias Pacht) daher und verpflanzen diese Geschichte mal eben in eine nahe Zukunft, die sich schon in unserem Alltag abzuzeichnen scheint – Mikrochips unter der Haut und Minidrohnen zu Überwachungszwecken gibt es schließlich schon heute. Futuristisch sieht in diesem Film wenig aus.

Solidarisches Verhalten gibt es nur gegen Punkte

Tatsächlich bietet sich die Aktualisierung des Romans geradezu an, dieses Kino-Update erscheint logisch: Der verschlossene Zach (Jannis Niewöhner), die übereifrige Nadesch (Alicia von Rittberg), der hinterfotzige Titus (Jannik Schümann) und all die anderen Schüler ziehen ja auch nicht ins abgeschiedene Waldcamp, um Exerzieren und Schießen für den nächsten Weltkrieg zu üben, so wie sie es bei Horváth tun.

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Sie alle sind Teilnehmer eines psychologisch ausgeklügelten Ausleseverfahrens für eine Elite-Uni. Wenn sie Flüsse überwinden oder Felsen erklimmen, dann haben sie nur ein Ziel: Sie wollen besser sein als die anderen. Solidarisches Verhalten ziehen sie nur dann in Betracht, wenn dies Punkte für die individuelle Gesamtwertung bringt. Denn Uni-Plätze sind knapp.

Die Abgehängten werden in ein Ghetto gesperrt

Das dürfte heutigen Jugendlichen womöglich bekannt vorkommen. Schließlich ähnelt ihr Alltag einem nimmer endenden Wettbewerb. Irgendein nächstes Stipendium oder ein nächstes Praktikum muss immer ergattert werden. Der Weg ins Erwachsensein gerät leicht zu einer permanenten Castingshow, bei der man sich selbst möglichst teuer verkaufen muss.

Es gibt allerdings auch jene, die sich diesem Ausleseprozess verweigern. Der sensible Zach gehört dazu. Er leidet unter dem Selbstmord seines geschäftlich erfolgreichen Vaters, über den wir im Film nichts weiter erfahren. Immer verbissener verteidigt Zach seinen jugendlichen Idealismus gegen den um sich greifenden Konkurrenzzwang. Seine Träume von einer gerechten Welt vertraut er einem Tagebuch an. Auch die weniger Perfekten sollen eine Chance haben, die Übergewichtigen oder die nicht ganz so Intelligenten. In seiner Gegenwart werden die Abgehängten in Ghetto-ähnlichen Sektoren weggesperrt.

Eine Waldfee im Zottel-Look taucht auf

Aber dann ist das Tagebuch weg, und eine besonders strebsame Mitschülerin liegt tot im Wald. Des Mordes verdächtigt wird erst Zach und dann Ewa (Emilia Schüle), eine „Illegale“, wie es hier heißt, eine Herumtreiberin, die nicht der künftigen Elite angehört. Zach ist mehrfach auf diese Waldfee im Zottel-Look gestoßen, und weil dies ein Film über und für Jugendliche ist, kommt es auch zu nächtlichem Sex im Mondenschein.

Allein Zachs Lehrer (Fahri Yardim) ahnt mehr von den Zusammenhängen. Er ist die heimliche Hauptfigur, eigentlich ein Idealist wie Zach, doch hat er beinahe schon kapituliert vor dem System. Der – namenlose – Lehrer muss für sich entscheiden, ob er sich weiter verbiegen lassen will oder doch noch den Mut aufbringt, zu seinen humanistischen Überzeugungen zu stehen. So liest sich das bei Romanautor Horváth, und so ist es auch im Film zu sehen.

Engagierte Jungschauspieler gegen Doppelgemoppel

Dramaturgisch hapert es allerdings bei der Umsetzung: Regisseur Gsponer erzählt die Ereignisse im Bergcamp gleich zweimal, zunächst mit einigen entscheidenden Auslassungen und dann noch einmal rund um die fehlenden Puzzleteile. Das soll elegant erscheinen, birgt aber keinerlei innere Notwendigkeit und bringt auch keine überraschenden Erkenntnisse. Dieses Doppelgemoppel geht klar auf Kosten der Spannung. Generall wird in diesem Film die Botschaft allzu eindeutig rübergebracht.

Beeindruckend dagegen sind die engagierten Jungschauspieler. Jannis Niewöhner verkörpert das Recht der Jugend auf Kompromisslosigkeit, wenn er – beschützt von den Kopfhörern auf seinen Ohren – unbeirrt seinen eigenen Weg geht. Und Jannik Schümann gibt seiner Figur einen geradezu diabolischen, zeitlosen Kick. Am Ende frisst die Leistungsgesellschaft ihre Kinder.

Von Stefan Stosch / RND

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