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Medien Lanier und seine zehn Gründe gegen Soziale Netzwerke
Nachrichten Medien Lanier und seine zehn Gründe gegen Soziale Netzwerke
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14:42 05.06.2018
Hält Rede bei der Cebit: Der US-amerikanische Autor Jaron Lanier.De Quelle: Insightfoto.com
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Hannover

Mit den Regeln der digitalen Sphäre kennt sich Jaron Lanier aus. Der US-Autor und Musiker mit den auffälligen Rastazöpfen ist als Tech-Guru bekannt. Er gilt als Vater des Begriffs der „virtuellen Realität“ und hat 2016 sogar den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen - für seinen Beitrag zur Völkerverständigung in der digitalen Welt. Am 11. Juni wird der 58-Jährige die Eröffnungsrede bei der Cebit in Hannover halten.

So wundert es nicht, dass sich der Titel von Laniers jüngstem Buch an einem Schema des Klick-Journalismus orientiert: „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“. Die Kapitel lesen sich so plakativ wie ein Facebook-Posting: „Social Media macht dich zum Arschloch“, heißt es da, „Social Media tötet dein Mitgefühl“ oder auch „hasst deine Seele“. Lanier spricht von einer „Massenabhängigkeit“ und ruft dazu auf, Nutzerkonten von Instagram bis Twitter zu deaktivieren. Und stattdessen lieber wieder einmal in einen analogen Bergsee zu tauchen, wie es die Titelseite des Buches suggeriert.

Lanier trifft den Nerv einer Zeit, in der die Social-Media-Skepsis infolge der Skandale um Cambridge Analytica wächst. Der ehemalige Wissenschaftler im Microsoft Research wiederholt in dem Kapitel über prekäre Arbeitsverhältnisse zudem seine Kritik an den Geschäftsmodellen großer Internetunternehmen.

Es gibt aber auch Kritik an Lanier:

Die kulturpessimistischen Thesen werden dem Leser allzu appellativ und apodiktisch eingetrichtert. Doch sie finden in der Netzgemeinde viel Gehör – auch weil sie von einem Insider aus dem Silicon Valley stammen. Lanier war Mitte der Siebzigerjahre ein Pionier in der Entwicklung des Internets. Doch vom ursprünglichen Idealismus hat er sich schon lange verabschiedet. In seinem Werk „Wem gehört die Zukunft?“ (2014) riet er davon ab, Facebook und Co. zu glorifizieren. Die Menschheit neige dazu, Kommunikationsmittel zu nutzen, um andere zu missbrauchen. Bereits 2006 warnte er in dem Essay „Digitaler Maoismus“ vor dem „Siegeszug eines Online-Kollektivismus“ à la Wikipedia und Co.

Lanier fordert übrigens nicht, das Internet komplett auszuschalten. Dafür nennt er Katzen als Vorbild. Die hätten in Form viel geteilter Videos das Internet erobert, sich dabei jedoch ihre unangepasste Natur bewahrt. Die Tiermetaphorik wirkt befremdlich. Ist Lanier etwa zum Esoteriker geworden?

Von Nina May/RND

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