Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 4 ° Regen

Navigation:
„Postillon“ narrt Netz-Nutzer

Falsche Pofalla-Exklusivmeldung „Postillon“ narrt Netz-Nutzer

Wenn Satire glaubwürdiger als die seriösen Nachrichten erscheint: "Postillon"-Herausgeber Stefan Sichermann hat mit einer Pofalla-Story einen Coup gelandet und reichlich Verwirrung im Netz ausgelöst.

Voriger Artikel
NSA entwickelt Super-Computer zum Ausspähen
Nächster Artikel
Neuer Stern am Superhelden-Himmel

 Stefan Sichermann ist stolz auf seine Aktion.

Quelle: dpa

Fürth . Leser schätzen den "Postillon" für Schlagzeilen wie diese: "Vier von fünf Killerspiele-Spielern zu fett für Amoklauf". Oder: "Studie entlarvt Bäume als faulste Spezies der Welt". Dass die Online-Satirezeitschrift aber so hohe Wellen im Netz schlagen könnte wie nun geschehen, hätten wohl die wenigsten geglaubt. Mit der dreisten Behauptung, er sei schneller als die klassischen Medien gewesen, ist Herausgeber Stefan Sichermann ein PR-Streich gelungen. Worum geht es? Am Donnerstag hatte es erste Berichte gegeben, dass der frühere Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) möglicherweise bald einen Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn erhalten wird. Grundlage waren Exklusivinformationen der "Saarbrücker Zeitung". Noch während sich am Donnerstag die erste Welle der Empörung über diese Pläne aufbaute, gelang Sichermann eine Eulenspiegelei.

Er schrieb - in völlig nüchternem Ton - die Spekulationen um Pofalla auf und leitete sie mit den Worten "Wie der Postillon am Mittwochmorgen erfuhr..." ein. Über den Text schrieb Sichermann dann die Datumsmarke "Mittwoch, 1. Januar 2014" und behauptete beim Kurznachrichtendienst Twitter dreist, er habe die Pofalla-Geschichte "exklusiv" gehabt. Andere Medien seien nach ihm auf die Story aufgesprungen. Viele Nutzer von Twitter und Facebook wollten lieber dem Spaßmacher als den etablierten Medien glauben. Sie hielten die seriöse Nachricht prompt für einen von Sichermanns Scherzen. Eine Vielzahl hämischer Kommentare ergoss sich über die klassischen Medien, die angeblich auf einen Internet-Scherz hereingefallen seien. Andere reagierten verunsichert.

Einige Leser gingen der Sache schließlich genauer nach und wurden fündig: Anhand eines Zeitstempels auf einem automatisierten Nachrichtenfeed (RSS-Feed) lässt sich nachvollziehen: Sichermann hatte die Satire erst am Donnerstagabend ins Netz gestellt - nach den ersten Medienberichten. Die Reaktionen im Internet reichten nun von Ernüchterung über Verwirrung bis hin zu einer Flut von Komplimenten an den "Postillon" für die Aktion. "Debatte um Pofalla, Postillon und Medien zeigt vor allem, dass zu viele Leute Funktionen und Mechanismen des Netzes nicht verstehen", schrieb ein Twitternutzer namens "davidermes".

Ein anderer User mit Namen "MartinJungfer" befand: "Eins auf die Mütze für die Netz-Besserwisser und ewigen Nörgler". Sichermann selbst hielt sich am Freitag zunächst bedeckt, ist offenbar stolz auf seine Aktion. Er änderte das Titellogo "Der Postillon" vorübergehend in "Der Pofalla" um. Vielleicht ist die Diskussion, wer als Erster die Nachricht hatte, aber doch noch nicht am Ende. Im Netz kursierte am Freitag eine neue Persiflage: Aufnahmen einer archäologischen Ausgrabung. Auf einer Tonscherbe steht in altertümlicher Schrift "Pofalla geht zur Bahn" geschrieben.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben
Mehr zum Artikel
Ex-Kanzleramtsminister
Die Diskussion über den möglichen Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn für den früheren Kanzleramtsminister Pofalla zieht immer größere Kreise.

Überraschend ist Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla als künftiger Manager der Bahn im Gespräch. So ein Seitenwechsel erregt die Gemüter.

mehr
Mehr aus Medien