Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Medien Schwarzweiß wie das Leben
Nachrichten Medien Schwarzweiß wie das Leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:45 07.02.2019
Gemeinsam trauern: Marie (Rosalie Thomass, li.) lernt viel von der Weisheit Satomis (Kaori Momoi, r.), der letzten Geisha Fukushimas. Quelle: Foto: Hanno Lentz/ZDF
Fukushima

Doris Dörrie hat Japan vor gut 30 Jahren kennen- und lieben gelernt. Damals ist „Mitten ins Herz“ – ein Frühwerk der Regisseurin – zum Filmfestival in Tokio eingeladen worden. Seither war sie viele Male in Japan. Nun also wieder.

Acht Jahre nach ihrem großen Kinoerfolg „Kirschblüten – Hanami“ hat sie erneut in Japan gedreht. Optisch könnten die beiden Filme allerdings kaum unterschiedlicher sein: „Grüße aus Fukushima“ ist ein düsteres Schwarzweißdrama, das beklemmende Erinnerungen an die atomare Dreifachkatastrophe von 2011 hervorruft. Inhaltlich gibt es allerdings durchaus Parallelen: In „Kirschblüten“ ist ein Mann in den Fernen Osten gereist, um anstelle seiner verstorbenen Frau ihren großen Traum zu leben. Diesmal ist es eine junge Frau, die sich auf den Weg macht.

Eigennützige Motive

Allerdings handelt es sich bei Marie (Rosalie Thomass), wie sich später zeigt, eher um eine Flucht: Kurz vor der Trauung ist ihre Hochzeit geplatzt. Ihr Trip nach Fukushima ist zwar gut gemeint, weil sie den Menschen im Auftrag der internationalen Hilfsorganisation „Clowns4Help“ ein bisschen Freude bringen will, aber in Wirklichkeit sind ihre Motive höchst eigennützig: Sie hofft, dass ihre eigene Trauer angesichts des ungleich größeren Unglücks der Japaner kleiner wird. Im Grunde betreibt Marie nichts anderes als Elendstourismus, und als Clown ist sie ohnehin eine Fehlbesetzung.

Eigentlich will sie schon abreisen, aber dann begleitet sie eine alte Frau in die Sperrzone: Satomi (Kaori Momoi), die letzte Geisha Fukushimas, macht mit Maries Hilfe ihr zerstörtes Heim wieder bewohnbar. Beinahe widerwillig entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden gegensätzlichen Frauen.

Bilder wie aus einem postapokalyptischen Endzeitfilm

„Grüße aus Fukushima“ ist gewissermaßen ein dokumentarisches Drama: Die Geschichte ist fiktiv, aber die Schauplätze sind real. Mehrfach streut Dörrie echte Aufnahmen aus dem Frühjahr 2011 ein, als das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans eine 15 Meter hohe Flutwelle auslöste, die auch das Kernkraftwerk in Fukushima überrollte und dort in drei Reaktoren eine Kernschmelze auslöste. Mit Ausnahme der gesperrten Zone ist die radioaktiv verstrahlte Gegend wieder freigegeben, doch der Ort gleicht einer Geisterstadt. Die Bilder könnten auch aus einem postapokalyptischen Endzeitfilm stammen.

Kein Wunder, dass sich Marie hier völlig fehl am Platz fühlt. Auch Satomi duldet das „große dumme Mädchen“ nur, weil die zu einem gewissen Ungeschick neigende Deutsche kräftig ist und gut anpacken kann. Allerdings zieht Marie mit ihrer Traurigkeit auch die Geister der Toten an, was der Geisha zunächst gar nicht gefällt, denn es erinnert sie an eine Schuld, die schwer auf ihrem eigenen Gewissen lastet, aber dank Marie findet sie den Mut, sich dieser Schuld schließlich zu stellen.

Einzigartige Hybridform aus Spiel- und Dokumentarfilm

„Grüße aus Fukushima“ ist bereits Dörries dritter Japan-Film (der erste war im Jahr 2000 „Erleuchtung garantiert“). Ihre Kenntnisse von Land und Leuten sind da natürlich eine gute Basis. Entscheidender für den authentischen Charakter des Werks ist jedoch eine Arbeitsweise, die schon ihren Film „Dieses schöne Scheißleben“ (über mexikanische Mariachi-Sängerinnen) auszeichnete: Gemeinsam mit Hanno Lentz – seit „Kirschblüten“ ihr bevorzugter Kameramann – hat die Regisseurin einen Weg gefunden, sich „in die Realität zu schmuggeln“, wie sie das nennt. Auf diese Weise ist eine einzigartige Hybridform aus Spiel- und Dokumentarfilm entstanden, die durch das sensible Spiel von Rosalie Thomass gekrönt wird.

Von Tilmann P. Gangloff

Siegfried & Roy, eine LKA-Ermittlerin auf Serienkiller-Suche, und natürlich die Fortsetzung von „Babylon Berlin“. Diese neuen Serien stehen auf dem Plan von ARD Degeto – so will das Erste beim Serienboom mitmischen.

07.02.2019

Mit „Modern Talking“ kam Dieter Bohlen in der Popwelt an. So erfindet sich der Musikproduzent zum 65. Geburtstag noch einmal als Blogger ganz neu.

07.02.2019

Am Donnerstag startet die neue „Germany’s Next Topmodel“-Staffel. Als Gastjurorin dabei sein wird eine, die sich auskennt: Ellen von Unwerth stand selbst vor der Kamera, bevor sie Fotografin wurde – und hat schon Stars wie Claudia Schiffer, Rihanna und Naomi Campbell abgelichtet.

07.02.2019