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Medien "Spiegel"-Chefredakteur muss gehen
Nachrichten Medien "Spiegel"-Chefredakteur muss gehen
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00:15 07.12.2014
Von Dirk Schmaler
Nicht mehr "Spiegel"-Chefredakteur: Wolfgang Büchner. Quelle: dpa
Hamburg

Sie nennen ihn K4, den großen Konferenzsaal. Gediegener Holzfußboden, Fenster bis auf den Boden, ein riesiger weißer Tisch in der Mitte, drum herum Sessel und Bänke, bezogen mit purpurfarbenem Polster. Hier im ersten Stock des neuen „Spiegel“-Gebäudes an der Hamburger Ericusspitze, tagt jede Woche die „Spiegel“-Redaktion und sortiert die Welt. Am kommenden Montag werden sie das wohl ohne ihren Chef machen müssen. Nach nur 15 Monaten im Amt und ebenso lange andauernden Querelen mit der Redaktion wurde am Donnerstag bekannt, dass der 48-jährige Chefredakteur Wolfgang Büchner den Posten räumt. Auch Geschäftsführer Ove Saffe, der Büchner von der dpa-Spitze zurück nach Hamburg gelotst hatte, soll bis Mitte nächsten Jahres gehen.

Es ist das Ende eines monatelangen Machtkampfes zwischen Chefredakteur und Redaktion, der phasenweise einer Seifenoper glich. Büchner hatte von Anfang an einen schweren Stand in der Redaktion. Er war angetreten, die alten „Spiegel“-Mechanismen zu durchbrechen und die seit Jahren immer wieder angestrebte Verzahnung von Heft und Online-Auftritt tatsächlich zu vollziehen. Büchner, der bis 2009 Chefredakteur von „Spiegel Online“ war und danach als Chefredakteur der dpa in kurzer Zeit eine digitale Strategie verpasst hatte, schien der richtige Mann für diese Aufgabe.

„Spiegel“-Redaktion war von Anfang an skeptisch

Die „Spiegel“-Redaktion allerdings war von Anfang an skeptisch. Einmal, weil Büchner von den Online-Medien kommt und das für „Spiegel“-Redakteure immer noch gleichbedeutend ist mit oberflächlich. Zu gering schienen Büchners publizistische Erfolge, er sei zu sehr Manager und zu wenig Blattmacher, hieß es in der Redaktion. Auch mit seinem ungetrübten Selbstbewusstsein konnten die Print-Redakteure nicht umgehen.

Das alles könnte vielen Chefs herzlich egal sein. Doch beim „Spiegel“ sind die Redakteure eben nicht bloß Angestellte, sondern gleichsam Anteilseigner. Es war Herausgeber Rudolf Augstein, der verfügt hat, dass die Redakteure die Mehrheit am Magazin besitzen sollten – und somit ihren Chef stürzen können. Er hat damit den „Spiegel“ vor einigem Unsinn bewahrt, der über die Jahrzehnte in der Verlagsbranche umging. Aber er hat den Chefsessel beim „Spiegel“ eben auch zum Schleudersitz der Branche gemacht.

Büchner hat diesen besonderen Machtverhältnissen zu wenig Beachtung geschenkt. Statt sich einzufügen, wollte er Veränderung mit der Brechstange – und stieß auf Granit. Er war noch nicht einmal offiziell im Amt, da hatten sich in K4 bereits die „Spiegel“-Redakteure getroffen, um sich gegen Büchner zu verschwören. Der designierte Chefredakteur hatte zuvor bekannt gegeben, „Bild“-Politikchef Nikolaus Blome zum „Spiegel“ zu holen – eine Kampfansage. Die Redaktion sprach sich gegen den Neuzugang aus. Am Ende durfte Blome kommen, doch das Klima blieb vergiftet.

Gegner überwiegend Printredakteure

Zum Eklat führte im August Büchners Ankündigung, alle Ressortleiterposten in der „Spiegel“-Redaktion neu auszuschreiben. Seine Gegner – der ganz überwiegende Teil der Printredakteure – befürchteten vielleicht nicht ganz zu Unrecht, ihr Chef wolle sich gewissermaßen per Organigramm mächtiger Gegner entledigen.

Nun hat sich die Redaktion ihres Chefs entledigt – und installiert einen der ihren. Der derzeitige Vize-Chef des Magazins, Klaus Brinkbäumer, soll Büchner offenbar als publizistischer Kopf einer neuen Doppelspitze nachfolgen und die Wogen an der Ericusspitze glätten. Brinkbäumer arbeitet seit mehr als 20 Jahren beim Spiegel, seit 2011 als stellvertretender Chefredakteur. Er war schon Sportberichterstatter, New-York-Korrespondent und Krisenreporter und ist als Autor und Blattmacher akzeptiert. Ihm zur Seite soll Online-Chefredakteur Florian Harms stehen. Gemeinsam sollen sie – Wie soll es auch anders sein? – die Verzahnung von Print und Online organisieren. Alles auf null also.

Zunächst allerdings wird es in den nächsten Wochen um das Heft gehen. Anfang Januar soll der „Spiegel“ (früherer Werbespruch: „Montag ist Spiegel-Tag!“) erstmals am Sonnabend an den Kiosken liegen – und damit den Sonntagszeitungen Konkurrenz machen. Es ist vielleicht die prägendste Veränderung aus der kurzen Ära Büchners.

 

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