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Medien „Tatort“-Kritik: Halbherziger Politthriller aus Ludwigshafen
Nachrichten Medien „Tatort“-Kritik: Halbherziger Politthriller aus Ludwigshafen
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21:51 09.12.2018
Schulter an Schulter: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, rechts), die 2019 ihr 30-jähriges Dienstjubiläum beim „Tatort“ feiert, und ihre neue Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter). Quelle: Foto: Sabine Hackenberg/SWR
Ludwigshafen

Der Titel täuscht. Vorweihnachtlich geht es nämlich im neuen von Thomas Bohn inszenierten Ludwigshafener „Tatort: Vom Himmel hoch“ wahrlich nicht zu. Dennoch gibt es zumindest eine frohe Botschaft, die gut in die Zeit passt: Der auch für den Zuschauer nervige Zickenkrieg zwischen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und ihrer jungen Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter), den man sich ja auch nie so recht erklären konnte, scheint nach dem Abgang des langjährigen Kollegen Mario Kopper vorüber zu sein.

Mehr noch: Die beiden Ermittlerinnen scheinen einander inzwischen gut zu verstehen, und in einer Szene, als Odenthal feuchte Augen bekommt, weil ein Spielzeug-Oldtimer sie an Koppers Wagen erinnert, nimmt Stern sie sogar tröstend, ja fast zärtlich in den Arm.

Zumindest in der Ludwigshafener Mordkommission herrscht also adventlicher Frieden. Nur der rechthaberische Staatsanwalt (Max Tidof) stört die Harmonie im Team ein wenig, weil er sich häufiger Scharmützel mit der Kommissarin leistet und dabei die laufenden Ermittlungen sogar behindert.

Ermittelt wird natürlich mal wieder in einem Mordfall: Eine Psychotherapeutin findet den Flur ihrer Gemeinschaftspraxis verdreckt vor und macht sich sofort daran, bewaffnet mit einem Putzeimer den Schmutz wegzuwischen. Auf der Höhe eines Sprechzimmers sieht sie dann ihren Kollegen, der tot am Boden liegt. Und alles spricht für ein Verbrechen.

Tatort“ mit politischem Hintergrund

Nach diesem starken Krimi-Einstieg beginnt die übliche „Tatort“-Ermittlungsarbeit. Wie Odenthal und Stern bei ihren Befragungen erfahren, ist der Ermordete ein renommierter, auf Kriegstraumata spezialisierter Psychiater gewesen.

Zu seinen Patienten gehörten traumatisierte Angehörige der US-Militärbasis im nahen Ramstein, von wo aus offenbar Drohnenangriffe in aller Welt gesteuert werden. Gleichzeitig behandelte der Arzt auch die Opfer und Angehörigen dieser Angriffe. Und der völkerrechtlich fragwürdige Drohnenkrieg der USA, der übrigens schon von Barack Obama maßgeblich gefördert wurde, bildet dann den Hintergrund des Films. Allerdings wird das brisante Thema leider arg plakativ behandelt, meist nur kurz angerissen und nie richtig vertieft. Gleichzeitig lassen sich die psychischen Folgen, die diese Kriegsführung auf Täter und Opfer hat, nur erahnen.

Das offensichtliche Vorhaben mit dieser „Tatort“-Folge einen Politthriller zu inszenieren, ist daher leider nur recht halbherzig umgesetzt. Aber immerhin gibt’s im Verlauf des Films überraschend schnell einen Verdächtigen, der bei dem Psychiater in Behandlung war. Es ist ein Kurde (Cuco Wallraff), der bei einem Drohnenangriff im Irak seine beiden Kinder verloren hat und inzwischen bei seinem Bruder in Ludwigshafen lebt. Und der sich jetzt offenbar an einem US-Staatssekretär rächen will, der gerade Ludwigshafen und Ramstein besucht.

Mehr Tempo, bitte

Aber es gibt noch eine weitere Spur, die Johanna Stern verfolgt. Sie führt zu Heather Miller (Lena Drieschner), die als sogenannter Screener aktiv an Drohneneinsätzen beteiligt gewesen ist und dabei eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt hat. Sie arbeitet jetzt krankheitsbedingt in der Kantine der US-Streitkräftebasis und ist ebenfalls Patientin des Psychiaters gewesen.

Mehr darf an dieser Stelle jedoch nicht verraten werden, das würde dem Film den letzten Rest der eh recht dürftig vorhandenen Spannung nehmen. Zudem mangelt es diesem Krimi auch noch gewaltig an Tempo. Und viel zu oft wird die Handlung arg zerredet – in Szenen, in denen die Ermittler noch mal alles schnell wortreich zusammenfassen und erklären. Auch Dinge, die der Zuschauer zuvor sowieso schon gesehen hat.

Aber zumindest ist der „Tatort“ nach den verunglückten experimenteller Ausflügen mit den Impro-Krimis „Babbeldasch“ und „Waldlust“ sowie dem Abschied von „Kopper“ endlich wieder ein normaler Odenthal-Krimi. Und dass diese Folge alles andere als aufregend ist, ist man ja inzwischen von der mit 68 Einsätzen dienstältesten TV-Ermittlerin gewohnt. Leider.

Von Ernst Corinth

Im jüngsten „Tatort“-Fall von Lena Odenthal wurde ein Thema behandelt, das fast komplett aus der medialen Öffentlichkeit verschwunden ist: Drohnenangriffe, in die, wie ein US-Journalist behauptet, Deutschland immer noch einbezogen ist.

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