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Medien Technische Pannen beim TV-Experiment
Nachrichten Medien Technische Pannen beim TV-Experiment
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09:37 18.10.2016
 Eurofighter-Pilot Lars Koch (Florian David Fitz, vorne) muss sich im TV-Film „Terror – Ihr Urteil“ für den Abschuss eines entführten Passagierflugzeuges verantworten. Sein Verteidiger (Lars Eidinger, l), die Staatsanwältin (Martina Gedeck) und der Richter (Burghart Klaußner, r) in der Verhandlung  Quelle: ARD Degeto;Moovie
Köln/Hannover

 Es war zu erwarten: Der in der ARD am Montagabend ausgestrahlte TV-Film „Terror“ hat für heftige Reaktionen gesorgt. In den sozialen Netzwerken diskutierten zahlreiche Menschen über das „TV-Gerichts-Experiment“. Im Mittelpunkt stand dabei der durch TV-Zuschauer per Abstimmung erfolgte Freispruch für den Eurofighter Pilot Lars Koch (Florian David Fitz).

Unter dem Hashtag #TerrorIhrUrteil diskutierten zahlreiche Nutzer darüber. Selbst am Dienstagmorgen – Stunden nach der Ausstrahlung des Films – führte das Thema die Twitter „Trending Topics“ an.

Diskussionen über Zuschauer als Richter

Viele zeigten sich begeistert von dem TV-Experiment. Gleichwohl sorgt „Terror“ aber auch für Kritik. Viele Zuschauer klagten über Probleme bei der Abstimmung: Die Internetseite war zeitweise nicht erreichbar, die Telefonnummern oft besetzt.

Für inhaltliche Diskussionen sorgte der Urteilsspruch und die Rolle der Zuschauer. Einige User waren der Meinung, dass Urteile nur von Richtern gefällt werden sollten.

In dem Film nach dem gleichnamigen Theaterstück von Ferdinand von Schirach wird der Fall eines Piloten verhandelt, der eine Lufthansa-Maschine mit 164 Menschen an Bord abgeschossen hat, um zu verhindern, dass dieses Flugzeug von einem Terroristen in ein Stadion gesteuert wird, in dem sich 70.000 Menschen befinden.Nach dem Film konnte das Publikum darüber abstimmen, ob es den Piloten für schuldig hält. 86,9 Prozent stimmten für Freispruch.

Schirach: Helden sind immer schuldig

Schirach hält diese Entscheidung übrigens für falsch. Im Interview der Bild-Zeitung sagte der Autor des Stücks, dass der Kampfpilot zwar ein Held sei – aber auch schuldig.

Ferdinand von Schirach, der Autor des verfilmten Stücks „Terror - Ihr Urteil“ (ARD). Quelle: dpa

Der Soldat habe mit seiner Entscheidung zwar viele Leben gerettet, es gebe „aber nur den tragischen, den schuldigen Helden, nie den glücklichen“, sagte von Schirach. „In unserem Fall hieße das: Abschuss und anschließend lebenslänglich ins Gefängnis.“

In der anschließenden Diskussion in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ wurde unter anderem die Rolle der Zuschauer zum Richter diskutiert. Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum kritisierte die Entscheidung – das Publikum habe damit auch gegen das Grundgesetz gestimmt.

Die evangelische Theologin Petra Bahr warnte dagegen davor, die Abstimmung des Publikums als „Volksjustiz“ einzuordnen. Die Zuschauer hätten in diesem Fall nur über das Ende des Films abgestimmt, sagte sie. Es gebe Situationen, in denen Menschen vor dem Gesetz sehenden Auges schuldig würden, um andere zu retten.

Bestätigt durch das Urteil fühlte sich Franz Josef Jung: Der frühere Verteidigungsminister lobte das „sehr gute Gespür“ der Zuschauer.

Von RND/zys