Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Medien Tom Hardy als düsterer Serienheld
Nachrichten Medien Tom Hardy als düsterer Serienheld
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:29 31.07.2017
Durch den Morast: Tom Hardy als berechnender Geschäftsmann mit düsterem Geheimnis in der Serie „Taboo“. Quelle: BBC
London

Das Ufer der Themse ein Morast, die Fenster der heruntergekommenen Herrenhäuser verhangen, die Gesichter der Bewohner so schmutzig wie ihr Gewissen: London im Jahr 1814 ist ein düsterer Ort in der BBC-Serie „Taboo“, die hierzulande bei Amazon zu sehen ist.

Kaum ein Lichtstrahl hellt den Bildschirm in dieser rabenschwarzen Serie auf, die bereits um eine weitere Staffel verlängert wurde. Ihr Protagonist James Delaney hat ein dunkles Geheimnis: Er ist der einzige Überlebende eines gesunkenen Sklavenschiffes; die Geister der Toten verfolgen ihn in seinen Tagträumen. Gestrandet in Afrika, erlernte er schwarze Magie und kehrt nun mit einem Bündel von Diamanten nach London zurück, um nach dem Tod seines Vaters sein Erbe anzutreten. Tom Hardy („Inception“, „The Revenant“) spielt diesen Mann mit der Narbe ums Auge, dem fliegenden schwarzen Mantel und dem Zylinder mit einer rohen Präsenz. Die ganze Serie wirkt wie ein Fiebertraum, zwischen Wahnsinn, Okkultismus und nüchternen Geschäften.

Franka Potente als Puffmutter. Quelle: Amazon

Delaney spielt sie alle gegeneinander aus: Die Britische Ostindien-Kompanie, den König und die Amerikaner, die alle an dem ihm gehörenden Stück Land an der Grenze der USA interessiert sind. Seine Gesinnung ist so undurchschaubar wie das Wasser der Themse: Mal rettet er großzügig die selbstbewusste Schauspielerin und junge zweite Ehefrau seines Vaters aus dem Gefängnis, dann macht er den eigenen Sohn zum Komplizen in der doppelt gefährlichen Produktion von Schießpulver mit gestohlenen Zutaten.

Das Wasser ist für Delaney ein magisches Element: Seine verrückte Mutter versuchte ihn als Baby zu ersäufen, die ihm anvertrauten Sklaven starben im Meer, dort suhlt er sich auch in seinen rätselhaften Magieritualen. Die Wellen hört man in den Geigen der Titelmelodie, die sich unheilvoll unter ein sanftes Glockenspiel legen. Komponist Max Richter sorgte schon für den Klang in „Waltz with Bashir“, „Miss Sloane“ und Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“. Die „Taboo“-Melodie schleicht sich in den Kopf wie Delaney in den Geist seiner Widersacher.

Dieser Mantel: Tom Hardy. Quelle: Amazon

Es geht um Macht und Intrigen; die Szenen sind voller derber Brutalität und tierischer Sexualität. Das alles teilt „Taboo“ mit der Serie „Game of Thrones“, wie auch das historische Setting mit übernatürlichen Elementen. Außerdem leiht sich „Taboo“ gleich sieben Darsteller aus „Game of Thrones“: Oona Chaplin, Enkelin des berühmten Pantomimen, wurde in „Game of Thrones“ als Robb Starks Frau ein Opfer der „Roten Hochzeit“. In „Taboo“ gibt sie die ambivalente Figur der Zilpha, Halbschwester und ehemalige Geliebte von Delaney. Mal wälzt sie sich lüstern im Bett, wenn Delaney sie mithilfe spiritualistischer Rituale nachts heimsucht, mal ergibt sie sich duldsam in die Demütigungen ihres schwachen und tyrannischen Ehemanns. Dieser wiederum wird gespielt von Jefferson Hall, der als Ser Hug schon in der ersten Staffel von „Game of Thrones“ sein Leben lassen musste.

Zudem gibt es ein Wiedersehen mit Jonathan Pryce, der als Oberhaupt der Ostindien-Kompanie noch widerwärtiger ist denn als intriganter Gottesdiener Hoher Spatz in „Game of Thrones“. Selbst Nebenrollen sind prominent besetzt: Mark Gatiss, bekannt als Sherlocks Bruder Mycroft aus den BBC-Verfilmungen, ist allerdings als fetter König kaum wiederzuerkennen. Franka Potente spielt eine deutsche Puffmutter, die zu einer Verbündeten Delaneys wird.

Alles in allem ein Muss für Anhänger von Historienspielen mit starken Schauspielern.

Von Nina May/RND

Dieser Film sollte Schulstoff werden: Die Dokumentation „Im Netz der Lügen“ dokumentiert, wie leicht sich eine Falschmeldung im Internet verbreiten lässt

30.07.2017

Millionenfach wurde das Buch „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“ rund um das Schicksal von Christiane F. verkauft. Jetzt soll aus dem Bestseller eine Fernseh-Serie werden.

30.07.2017

„In den vergangenen Jahren haben wir uns nur blamiert“, sagt Schlagersänger Tony Marshall über den Eurovision Song Contest. Der 79-Jährige will für Deutschland bei dem Musikwettbewerb antreten.

29.07.2017