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Medien Was ARD und ZDF zur Fußball-WM 2018 planen
Nachrichten Medien Was ARD und ZDF zur Fußball-WM 2018 planen
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21:05 23.04.2018
Zwei Freunde müsst ihr sein: Peter Frey, Chefredakteur des ZDF, und Volker Herres, Programmdirektor der ARD (links), machen bei der Fußball-WM in Russland gemeinsame Sache. Quelle: dpa
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Hamburg

Da sitzt Palina Rojinski nass und skeptisch in der Badewanne von Leonid Breschnew und guckt sparsam. Aber da muss sie durch. So ist das eben, wenn man bei einer Fußball-WM in Russland zuständig ist für die Abteilung „Regionales Flair, Dekoration und Charme“. Da badet man auch schon mal testhalber im alten Zuber eines kalten Kriegers. Und immer lächeln, bitte.

Land und Leute – ohne völkerkundlichen Ansatz geht es nicht mehr bei sportlichen Großereignissen. Bei der Tour de France murmeln Kommentatoren zu idyllischen Luftbildern Wikipedia-Fakten ins Mikrofon („Wir befinden uns im Departement Lot-et-Garonne, die Spitzengruppe passiert jetzt die Burgruine Sauveterre-la-Lémance ...“).

Und bei der WM in Russland will Rojinski, geboren 1985 in St. Petersburg, für die ARD eben „dieses komische Land erkunden“, dass sie im Alter von sechs Jahren in Richtung Berlin verlassen hat. Das „andere“ Russland. Eine Doku ist schon fertig, aus der stammt die Badewannenszene.

Es ist von einem anderen Russland die Rede

Von diesem anderen Russland ist viel die Rede bei der Präsentation der WM-Pläne von ARD und ZDF am Montag in einem Hamburger Luxushotel. 51 Tage sind es bis zum Eröffnungsspiel, und ZDF-Chefredakteur Peter Frey hat seinem Sender sportlichen Ehrgeiz bei gleichzeitiger politischer Skepsis verordnet. „Wir müssen unterscheiden zwischen dem System Putin und Russland als Gastgeber“, sagt er.

Dieses andere Russland, das der Westen hinter den Propagandagewittern des Kreml, hinter den Hackerdebatten und Syrienverwerfungen gar nicht mehr erkenne, wird in einem ZDF-Trailer mittels einer putzigen Babuschka in Kittelschürze symbolisiert, die mit einem Kohlkopf Fußball spielt.

Palina Rojinski ist für die Abteilung Land und Leute zuständig. Quelle: Imago

Das zeigt schon, wie schmal der Grat zwischen Nationenklischees, Party-Patriotismus, Erfolgsgejubel und politischer Strenge ist. Aber natürlich soll es auch „Emotionen“ geben. Die sind schließlich der Treibstoff des Eventsports. Man spricht darüber wie von einer beliebig dosierbaren Zutat („Wir brauchen noch einen Schuss Emotion“).

Trotzdem hat die ARD auch Partyschreck Hajo Seppelt akkreditiert, der sich der Doping-Problematik annehmen soll. „Schau’n wir mal, ob wir ihn auch brauchen“, sagt SWR-Sportchef Harald Dietz. Überhaupt: „Die Verbände sollten sich zukünftig besser überlegen, an welche Länder sie Großereignisse vergeben.“

Politisch gibt’s noch Fragezeichen, sportlich aber steht der Sendeplan: 64 Spiele, zwölf Stadien, vier Zeitzonen, viereinhalb Wochen. Die ARD zeigt das Eröffnungsspiel (Russland gegen Saudi-Arabien) am 14. Juni, das ZDF das Finale am 15. Juli. Alle Spiele sind live zu sehen, Parallelbegegnungen wandern zu Zwergschwestern wie One.

Das zentrale Studio steht in Baden-Baden

Das zentrale Studio, 670 Quadratmeter groß, entsteht wie schon beim Confed Cup 2017 in Baden-Baden. Nur ein einziger ARD-Redakteur ist im International Broadcasting Center (IBC) in Moskau stationiert. Schwarzwald statt Russland also für die Moderatoren und Experten des ZDF (darunter Oliver Welke, Oliver Kahn, Taktikfuchs Holger Stanislawski und der Schweizer Oberregelkundler Urs Meier) und der ARD (Matthias Opdenhövel und Alexander Bommes in einer neuartigen Doppelmoderation, Thomas Hitzlsperger und Jessy Wellmer).

Das spart eine siebenstellige Summe Gebührengeld, soll aber auch „räumliche und journalistische Distanz zu einer durchaus umstrittenen Veranstaltung“ symbolisieren, wie es beim ZDF heißt. Denn das fürchten sie hier schon ein bisschen: dass sie zu Multiplikatoren einer putinschen Propaganda-Sause werden könnten. „Da werden wir nicht mitspielen“, verspricht ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann.

Die Kommentatoren freilich sitzen in den Stadien: Tom Bartels, Steffen Simon und Gerd Gottlob im Ersten; Oliver Schmidt, Béla Rethy (bei seiner siebten WM), Martin Schneider und Claudia Neumann (bei ihrer ersten WM) im ZDF. Welke hat ein robustes Verhältnis zu der Tatsache, nicht aus Russland zu senden: „80 Prozent meiner Tätigkeit bestehen sowieso darin, Oliver Kahn bei Laune zu halten.“

Und um nicht auf Fifa-Bilder allein angewiesen zu sein, schicken die Sender eigene Kamerateams in die Stadien. Kurzfristig als ZDF-Experte ausgefallen ist Sebastian Kehl – er wird neuer Leiter der Lizenzspielerabteilung von Borussia Dortmund. Thomas Hitzlsperger wird Mehmet Scholl als ARD-Experte ersetzen, der mit dem Sender nicht mehr auf einen grünen Zweig kam. Neu im ARD-Expertenteam ist Hannes Wolf (37), bis Januar Cheftrainer des VfB Stuttgart.

Philipp Lahm wird Gastkommentator

Zusätzlich wird sich regelmäßig Philipp Lahm an der Seite von Jessy Wellmer zu Wort melden – in der neuen Reihe „Weltmeister im Gespräch“. Dankenswerterweise nicht wiederholt wird Reinhold Beckmanns idiotisches EM-Experiment „Beckmanns Sportschule“. Stattdessen wagen sich Micky Beisenherz und Jörg Thadeusz an eine Art WM-Late-Night-Show live von der Hamburger Reeperbahn, deren Name „Kwartira“ allerdings schon jetzt eine gewisse Zwangslockerheit verströmt. Man rechnet mit einem Traumquotensommer. „Ein neuer Rekord ist in Greifweite“, freut sich Peter Frey.

Für die Rechte an der WM 2018 haben ARD und ZDF 218 Millionen Euro bezahlt, etwa 8 Millionen mehr als bei der WM 2014 in Brasilien. Viel Geld für ein Fest, von dem keineswegs feststeht, ob es wirklich eines wird. Beide Sender teilen sich Kosten und Produktion. So ist das im Fußball: Zwei Freunde müsst ihr sein.

Von Imre Grimm/RND

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